Wissenschaft

Hadersleben verewigt im Reich der Mikroben

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Professor Mads Albertsen vom Institut für Chemie und Biowissenschaft an der Universität Aalborg sieht im Atlas der dänischen Mikroorganismen ein großes Potenzial. Hadersleben ist im Atlas in Form eines Bakteriums auch verewigt.

Welche Mikroben tummeln sich im Boden Dänemarks? Die Universität Aalborg hat nachgeschaut und viele neue Arten entdeckt. Eine davon trägt den Namen ihres Fundorts Hadersleben. Und obwohl unsichtbar, sind sie für den Menschen von Bedeutung.

Wenn es um Mikroorganismen geht, waren die Nachrichten über diese einfachen Lebensformen in Zusammenhang mit der Kommune Hadersleben in der Vergangenheit nicht durchweg positiver Natur. Bis jetzt – und das hat mit dem Bakterium Hadersleviella sediminis zu tun. Aber der Reihe nach. 

Zu den Mikroorganismen, mit bloßem Auge nicht erkennbar, gehören unter anderem die Bakterien, von denen bislang so viele in der Haderslebener Förde schwammen, dass vom Baden abgeraten wurde – was sich aber ändern soll. 

Zudem kommen Bakterien ab und an im Trinkwasser vermehrt vor, weil ein Malheur passiert, sodass die Kommune dann vom Trinken des Leitungswassers warnt, wie 2024 auf Aarö (Aarø) geschehen.

Neuer Atlas der Mikroben

Nun aber gibt es, wie angedeutet, etwas Positives in Sachen Mikroorganismen zu berichten, die in Verbindung zu Hadersleben stehen, und die Geschichte geht so:

Im Nachschlagewerk Flora Danica haben Botaniker im 18. Jahrhundert schriftlich alle Pflanzen festgehalten, die im Königreich wuchsen. Nun haben Forschende der Universität Aalborg zum ersten Mal das unsichtbare Leben der Mikroorganismen im dänischen Boden im Rahmen des Projektes Mikroflora Danica zusammengetragen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur „Ritzau“. Es ist der erste landesweite Atlas über Bakterien und andere einzellige Organismen, sprich eine umfassende Darstellung. 140.000 Bakterienarten sind jetzt registriert – 80 Prozent davon im besagten Atlas zum ersten Mal beschrieben.

Warum ist das nun interessant? Die Studie zum Atlas wurde in der renommierten Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht, was zeigt, dass der Studie eine Bedeutung zukommt. Hadersleviella und ihren einzelligen Brüdern oder Schwestern kommt aber nicht nur diese wissenschaftliche Bedeutung zu.  

Professor Mads Albertsen vom Institut für Chemie und Biowissenschaft an der Aalborg Universitet sagt, die Mikroben um uns herum seien eine echte Ressource, die noch recht unbekannt sei. Dabei werden seinen Worten nach Mikroorganismen in heutiger Zeit dafür gebraucht, Enzyme herzustellen, die uns zu Waschpulver, Käse, Bier und Kleidung verhelfen. Andere Bakterien setzten Stickstoff oder Methan um. „Es ist daher wichtig zu wissen, welche Bakterien an dem Ort leben, den wir gedenken zu verändern“, so Albertsen.

Hadersleben wird Namensgeber

Noch einmal zurück zu Hadersleviella und ihren Kolleginnen und Kollegen. Alles neu Entdeckte in der Wissenschaft muss auch einen Namen bekommen. Das übernahm eine digitale Namensvergebungsmaschine, oder schlichter ein Rechner, und verteilte Namen an mehr als 1.000 Bakterienarten mit einem Verweis auf den Herkunftsort.

So erhielt das eine Bakterium den Namen Hadersleviella sediminis. Da in der Kommune Hadersleben aber der Universität Aalborg zufolge weitere Mikroben gefunden wurden, hat die Namensvergebungsmaschine auch andere Orte der Kommune herangezogen. So heißt eine andere neu entdeckte Art jetzt Starupiplasma septentrionale – beide genannten entdeckten die Forschenden übrigens in Regenwasserbecken.

Erwähnung finden sollte in diesem Zusammenhang noch die Tatsache, dass in Nordschleswig beispielsweise Sonderburg (Sønderborg) oder auch Pattburg (Padborg) Namensgeber waren, sodass Hadersleben der Ruhm nicht ganz allein gehört, denn schließlich wurden mehr als 1.000 Mikroben nach Orten benannt.