Verkehrssicherheit

Alle neun Bahnübergänge ohne Schranken liegen in Nordschleswig

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Bahnübergang Kådnervej
Der Bahnübergang 77 Kådnervej an der Strecke zwischen Tingleff (Tinglev) und Gravenstein (Gråsten) ist einer von mehreren unbeschrankten Übergängen im Landesteil.

Tödliche Unfälle an unbeschrankten Gleisüberfahrten haben den Landesteil zuletzt bewegt. Die Debatte, wie und wann für mehr Sicherheit gesorgt werden soll, läuft heiß. Die Nordschleswig-Karte zeigt, um welche Querungen es geht und was derzeit geplant ist.

Am 5. Juli gab es einen tödlichen Unfall am Übergang Kådnervej zwischen Klipleff (Kliplev) und Behrendorf (Bjerndrup), bei dem der 24-jährige Fahrer eines Kleinlasters ums Leben kam. Auf derselben Strecke fuhr dann am 15. August ein aus Kopenhagen kommender Intercity mit 95 Personen an Bord in einen Gülletransporter, der die Gleise blockierte. Eine 60-jährige Frau kam dabei ums Leben. Zwei Personen wurden schwer verletzt.

Seither wird diskutiert, wie es zu den Unfällen kommen konnte – und ob auch die letzten in Dänemark befindlichen unbeschrankten Bahnübergänge nicht unverzüglich mit Schranken oder anderweitig gesichert werden sollten.

Alle ungesicherten Übergänge liegen in Nordschleswig

Neun unbeschrankte Übergänge im staatlichen Eisenbahnnetz gibt es in ganz Dänemark noch – und sie liegen alle in Nordschleswig. Das hat der Bahnnetzbetreiber Banedanmark dem „Nordschleswiger“ auf Nachfrage mitgeteilt.

Auffällig: Die meisten, nämlich sechs, ungesicherten Übergänge liegen auf der Unfallstrecke Tingleff-Sonderburg (Tinglev-Sønderborg).

Alle Übergänge sollen bis 2027 gesichert werden

Alle 415 Übergänge im staatlichen Eisenbahnnetz sind laut Banedanmark mit Blinkleuchten und Signalglocken gesichert. Neun davon haben jedoch bisher noch keine Schranken. Sie liegen in den Kommunen Tondern (Tønder), Apenrade und Sonderburg.

Außerdem gibt es 322 gesicherte Übergänge an Privatbahnen, von denen acht bisher keine Schranken haben. Diese sollen 2026 errichtet werden. Dazu kommen 25 Überwege an Strecken ohne Personenverkehr wie etwa Hafenbahnen, wo es 12 ohne Schranken gibt.

Vor den beiden tödlichen Unfällen in Nordschleswig hat es seit 2018 laut Banedanmark keine Unfälle mit Todesfolge oder Schwerverletzten an unbeschrankten Bahnübergängen in Dänemark gegeben.

Schranken „schon lange geplant“

Die sechs Anlagen auf der Strecke zwischen Tingleff und Sonderburg sollen im ersten Halbjahr 2027 Schranken bekommen – was laut Banedanmark „schon lange geplant“ war. Unter diesen Übergängen sind auch die beiden Anlagen bei Behrendorf, an denen zuletzt innerhalb weniger Wochen zwei Menschen ums Leben kamen.

Die drei grenznahen Übergänge an der Westküste sollen ebenfalls beschrankt werden. Doch hier wartet Banedanmark noch auf die deutsche Seite – dort soll ein neues Signalsystem kommen. „Wir bewerten gerade, ob an den Übergängen bis dahin etwas passieren soll“, so ein Banedanmark-Sprecher. Anvisiert sei jedoch ein Ausbau spätestens in 2026.

Der Unfall am Freitag passierte an der Überfahrt 86 (Visgårdvej) auf der Fahrt in Richtung Sonderburg bei Behrendorf. Die Fahrtgeschwindigkeit auf dem Abschnitt beträgt 100 km/h.

Anmerkung: In der ursprünglichen Version dieses Artikels war aufgrund einer entsprechenden Auskunft von Banedanmark von landesweit 15 ungesicherten Bahnübergängen und davon acht in Nordschleswig die Rede. Dies wurde nach neuen Informationen von Banedanmark aktualisiert. In anderen Medien ist weiter von 38 ungesicherten Bahnübergängen in Dänemark die Rede. Dort werden allerdings auch jene 23 Übergänge mitgezählt, die an Gleisen ohne allgemeinen Verkehr liegen und wo die Höchstgeschwindigkeiten demzufolge bei 10 bis 40 km/h liegen. Zum Beispiel ist dies an Rangiergleisen der Fall. Diese Übergänge sind demnach für die aktuelle Diskussion um ungesicherte Übergänge an regelmäßig befahrenen Eisenbahnstrecken nicht relevant.