Sturm

Wie der Dezemberorkan die Wetterwarnungen verändert hat

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Der Orkan am 3. Dezember 1999 kostete mehreren Menschen das Leben. Seither hat sich viel geändert, um präzisere Vorwarnungen zu machen.

Die Wetterwarnungen, die das Dänische Meteorologische Institut heute bei drohenden Stürmen oder Hitzewellen verschickt, sind eine Folge des Dezemberorkans 1999. Was sich noch getan hat, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für Extremwetterereignisse zu verbessern und rechtzeitiger zu warnen.

Der Dezemberorkan vom 3. Dezember 1999 hat schwere Schäden in Nordschleswig und anderen Landesteilen hinterlassen. Das Dänische Meteorologische Institut (DMI) räumt auf seiner Webseite ein, dass nach dem Unwetter Verbesserungen nötig wurden, um besser vor solchen Wetterereignissen warnen zu können.

Zwar habe man in den Prognosen lesen können, dass ein Sturm aufkommt, ein Problem sei aber gewesen, so das DMI, dass viele Menschen im Land gar nicht wussten, wie gewaltsam ein Orkan sein kann. Dies habe die Aufgabe der Kommunikation nicht einfach gemacht.

Deutlichere Warnungen

Bereits 14 Tage später, als Sturm Lothar über West- und Mitteleuropa hinwegzog und dort massive Schäden verursachte, griffen erste Maßnahmen, um die Bevölkerung besser zu warnen.

Das DMI hatte in der Zwischenzeit mit der Bereitschaftsbehörde Prozeduren ausgearbeitet, damit die Bereitschaftsbehörden aktuelle Wetterinformationen der Meteorologinnen und Meteorologen bekommen. Dies geschah auf der Grundlage eines Warnabkommens zwischen den Rettungsdiensten, der Polizei und DMI. Auch in den Medien wurde das Thema anders angegangen, Extrasendungen wurden nach 1999 häufiger.

Schon im Jahr danach war DMI in der Lage, besondere Warnungen an die Bevölkerung und die Bereitschaftsbehörden zu verschicken. Auf der Webseite von DMI konnten Besuchende unter anderem blinkende Banner sehen, die vor einer Wetterlage warnen.

Heute kennen die meisten Menschen im Land die Warnstufen 1, 2 und 3, die das Wetter in Warnkategorien einteilen.

Präzisere Wettermodelle

Wovor warnt das DMI heute?

Das Dänische Meteorologische Institut gibt Unwetterwarnungen für Land- und Küstengebiete bis zu 36 Stunden vor dem erwarteten Unwetter heraus.

DMI warnt etwa vor erhöhten Wasserständen, etwa an der Westküste, wenn der Pegel in Hoyer (Højer), Röm (Rømø) oder Esbjerg 2,4 Meter überschreiten wird.

Auch vor Wind warnen die Meteorologinnen und Meteorologen. Immer dann wird vor einem Orkan gewarnt, wenn zu erwarten ist, dass die mittlere Windgeschwindigkeit 32,6 Meter pro Sekunde in einem repräsentativen Gebiet (z. B. einer Kommune) übersteigt. Für eine Sturmwarnung gilt ein Wert von 24,5 m/s. Für stürmisches Wetter (20,8 m/s) und Böen in Sturmstärke (24,5 bis 32,6 m/s) sowie Orkanstärke (32,7 m/s und mehr).

Außerdem gibt es Wetterwarnungen bei kräftigem (24 Millimeter Niederschlag innerhalb von 6 Stunden in einem Warngebiet) oder lang anhaltendem Regen (30 mm und mehr) in einem Gebiet. Hinzu kommen örtliche Warnungen vor Wolkenbrüchen und kräftigen Gewittern.

Schnee, Schneesturm und Schneeverwehungen lösen ebenfalls Warnungen aus. Im Herbst und Winter kommen Warnungen vor Hagel, Nebel und Kältewellen hinzu, im Sommer sind Hitzewellen eine Mitteilung wert, wenn an drei Tagen in Folge mehr als 28 Grad gemessen werden.

Seit Januar 2022 warnt das DMI auch vor Überschwemmungen. Hier dauert die Entwicklung noch an. Bisher werden die Behörden gewarnt, wenn ein 20-Jahres-Ereignis vor der Tür steht.

Ein weiterer Ansatz war die Weiterentwicklung von Wettermodellen, die es den Meteorologinnen und Meteorologen möglich machen sollten, die Vorhersagen genauer zu machen. So sollte etwa die Zugbahn eines Sturms besser vorausgesagt und örtliche Extremwetterereignisse wie Starkregen präziser vorhergesagt werden.

Heute sind die Wettermodelle daher feinmaschiger als noch 1999. Messpunkte liegen wie ein Netz über dem Globus verteilt. Betrug der Abstand zwischen den Berechnungspunkten vor 25 Jahren noch 15 Kilometer, sind es heute lediglich 2,5 Kilometer. Bewegt sich ein Sturm auf die Küste zu, können die Daten heute also in kürzeren Abständen analysiert werden und genauer gesagt werden, wo, wann und wie schwer ein Orkan die Küste trifft. So können Warnungen spezifisch für einzelne Regionen ausgegeben werden. Die größere Rechenleistung von Computern trug zu dieser Entwicklung bei.

Wetterprognosen werden aus unterschiedlichen Modellen erstellt. Verschiedene Unsicherheiten werden so berücksichtigt. DMI nutzt etwa das globale ECMWF-Modell (European Centre for Medium Range Weather Forecasts) und auch ein eigenes System namens Harmonie (Hirlam Aladin Research towards Mesoscale Operational NWP In Europe), das gemeinsam mit weiteren Ländern betrieben und mit Wetterdaten aus der Atmosphäre gefüttert wird. Dabei finden sich Messstationen an Land, auf See und in der Luft.

Auch heute noch Unsicherheiten

Noch immer gibt es bei den Simulationen der Wettermodelle Unsicherheiten. Dies hat sich etwa im Oktober 2023 gezeigt, als die Sturmflut an der Ostseeküste deutlich stärker ausfiel, als die Warnungen zunächst vermuten ließen.

Mehr Informationen zum Dezemberorkan 1999 hat das DMI auf einer Themenseite zum Unwetter zusammengetragen.

Nordschleswig
Abgeknickte Bäume nach dem Dezemberorkan 1999 in einer Plantage in Nordschleswig.

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