Deutsche Minderheit

„Bitte, tut alles“: Verzweifelter Vater von Bahnopfer macht Druck

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Werner Hansen trauert um seinen Sohn Nicklas.

Bahnübergang Kådnervej: Wie sicher ist dieser unbeschrankte Übergang? Nach dem Tod von Nicklas Hansen melden Anwohnende Fehlanzeigen der Warnlichter – Vater Werner Hansen fordert Sofortmaßnahmen. Damit steht er nicht allein, und die Betroffenheit scheint landesweit zu mobilisieren: Es bewegt sich was.

„Ich verliere nicht noch ein Kind an den Zug.“ Der Schmerz sitzt tief. Werner Hansen trauert um seinen verstorbenen Sohn Nicklas. Anfang Juli wurde er im Alter von 24 Jahren vom Zug erfasst, als er mit seinem Transporter die Bahnschienen am Kådnervej bei Behrendorf (Bjerndrup) überquerte.

„Nicklas ist im Kådnervej aufgewachsen, er kennt das Risiko an dem Bahnübergang.“ Werner Hansen sucht verzweifelt nach einer Erklärung für den plötzlichen Tod seines Sohnes. Er muss weinen und sich sammeln, gestikuliert mit den Händen, zeigt auf die Bahngleise und die Straße, die sein Sohn befuhr. „Wie konnte das passieren?“, fragt er. Verzweiflung und Ratlosigkeit sind ihm ins Gesicht geschrieben.

Er findet es richtig, dass die Kommunen sich – nach dem zweiten tödlichen Unfall an einem kleinen Bahnübergang innerhalb weniger Wochen – an den Tisch gesetzt haben, um zu besprechen, welche Sofortmaßnahmen sie umsetzen können.

Nicht der Autoverkehr, der Zug ist das Risiko

Es schmerzt ihn zu hören, dass alle Maßnahmen, die sie ergreifen konnten, lediglich darauf abzielen, die Geschwindigkeit der Autofahrerinnen und Autofahrer zu reduzieren. „Wir queren diesen Übergang rund fünfmal am Tag, und nie zu schnell.“ Der Zug sei ein immer präsentes Risiko, und auch die Kurve ganz knapp vor dem Übergang lasse eine schnelle Anfahrt nicht zu.

Er vermisste bislang das Engagement beim Gleisbetreiber Banedanmark. Anwohnende berichten von Unregelmäßigkeiten der Blinkanlage, die vor einem Zug warnen soll. „Manchmal blinkt das Licht, selbst wenn kein Zug kommt“, berichtet auch Hansen von seinen Beobachtungen und fragt: „Was, wenn es andersherum auch der Fall ist?“

Kein Vertrauen in die Blinkanlage – wo bleiben die Schranken?

Immerhin hat Banedanmark inzwischen angekündigt, drei der unbeschrankten Bahnübergänge – darunter den am Kådnersvej – in den kommenden Monaten genauer überwachen zu lassen. Damit soll sichergestellt werden, dass die mit Licht- und Tonsignalen ausgestatteten Anlagen zuverlässig funktionieren.

Gesichert sagen könne er das zwar nicht – doch unabhängig davon, ob die Technik korrekt arbeite oder nicht: „Das Vertrauen in die Verlässlichkeit dieser Anlagen ist verloren gegangen.“ Bald stehe der Mais auf den Feldern noch höher, dann sei es gleichgültig, wie langsam Autofahrerinnen und Autofahrer sich der Gleise nähern. „Wenn ich der Lichtanlage nicht vertraue, kann ich nicht sicher sein.“

Und er fragt sich: „Ich bin ja auch nur ein Laie, aber jedes kleine Parkhaus bekommt mal eben eine Schranke – und hier ist das nicht möglich?“

Auf Nachfrage bei Banedanmark betont das Staatsunternehmen, dass die letzten Bahnübergänge ohne Schranken – darunter die in Nordschleswig – erst 2027 mit Schranken ausgestattet werden sollen, wenn ein neues digitales Signalsystem eingeführt wird.

„Wer soll bis dahin noch alles sterben?“, fragt Hansen. Banedanmarks Sicherheitschef Martin Harrow verwies in seiner Antwort an den „Nordschleswiger“ am Donnerstagnachmittag darauf, dass derzeit gemeinsam mit den Behörden geprüft werde, welche Maßnahmen bis dahin ergriffen werden könnten.

70 statt 100: Erste Konsequenzen nach den Unfällen

Werner Hansen wünscht sich mehr Fokus auf den Zug- statt den Autoverkehr und versteht nicht, warum die Bahn im Bereich der Übergänge nicht einfach die Geschwindigkeit drosseln könne. „Menschenleben sollten es doch wert sein, den Fahrplan anzupassen.“

Eine Maßnahme, die auch Bahnexpertinnen und -experten längst fordern. Kristian Madsen von der Ingenieurvereinigung IDA ist einer von ihnen. „Es ist die Geschwindigkeit, die tötet“, sagte er diese Woche gegenüber „DR“ und forderte eine Reduzierung an Übergängen ohne Schranke.

Die Betroffenheit nach den Zugunglücken in Nordschleswig ist landesweit groß – Forderungen von Betroffenen wie Werner Hansen und Expertinnen und Experten mobilisieren nun auch die Verantwortlichen: Am Freitagmorgen vermeldete Banedanmark, dass die Züge an den unbeschrankten Bahnübergängen zwischen Tingleff (Tinglev) und Sonderburg (Sønderborg) von 100 auf 70 Kilometer pro Stunde abbremsen müssen.

Eine Nachricht, die auch auf Werner Hansens Forderung einzahlt.

Vater appelliert an die Verantwortlichen

Der Vater scheint sich in seiner Trauer an die Mission zu klammern, etwas zu unternehmen, zu verbessern. „Das bringt mir meinen Nicklas nicht zurück. Aber ich muss doch irgendetwas tun können.“ Er will sich nicht damit zufriedengeben, dass man das Problem untersucht und vielleicht erst in einem Jahr feststellt, dass etwas nicht in Ordnung war.

Sein Appell gilt allen Verantwortlichen und für alle unbeschrankten Bahnübergänge: „Bitte, tut alles in eurer Macht Stehende, damit nicht noch mehr Menschen ihr Leben und Eltern ihre Kinder an den Zug verlieren müssen.“