Infrastruktur

Fehmarn: Bundesregierung hat verspätete Gleisanbindung verschwiegen

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Illustration Tunneleinfahrt Fehmarn
Die Bahnverbindung unter dem Fehmarnbelt könnte drei Jahre länger dauern.

Der Tunnel zwischen Dänemark und Deutschland wird fast pünktlich fertig – aber die Züge bleiben stehen. Die Bahnstrecke auf deutscher Seite verspätet sich um Jahre. Lange hat die Bundesregierung so getan, als laufe alles nach Plan. Jetzt kommt raus: Das stimmt nicht. Dänemark wurde erst spät informiert.

Wenn der Tunnel durch den Fehmarnbelt nach Plan Ende 2029 öffnet, wird die Bahnverbindung auf der deutschen Seite blind enden. Das ist der Stand der Dinge, nachdem das deutsche Eisenbahnbundesamt die Plandokumente für den Tunnel von Fehmarn zum deutschen Festland veröffentlicht hat.

Bislang hat sowohl die Bundesregierung als auch die Deutsche Bahn (DB) an der Behauptung festgehalten, die Schienenanbindung werde fristgerecht fertig werden. Dies geschah unter anderem, als der Transportausschuss des dänischen Folketings am 23. September des vergangenen Jahres Fehmarn besuchte, um sich über den Stand der Gleisanbindung zu informieren.

Folketingsausschuss war besorgt über Verspätung

Anlass des Besuches war laut Tagesordnung die Sorge, die Arbeiten auf der deutschen Seite würden nicht gleichzeitig mit dem Fehmarnbelttunnel fertig werden, so wie es im Staatsvertrag zwischen Dänemark und Deutschland vereinbart ist. Doch die DB beschwichtigte.

Der Bundestagsabgeordnete des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW), Stefan Seidler, hat wiederholt Fragen zum Stand der Dinge gestellt. Auch ihm hat die Bundesregierung versichert, die Anbindung würde rechtzeitig fertig werden.

„Sowohl die Bundesregierung als auch die Deutsche Bahn hatten bis zuletzt eine Fertigstellung bis Ende 2029 kommuniziert“, schreibt er in einer Pressemitteilung. „Seit vielen Monaten war absehbar, dass der angekündigte Termin kaum zu halten sein wird.“

Tunnelbauer bleiben im Dunkeln

Bis dato ist die Tunnelbaugesellschaft Femern A/S offiziell über die Verspätung nicht informiert worden. Sie kennt sie ausschließlich aus der öffentlichen Diskussion.

„Wir haben deutsche Medienberichte über die Verspätung der Schienenbindung verfolgt, können auf der Grundlage jedoch keinen Kommentar abgeben“, teilt die Pressestelle des Unternehmens auf Nachfrage des „Nordschleswiger“ mit.

Man erwarte, dass die deutsche Regierung es der dänischen mitteilen wird, sollte die Anbindung verspätet werden.

Botschaft hat dänische Regierung informiert

Nach „Nordschleswiger“-Informationen hat die Dänische Botschaft in Kopenhagen nach der Veröffentlichung der Plandokumente dem dänischen Transportministerium mitgeteilt, dass Deutschland seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllen kann. Die Redaktion arbeitet an einem Kommentar von Transportminister Thomas Danielsen (Venstre).

Aus den Dokumenten des Eisenbahnbundesamtes geht hervor, dass die Bauzeit für einen Tunnel unter dem Sund zwischen Fehmarn und dem Festland 6 Jahre und 5 Monate dauern wird. Vor Baubeginn muss das Amt jedoch noch das Planfeststellungsverfahren durchführen. Die Bahnstrecke kann somit frühestens Ende 2032 in Betrieb genommen werden.

Kein Züge über die alte Brücke

In den drei Jahren nach der planmäßigen Eröffnung des Fehmarnbelttunnels sollen auch keine Züge über die bisherige Brücke verkehren. „Bis zur Inbetriebnahme“ des Sundtunnels in Deutschland sei „kein planmäßiger Eisenbahnverkehr von und zur Insel Fehmarn vorgesehen“, schreibt das Eisenbahnbundesamt.

Der SSW-Bundestagsabgeordnete Stefan Seidler will diese Situation nicht hinnehmen: „Wir brauchen jetzt zügig Gespräche zu handfesten Übergangskonzepten auch für den wachsenden Verkehr nach Skandinavien“, sagt er.

Der Artikel ist am 25.7. um 18.40 korrigiert worden. Die Information an das dänische Transportministerium kam von der Dänischen Botschaft.