Hochwasser

Apenrade im Fokus neuer dänischer Küstenschutzoffensive

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Die sogenannten Watertubes wurden rings um den Apenrader Hafen ausgelegt. Die Sperre hielt bei dem Jahrhunderthochwasser im Oktober 2023 dem Druck des Wassers jedoch nicht stand und riss. So wurden Teile der Innenstadt und der umliegenden Gebiete am Straßenzug Kilen überschwemmt (Archivfoto).

Ein breites politisches Bündnis im Folketing hat beschlossen, die Küstenschutzmaßnahmen in Dänemark zu beschleunigen. Insgesamt 900 Millionen Kronen stehen bereit, um gefährdete Küstengebiete besser gegen Sturmfluten zu sichern. Auch Apenrade gehört zu den Orten, für die der Staat eine Untersuchung zur künftigen Küstenschutzstrategie finanzieren wird.

Die Bedrohung durch Sturmfluten und steigende Wasserstände wird für Apenrade zunehmend real. Jetzt reagiert der dänische Staat, indem er ein sogenanntes Beschleunigungspaket für Küstenschutz (Accelerationspakke til Kystsikring) geschnürt hat. In den kommenden Jahren sollen landesweit 14 besonders gefährdete Küstenabschnitte untersucht und Schutzmaßnahmen beschleunigt werden. Einer dieser Standorte ist Apenrade.

Ein breites politisches Bündnis aus Regierung, Sozialistischer Volkspartei (SF), Dänemarkdemokraten, Liberaler Allianz, Konservativen, Einheitsliste, Dänischer Volkspartei, Radikalen und der Alternative hat sich auf die Initiative geeinigt. Insgesamt fließen 900 Millionen Kronen in die nationale Küstenschutzoffensive. Im südlichen Jütland werden Vejle, Fredericia, Esbjerg und Apenrade besonders berücksichtigt.

Staatliche Voruntersuchung für Apenrade ab 2027

Für Apenrade ist vorgesehen, dass 2027 eine staatliche Voruntersuchung der Küstenlinie und der bestehenden Schutzanlagen startet. Ziel ist es, die beste Strategie zum Schutz der Stadt und ihres Hafens zu ermitteln. Wie das Umwelt- und Gleichstellungsministerium mitteilt, soll damit die Grundlage geschaffen werden, um spätere konkrete Bauprojekte zu beschleunigen und zu koordinieren.

Das Ministerium verweist auf das hohe Risiko für die Stadt: Apenrade liegt am Ende einer nach Osten offenen Förde und ist zusätzlich vom Abfluss der Mølleå betroffen. Wenn sich Ostseewasser in der relativ schmalen Bucht aufstaut, drohen Überschwemmungen – eine Gefahr, die sich in den kommenden Jahrzehnten verschärfen dürfte.

Sturmfluten mit Millionenschäden drohen

Die Karte zeigt, wo das „Beschleunigungspaket“ aktiv werden wird.

In den vergangenen Jahren wurde Apenrade bereits mehrfach von Sturmfluten getroffen. Besonders im Oktober 2023 erreichte das Wasser einen Pegel von 2,16 Metern über dem Normalniveau – ein sogenanntes Jahrhundertereignis. Damals hielten die mobilen Schutzvorrichtungen (Watertubes) dem Druck nur teilweise stand, Teile der Stadt und des Umlandes standen unter Wasser.

Nach Berechnungen des Ministeriums könnten künftige Sturmfluten, wie sie künftig alle paar Jahrzehnte auftreten dürften, Schäden von bis zu 500 Millionen Kronen verursachen. Betroffen wären nicht nur Wohnhäuser in der Innenstadt, sondern auch Gewerbeflächen und Betriebe im Hafenbereich.

Ziel: Schutz von Stadt, Hafen und Arbeitsplätzen

„Der Küstenschutz der Stadt Apenrade plus Umland ist notwendig, wenn Hafen-, Wirtschafts- und Wohnflächen gegen Überschwemmungen gesichert werden sollen“, heißt es in dem begleitenden Faktenblatt des Ministeriums. Bestehende Schutzanlagen decken nur Teile der gefährdeten Gebiete ab, für andere Abschnitte gibt es bislang keine konkreten Planungen. Die geplante Voruntersuchung soll hier Klarheit schaffen und künftige Investitionen vorbereiten.

Landesweite Investitionen in den Küstenschutz

Mit den neuen Mitteln will der Staat nicht nur Untersuchungen anstoßen, sondern auch bestehende Programme erweitern. So wird die sogenannte „Kystpulje“, die kommunale Küstenschutzprojekte unterstützt, um 246 Millionen Kronen aufgestockt. Zudem soll der technische Zustand der dänischen Deiche des gesamten Landes laufend überprüft werden.  

Umweltminister Magnus Heunicke (Sozialdemokraten) betonte, dass Dänemark sich auf häufigere Extremwetter einstellen müsse: „Das dänische Wetter wird in Zukunft heftiger, und das erhöht die Gefahr von Sturmfluten und Überschwemmungen erheblich. Es ist entscheidend, dass wir bei der Küstensicherung der Entwicklung zuvor kommen.“

Vier Standorte im Süden des Landes

Im Süden des Landes profitieren vier Orte direkt von der neuen Initiative: In Vejle und Esbjerg sollen bereits 2026 Voruntersuchungen beginnen, Fredericia und Apenrade folgen 2027.
Ziel sei es, die besonders verwundbaren Hafen- und Stadtgebiete an der Ost- und Westküste gezielt zu stärken – und dabei auch lokale Erfahrungen und Planungen der Kommunen einzubinden.

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