Umwelt

Tausende Fische tot: Privatperson kippte vermutlich Reinigungsmittel in den Gully

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Tote Fische
Vor allem vergiftete ein- und zweijährige Meerforellen befanden sich im Bach bei Nübel, als das Gift durch ihre Kiemen strömte.

Autowäsche, Fliesenreiniger oder Unkrautvernichter? Eine giftige Flüssigkeit ist jedenfalls schuld daran, dass ein Bach in Nübel vergiftet ist. „Das bisschen macht doch nichts“, denken viele, sagt Morten Ringive, der den Bredbæk beaufsichtigt. Er berichtet, was der Vorfall für die Natur am Noor bedeutet.

Es ist eine Tragödie für die lokale Natur: 352 tote Fische zwischen einem und zwei Jahren Alter hat Morten Ringive auf etwa anderthalb Kilometern Bachlauf gezählt. „Und dann liegen da noch mehrere Tausend Fische, die gerade aus dem Kies gekommen sind. Die sind ja höchstens drei Zentimeter lang. Es handelt sich also um mehrere Tausend getötete Fische“, sagt er dem „Nordschleswiger“ am Donnerstag.

Ringive ist Mitglied im Verein Vandplejen A.N.A., der unter anderem mit der Aufsicht des Baches Bredbæk bei Nübel (Nybøl) beauftragt ist. Eine Privatperson hatte die toten Fische entdeckt und den Notruf unter 112 angerufen, wie die Kommune Sonderburg mitteilt. Die hat dann am Mittwoch Ringive eingeschaltet.

Landwirtschaft trifft vermutlich keine Schuld

Wie kann es passieren, dass in einem der fischreichsten Wasserläufe der Region plötzlich Tausende Tiere sterben?

„Gift“, sagt Ringive. Zum Beispiel aus Reinigungsmitteln. Doch woher? „Es ist schwer nachzuvollziehen. Und das liegt daran, dass es aus einem Rohr kommt, das ein größeres Gebiet abdeckt. Wir können also kaum herausfinden, wo genau das Gift herkommt“, sagt er.

Sicher sei, dass es sich nicht um landwirtschaftliche Einträge handelt. „Es ist chemisch. Bei organischen Einträgen würde es im Wasserlauf ganz anders aussehen“, klärt er auf.

Wie die zuständige Abteilungsleiterin der Kommune Sonderburg (Sønderborg), Vibeke Kuntz, mitteilt, müsse die Verunreinigung schon mehrere Tage bestanden haben, bevor sie entdeckt wurde. Denn das Gift sei bereits ausgewaschen.

Die Fische hatten auf Regen gewartet, um ins Meer zu schwimmen

Morten Ringive setzt sich seit Jahren für reine und gesunde Wasserläufe auf Alsen ein.

Bei den getöteten Fischen handelt es sich vor allem um wilde Meerforellen – also nicht um Tiere, die ausgesetzt wurden. Im Frühjahr ziehen sie für gewöhnlich in die Ostsee. Dass noch so viele größere Fische im Bach standen, habe ihn zunächst überrascht, berichtet Ringive. „Es liegt aber einfach daran, dass wir keinen Regen hatten. Sie ziehen gerne los, wenn viel Wasser im Bach ist. Hätte es also mehr geregnet, wären also viele der jetzt vergifteten Fische ins Meer gezogen, um sich groß zu fressen“.

Laut Meteorologinnen und Meteorologen steht Dänemark eines der trockensten Frühjahre aller Zeiten bevor. Bisher (Stand 8. Mai) war seit Beginn der Aufzeichnungen im späten 19. Jahrhundert nur der Frühling 1974 trockener. Die Tendenz der vergangenen 20 Jahre geht eindeutig in dieselbe Richtung.

Doch schuld am Tod der vielen Fische ist nicht das Klima – sondern mutmaßlich eine Privatperson. Denn seit einiger Zeit wird das Abwasser getrennt abgeleitet: Während das Wasser aus dem Haus, etwa aus der Toilette oder dem Waschbecken, in die Kläranlage abgeleitet wird, fließen die Abwässer aus Regenrinnen und Gullys direkt in die Wasserläufe.

Man muss ganz genau überlegen, was man in den Gully kippt

Morten Ringive

„Es kann sich hier also um alles Mögliche handeln. Algenentferner, Unkrautvernichter oder Dachziegelreiniger. Wenn man die Fallrohre der Regenrinnen nicht zustopft, sorgt das dafür, dass viele Fische sterben müssen“, sagt Morten Ringive.

„Man muss ganz genau überlegen, was man in den Gully kippt“, mahnt er. „Aber manche interessiert das auch gar nicht. Die nehmen das gar nicht wahr. Manche kippen ihr Leben lang Zeug in die Bäche, ohne das zu registrieren, waschen ihre Autos auf der Straße und so.“

Was tun?

Sowohl der Versorger Sonfor als auch die Kommune und andere Akteure haben versucht, über die Gefahren aufzuklären. Doch es ist offenbar schwer, die Leute zu erreichen.

„Viele von ihnen sind noch in der alten Gewohnheit, als alles ins Klärwerk ging. Und dann gibt es auch welche, denen das einfach egal ist. Wir hören dann so etwas wie: ,Ach, das bisschen, das ich hier habe, das macht doch nichts.‘ Aber das tut es eben doch. Einiges davon ist extrem giftig für die Wasserumwelt, da braucht es nicht viel, um dort unten alles abzutöten.“

Die gute Nachricht: Der Bredbæk wird sich erholen

Der Bredbæk (rot eingefärbt) fließt zwischen Gravenstein (links) und Sonderburg (rechts) durch Nübel ins Nübeler Noor.

Das Abwasserrohr, das das Gift in den Bach bei Nübel geleitet hat, führt nicht nach ganz oben in den Wasserlauf. Deshalb gibt es viele kleine Fische weiter oben im System, die nach unten wandern und groß werden können.

„Wir haben also etwas Glück, dass es viele Jungfische in dem Abschnitt gibt, der nicht verschmutzt wurde und weiter oben liegt“, sagt der Umweltschützer, der beruflich Marktleiter einer Grenzhandelskette ist.

„Aber es ist wirklich schade. Diese Fische am unteren Bachlauf haben ein bis zwei Jahre gelebt und waren bereit, ins Meer zu wandern. Aber dazu ist es dann nicht mehr gekommen. Und das wird sich auf diesen Jahrgang auswirken, es werden weniger Fische abwandern. Und dann gibt es leider auch weniger Fische für die Angler in diesem Jahrgang – aber auch für die Vögel und die ganze Nahrungskette.“

Bis sich der Bestand erholt hat, werden zwei bis drei Jahre vergehen, schätzt er.