Tønder Festival

Wenn der Staub tanzt und die Musik ruft: Tondern ist bereit

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Erwarten den Ansturm der Gäste: die musikalische Leiterin Maria Theessink, die Direktorin Kristina Lehmann Schjøtt, die Vereinsvorsitzende Mette Bossen Linnet und der Vorsitzende der Festival-Stiftung, Henrik Juul (v. l.)

Vom Eierkarton aus Restpappe bis zur nordschleswigschen Kaffeetafel: Das Tønder Festival lebt von der Unterstützung der Region. Freiwillige, Sponsoren und Anwohnende machen das Event zu einem einmaligen Gemeinschaftserlebnis – mit Musik, die genauso handgemacht ist wie das Engagement dahinter.

„Es ist schön, dass es auf dem Platz staubt“, sagt Henrik Juul, Vorsitzender von Tønder Festival Fond am Mittwochvormittag, mit einem verschmitzten Lächeln, während auf dem Festivalplatz der Feinschliff läuft. Die Stiftung besitzt das Brand Tønder Festival.

Überall wirbeln die Freiwilligen mit vollem Einsatz. Zweieinhalb Stunden vor dem offiziellen Start herrscht Aktivität, aber keine Hektik.

„Wir hoffen, dass das Wetter hält“, sagt Mette Bossen Linnet, Vorsitzende des ausrichtenden Tønder Festival Forening. Im vergangenen Jahr regnete es nicht nur in den Monaten davor viel. Auch während des Events wurde es ordentlich nass. Und am Abschlussabend gab es ein kräftiges Unwetter.

An die 15.000 Menschen beleben den Festivalplatz

Die Führungsriege mit der Direktorin Kristina Lehmann Schjøtt freut sich über den sehr guten Ticketverkauf. An den beiden ausverkauften Tagen – Freitag und Sonnabend – werden sich einschließlich der etwa 3.200 Ehrenamtlichen nahezu 15.000 Menschen auf dem Festivalgelände tummeln.

Kulinarisch bietet das Festival einen Mix aus Neuem und Bewährtem. Allein in der gelben Kneipe „Little Dublin“ warten 3.200 Soleier auf die Festivalgäste. In diesem Zusammenhang wird mit dem Verpackungskonzern Hartmann zusammengearbeitet. Das Unternehmen fertigt aus der Restpappe des Festivals Eierpappe an. Das ist nur ein Beispiel für die Rolle, die die örtliche Zusammenarbeit spielt.

„Das örtliche Wirtschaftsleben ist einfach einzigartig. Die Unterstützung ist das A und O. Und das trifft auch auf die vielen Freiwilligen und die Sponsoren zu“, so Juul.

Übernachtungskapazität als stetige Herausforderung

Ausgetrunken? Hier kommen die genutzten Mehrwegbecher rein. Das Entleeren der blauen Behälter ist für die Freiwilligen praktisch.

Während die Vorbereitungen in diesem Jahr reibungslos liefen, sind die fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten die Achillesferse des Tønder Festivals, wie Mette Bossen Linnet erläutert.

„Darauf haben wir stets den Fokus gerichtet. Wir sind privilegiert, dass die Musikerinnen und Musiker lange bleiben. Auch die Freiwilligen und das Publikum haben Bedarf an Schlafplätzen“, so die Vereinsvorsitzende. Obgleich viele Menschen in Tondern und der umliegenden Gegend ihre privaten Unterkünfte zur Verfügung stellen, reicht die Kapazität nicht aus. Bei den Campingflächen müsse man zukunftsorientiert Flächen finden, die Regen verkraften können.

Viele der Künstlerinnen und Künstler würden südlich der Grenze einquartiert, wie die musikalische Chefin Maria Theessink erzählt. Ein Hotel zu bauen, das den Rest des Jahres leer stehen würde, sei auch keine Lösung, so Juul.

Das nordschleswigsche Flair

In der Wattenmeerzone warten nicht nur Seehunde, sondern auch neue Bänke mit Bootskonturen auf die Gäste.

„Wir möchten auf dem Platz gerne durch verschiedene Zusammenarbeiten die Liebe zum Lokalen zeigen“, so Mette Bossen Linnet. Der nordschleswigsche Touch sei durch die Jahre ausgebaut worden. In diesem Jahr ist die nordschleswigsche Kaffeetafel vom Campingbereich auf den Festivalplatz umgezogen.

Nicht nur die Festivalfans lieben das Tønder Festival mit handgemachter Musik, das es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Das trifft auch für die Musikerinnen und Musiker zu. So werden sich zum Beispiel aus dem Inland Dorte Gerlach, Jacob Dinesen, Annika Aakjær und Signe Svendsen unter die Gäste mischen. „Das ist toll“, sagt Maria Theessink, während auf dem Platz der Soundcheck läuft.