Natur und Umwelt

Fledermaus-Vielfalt macht Soldaterskov zum Klassenzimmer der Natur

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Die Zwergfledermaus gehört mit einem Gewicht von etwa 4 Gramm zu den kleinsten heimischen Fledermausarten (Symbolfoto). Auch sie kommt im Tonderner Soldaterskov vor.

Eine systematische Erhebung im Wald nördlich von Tondern hat acht geschützte Fledermausarten dokumentiert. Die Auswertung erfolgte im Rahmen des Zeppelin-Landschaftsprojekts. Die Ergebnisse fließen in die Planung zukünftiger Infrastrukturmaßnahmen ein – darunter sogenannte Boardwalks, die Menschen den Zugang zur Natur ermöglichen – ohne die Tierwelt zu stören.

Im Soldaterskov bei Tondern tummeln sich nicht nur Relikte aus der Zeit der Zeppelinbase – auch ein bemerkenswertes nächtliches Treiben ist hier zu beobachten: Acht verschiedene Fledermausarten wurden im Spätsommer mithilfe von Ultraschall-Aufzeichnungsgeräten durch den dänischen Fledermausverein, Dansk Flagermus Forening, dokumentiert. Damit leistet der Wald einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität in Tonderns Norden – und das mitten in einem Gebiet, das bald für die Öffentlichkeit durch neue Holzstege zugänglich gemacht wird.

Die Untersuchungen fanden zwischen dem 25. August und dem 2. September 2025 statt.

Die Datenerhebung ist Teil des Projekts „Zeppelin Tønder – Landskabsprojektet“, das auch die Entwicklung des Waldes als Erlebnisraum für Besucherinnen und Besucher zum Ziel hat.

Eine neue Nachbarschaft entsteht – mit Rücksicht auf die Natur

Entdeckt wurden:

Bo Tonnesen, kommunaler Naturberater, betont im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“, dass das Vorkommen von acht der insgesamt 17 in Dänemark lebenden Fledermausarten ein sehr guter Wert sei. Dabei sei gar nicht gesagt, dass es „nur“ acht Arten sind. „Fledermäuse lassen sich nur sehr schlecht anlocken“, weiß er. 

Dass der Soldaterskov mit acht nachgewiesenen Arten bereits gut aufgestellt ist, zeigt ein Vergleich mit den kürzlich als regelrechte „Fledermaus-Hotspots“ ausgezeichneten Gebieten wie dem Seegaarder Wald (Søgård Skov) und dem Hostrup Krat in der Kommune Apenrade (Aabenraa), wo jeweils zehn Arten erfasst wurden.

Besonders aktiv sind die Tiere im Soldaterskov im Bereich um den „Klebergs Sø“ und an der sogenannten Bunker-Anlage „Himmelbjerget“, wo zwei der Ultraschallgeräte installiert wurden. Genau dort sollen neue Holzstege („Boardwalks“) entstehen – allerdings mit größter Rücksichtnahme auf die Lebensräume der Tiere. „Die Stege werden bewusst um die Bäume herumgeführt, in denen die Tiere tagsüber verweilen“, so Tonnesen. Als kommunaler Naturführer freut er sich, dass die Natur nicht nur erhalten, sondern geschützt und klug in die Planung integriert wird.

Fledermäuse: Mehr Aufmerksamkeit – mehr Schutz

Auf den Wegweisern im Seegaarder Wald ist auch die Fledermausroute ausgeschildert. Ganz unten auf dem Pfeiler fand die Naturbehörde einen Platz für das Hinweisschild.

Insgesamt sei in den vergangenen Jahren ein erfreuliches Umdenken festzustellen, was den Schutz der nachtaktiven Säugetiere betrifft, so Tonnesen. Zwar könne dies gelegentlich zu Verzögerungen bei Bauprojekten führen – wie etwa beim Radwegprojekt in Wiesby (Visby) – doch der Naturberater zeigt dafür Verständnis: „Wenn wir nachhaltige Infrastruktur wollen, müssen wir auch Rücksicht auf bestehende Ökosysteme nehmen.“

Dass sich Fledermäuse durchaus in der Nähe von Menschen wohlfühlen können, zeigt das Ergebnis einer Untersuchung in der Stadt. In der Allee zwischen der Süderbrücke in der Søndergade und der Eisenbahnbrücke am Provst Petersensvej wurden kürzlich sechs Fledermausarten gezählt – „für eine innerstädtische Baumreihe ein sehr ordentlicher Wert“, findet Tonnesen.

Ein wachsendes Problem sei jedoch, dass alte Bäume im Stadtbereich aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen. „Dann müssen wir vorher Ausweichquartiere anbieten – entweder durch neue geeignete Bäume oder durch Fledermauskästen.“

Wanderwege und Erlebnisangebote rund um die Fledermaus

Der Große Abendsegler (Brunflagermus) hat eine Flügelspannweite von bis zu 45 Zentimentern.

Zunehmend wird der Fledermausbestand auch touristisch und pädagogisch aufgegriffen. Im September wurden in der Kommune Apenrade zwei neue Wanderwege eingeweiht – je einer im Hostrup Krat und im Seegaarder Wald. Beide führen durch Gebiete mit hoher Fledermausdichte und sind mit Informationstafeln ausgestattet, die über die Lebensweise und Bedeutung der Tiere aufklären.

Zur Eröffnung boten die Organisatoren – darunter der WWF und die Dänische Fledermausvereinigung – auch Exkursionen mit Wärmebildkameras und Ultraschall-Detektoren an, bei denen die Teilnehmenden die scheuen Tiere hautnah erleben konnten.

„Fledermäuse sind faszinierende und leider oft missverstandene Tiere“, so Andreas Andersen, Vorsitzender des dänischen Fledermausvereins. „Viele Menschen fürchten sich vor ihnen, doch sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem – gerade im Kampf gegen Insektenplagen.“

Schutz und Erlebnis – Hand in Hand

Auch der Soldaterskov in Tondern könnte sich künftig zu einem beliebten Ziel für Naturinteressierte entwickeln – nicht nur wegen der historischen Zeppeline, sondern auch wegen seiner nächtlichen Bewohner.

Ein weiterer Erfassungszeitraum in der Fortpflanzungsperiode der Tiere ist bereits für Sommer 2026 geplant. Veranstaltungen wie Fledermauswanderungen oder Erlebnisangebote für Familien sollen laut Kommune verstärkt angeboten werden.