Ukrainisches Treibstoffwerk

Skrydstruper Spatenstich mit Sprengkraft: Moskau warnt, Kiew ermittelt

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Dänemarks Wirtschaftsminister Morten Bødskov (Soz., Mitte) und Haderslebens Bürgermeister Mads Skau (Venstre, rechts) im Gespräch mit Bürgern beim ersten Spatenstich am vergangenen Montag

Nach dem offiziellen Baustart für die ukrainische Rüstungsfabrik bei Skrydstrup warnt Moskau vor einer Eskalation – und wirft Dänemark vor, sich damit zur Kriegspartei zu machen.

Am vergangenen Montag war der erste Spatenstich für das ukrainische Treibstoffwerk zwischen Woyens (Vojens) und Skrydstrup. Die Kritik aus Moskau lässt nicht lange auf sich warten. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete die Fabrikpläne als Eskalationsrisiko – laut Nachrichtenagentur Ritzau mit Verweis auf Reuters.

Moskau sieht feindlichen Akt

Hintergrund ist die Ansiedlung des ukrainischen Rüstungskonzerns „Fire Point“ auf dem Gelände, das nur wenige Kilometer entfernt vom Kampfjetstützpunkt in Skrydstrup liegt. Dort wird die ukrainische Tochtergesellschaft von „Fire Point“ ab 2026 Feststoff-Raketentreibstoff für das ukrainische Militär herstellen.

„Wenn auf dänischem Boden Raketentreibstoff für Marschflugkörper produziert wird, wird es schwieriger, Dänemark nicht als direkte Konfliktpartei zu sehen“, warnte Russlands Botschafter in Dänemark, Wladimir Barbin, bereits im September. Auf Facebook schrieb er: „Die ukrainische Seite hat deutlich gemacht, dass diese Raketen dazu dienen sollen, tief in russisches Gebiet einzudringen. Kopenhagen weiß das.“

Laut bisherigen Angaben soll die Produktion am Tingvejen 2 ausschließlich Treibstoff umfassen, nicht aber Raketen selbst. Dennoch stuft Moskau den Bau der Anlage als feindlichen Akt ein.

Zwischen Woyens und Skrydstrup entsteht die Niederlassung des Rüstungskonzerns – nur wenige Kilometer entfernt vom Luftwaffenstützpunkt.

Dänemark gehört zu den engagiertesten Partnern der Ukraine. Mehrere Milliarden Kronen flossen seit Beginn des russischen Angriffskriegs in Waffenhilfe und Industrieaufbau, unter anderem über den staatlichen Ukraine-Fonds.

„Fire Point“ im Visier ukrainischer Ermittler

In der Ukraine steht der Rüstungskonzern „Fire Point“ unter Druck. Die nationale Anti-Korruptionsbehörde NABU ermittelt laut der Zeitung „Kyiv Independent“, ob das Unternehmen dem Militär überhöhte Preise berechnet oder Liefermengen nicht korrekt angegeben hat.

Der Rüstungshersteller weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen ist in wenigen Jahren von 18 auf rund 2.200 Mitarbeitende gewachsen – mit Aufträgen in Milliardenhöhe. Ob es dabei Verbindungen zu politischen Netzwerken gab, prüft NABU zurzeit.