Natur und Umwelt

Landwirt über den konstruktiven Dialog zur Wiedervernässung: „Freiwilligkeit ist entscheidend“

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In der Kommune Tondern wird die Zusammenarbeit mit den Grundbesitzenden ganz hoch angesiedelt. Sie kennen die Beschaffenheit ihrer Böden schließlich am allerbesten, so das Argument. Das Foto stammt von dem Dialogtreffen in Scherrebek.

Bei den ersten beiden Grøn-Trepart-Treffen in Tondern und Scherrebek zeigen sich viele Grundbesitzende aufgeschlossen. LHN-Vorstandsmitglied Uwe Matzen sieht eine wichtige Chance – und eine große Herausforderung.

Wie kann die dänische Landwirtschaft grüner werden – und welche Rolle spielt dabei die Wiedervernässung ehemaliger Moorflächen? Rund 130 Grundbesitzerinnen und -besitzer waren am Montag nach Scherrebek (Skærbæk) gekommen, mindestens ebenso viele tags darauf in die Tondernhalle. Die Kommune Tondern hatte im Rahmen von „Grøn Trepart“, einer politischen Klimainitiative, die auf den Umbau der dänischen Landnutzung setzt, zu einer Reihe von Informations- und Dialogveranstaltungen eingeladen. Zwei haben stattgefunden, zwei weitere folgen noch – Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Mitten in der Diskussion: der Landwirt Uwe Matzen aus Loitwitt (Løjtved), Mitglied der deutschen Minderheit und Vorstandsmitglied des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN). Als offizieller Vertreter des LHN im lokalen Grøn-Trepart-Gremium begleitet er den Prozess von Anfang an.

Matzen hatte mehr „verschränkte Arme“ erwartet

Der kommunale Fachbereichsleiter Lars-Erik Skydsbjerg redet; unter den interessierten Zuhörenden befand sich auch Uwe Matzen (r., mit Sonnenbrille auf der Stirn).

Sein Eindruck nach den beiden ersten Veranstaltungen ist überraschend positiv: „Ich kann vielleicht nicht sagen, dass die Grundbesitzenden dem Ganzen alle positiv gegenüberstehen. Aber ich hatte das Gefühl, dass viele erst einmal offen zugehört haben. Die Beteiligung war sehr konstruktiv. Wenn ich ehrlich sein soll, hätte ich mehr verschränkte Arme erwartet“, so Matzen im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Freiwilligkeit als Grundprinzip

Dass das Thema komplex ist, steht für den Landwirt aus Loitwitt außer Frage. Umso wichtiger sei es, auf einen gemeinsamen Weg zu setzen – und auf Freiwilligkeit: „Freiwilligkeit ist das A und O“, betont er. „Ich habe den Eindruck, dass alle Beteiligten verstanden haben, dass wir hier eine gemeinsame Aufgabe haben – und dass sie sich nur gemeinsam lösen lässt.“

Tondern hat Glück gehabt

In Scherrebek zählte das erste Dialogtreffen rund 130 Teilnehmende, am Dienstag waren es in der Multihalle in Tondern kaum weniger (Foto).

Dabei sieht Matzen in der Topografie der Kommune Tondern einen Vorteil: „Wir haben eigentlich fast nur torfhaltige Flächen, mit denen wir arbeiten müssen. In anderen Kommunen wie Esbjerg müssen sich die Landwirte auch mit Nitratgebieten auseinandersetzen.“

Unpräzise Karten als Hindernis

Kritisch äußert sich Matzen über die Kartengrundlage, die bei den Treffen gezeigt wurde: „Die Karten sind leider ziemlich ungenau. Man kann nicht genau erkennen, welche Grundbesitzer betroffen sein könnten.“

Eine Herausforderung sei es außerdem, möglichst zusammenhängende Flächen zu finden, um die größte Wirkung zu erzielen: „Ideal wäre eine durchgehende Korridorlösung von Ost nach West. Das unterstützt auch der dänische Naturschutzbund, Danmarks Naturfredningsforening.“ Doch dafür müssten auch kleinere Grundeigentümerinnen und -eigentümer mit an Bord geholt werden.

Kleine Flächen, große Wirkung

Diejenigen, die über mehr als fünf Hektar Land verfügen, wurden direkt zur Veranstaltung eingeladen. „Aber wir haben viele Grundbesitzende mit weniger als fünf Hektar – und die waren erfreulicherweise ebenfalls gut vertreten. Das ist wichtig, denn auch ihre Flächen können eine große Rolle spielen. Besonders, wenn es darum geht, Ausgleichsflächen für landwirtschaftliche Betriebe zu schaffen.“

Die Uhr tickt

Die beiden letzten Dialogtreffen in dieser Runde finden am Donnerstag und am darauffolgenden Montag in Osterhoist und Aggerschau statt.

Obwohl die Kommune Tondern laut Matzen sowohl ausreichend Zeit als auch finanzielle Mittel zur Verfügung habe, tickt die Uhr dennoch. „Die ersten Skizzen sollen bereits bis Weihnachten fertig sein“, erläutert Uwe Matzen das Problem.

Schwierig wird es auch sein, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen. Denn außer der Landwirtschaft und dem Naturschutz gibt es viele weitere Interessengruppen und Unternehmen, die selbstverständlich ebenfalls versuchen, ihren Einfluss geltend zu machen. „Dazu gehört auch die Kommune Tondern selbst, die natürlich auch Flächen freihalten möchte, weil sie für ihre Planung zur erneuerbaren Energie und dem Wirtschaftsausbau eine Rolle spielen“, gibt der Loitwitter Landwirt zu bedenken.

Weitere Termine in Osterhoist und Aggerschau

Die nächsten beiden Dialogveranstaltungen finden am Donnerstag, 21. August, im Øster Højst Kro in Osterhoist sowie am Montag, 25. August, im Agerskov Kro in Aggerschau statt. Beginn ist jeweils um 17 Uhr, die Dauer ist mit zweieinhalb Stunden angesetzt. Auch dort wird Uwe Matzen wieder Rede und Antwort stehen.