Nordschleswig 1925 und 1975: Der Juni längst vergangener Tage
Jürgen OstwaldJürgenOstwaldJürgen OstwaldFreier Mitarbeiter
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Der Grundstein zur dänischen Botschaft in London wurde vor 50 Jahren von Königin Margrethe gelegt. Mehr dazu unter dem 4. Juni 1975.Foto: Wikipedia / Barney Jenkins
Die Schlagzeilen dieses Juni unterscheiden sich deutlich von denen vor 100 und vor 50 Jahren. Jürgen Ostwald hat im Archiv alte Zeitungen durchforstet und nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit.
Dienstag, 2. Juni 1925
Foto: DN
Der Papst gegen die moderne Frauenkleidung
Der Papst sprach sich scharf gegen die moderne Frauenkleidung aus. Wegen ihrer leichtfertigen Kleidung hätte vielen Frauen die Kirche verschlossen werden müssen.
Damals, im Februar 1922, war mit Achille Ratti (1857–1939) ein neuer Papst gewählt worden, der sich den Namen Pius XI. gab. Als Kirchenhistoriker allseits gerühmt, war er auch als Kirchenoberhaupt mit seiner Wirksamkeit im Vatikan einer der bedeutendsten Päpste der neueren Zeit (z. B. Gründung der Vatikanstadt 1929). Unter ihm und seinem Kardinal-Staatssekretär und Nuntius für das Deutsche Reich Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., wurde das umstrittene Reichskonkordat mit Deutschland 1933 geschlossen. Pacelli war übrigens gerade – vor 100 Jahren – am 8. Juni 1925 als Nuntius für das ganze Deutsche Reich nach Berlin berufen worden. Pius XI., der 1939 starb, war ein entschlossener Gegner des Nationalsozialismus. Als Adolf Hitler 1938 Italien besuchte und nach Rom kam, verließ der greise Papst mit Absicht Rom, um kein Treffen beider zustande kommen zu lassen. Im selben Jahr äußerte er vor Pilgern die bemerkenswerten und selten zitierten Worte: „Wie kann überhaupt ein Christ Judengegner sein? Kein Christ darf irgendwie Beziehungen zum Antisemitismus haben, denn wir sind doch alle im geistigen Sinne Semiten.“
Mittwoch, 3. Juni 1925
400-jähriges Jubiläum der deutschen Fibel
Eine eigenartige Feier kann die Lehrerwelt begehen. 400 Jahre sind vergangen, seit die älteste Fibel, damals A-B-C-Buch genannt, erschien. Sie wurde, weil in Wittenberg 1525 gedruckt, fälschlich Martin Luther zugeschrieben, war in niederdeutscher Sprache verfasst und trug den Titel „Bökeschen vor de leyen (Laien) unde (und) kinder“. 1525 gab Valentin Ickelsamer eine Fibel unter dem Titel heraus „Die rechte Weis auf kürzist lesen zu lernen“. Die Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek besitzt einen sehr seltenen und wertvollen Druck in dem Büchlein „Fibel oder Namenbuch“ von Heinrich Lambeck, Schryff- und Rechenmeister der Kerken St. Jacobi in Hamburg. Der Druck erfolgte 1633 in Lübeck.
Hier müssen wir wieder einmal unserem Redakteur ins Wort fallen, auch wenn er die Mitteilungen wohl nur aus einer Feuilleton-Korrespondenz übernommen haben mag, die die Zeitung abonniert hatte. Heute ist die Forschung weiter. Denn die Fibel Ickelsamers erschien erst 1527, außerdem war der Schreibmeister damals wegen eines Streits mit Luther gar nicht in Wittenberg. Seine Fibel erschien dann 1534 erneut in Marburg. Zudem war Ickelsamers Fibel nicht die erste. Das berühmte „Fi-Fi“, die große Bibliografie aller Fibel-Drucke in Deutschland von der Schulbuchforscherin Gisela Treistler erwähnt vor Ickelsamer bereits die eine oder andere Fibel, die „als erstes schulisches Leselernbuch“ (Treistler) anzusehen sind. Diesen Überblick, wie Treistler ihn uns gibt, hatte man 1925 noch nicht. Auch in Nordschleswig wurden im 16. Jahrhundert natürlich schon Fibeln benutzt. Wir wissen darüber einiges. Mehr darüber an anderer Stelle.
Donnerstag, 11. Juni 1925
Ein gefeierter Komponist
Der 60. Geburtstag des bekannten dänischen Komponisten Carl Nielsen wurde in Kopenhagen durch ein Festkonzert, einen Fackelzug mit folgendem Punschabend, bei dem verschiedene Tanz- und Gesangsvorführungen geboten wurden, gefeiert. Nach dem Fackelzug ergriff Carl Nielsen das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er versprach, sich nicht auf seinen Lorbeeren zur Ruhe zu legen, sondern unablässig weiter zu arbeiten. Er schloss mit einem Hoch auf die dänische Tonkunst.
Mittwoch, 17. Juni 1925
Aschbergfest
Am Sonnabend und Sonntag wurde das jährliche schleswig-holsteinische Spielfest auf dem Aschberg abgehalten. Infolge des rauhen, oft stürmischen Wetters war der Besuch nicht so stark wie in den Vorjahren. Am Sonntag konnte man eine Besucherzahl von reichlich 3.000 feststellen, zum größten Teil Jugendliche, wobei wiederum die vaterländischen Verbände (Stahlhelm und Jungdeutscher Orden) sowie die Jungbauernschaften besonders stark vertreten waren.
Die Spiele begannen bereits am Sonnabendmorgen und erreichten am Sonntagabend ihren Abschluss, wonach die Preisverteilung erfolgte. Es wurden im ganzen 28 Wettspiele ausgetragen, an denen sich Spielmannschaften aus den Kreisen Schleswig-Eckernförde, Rendsburg, Bordesholm und Husum, sowie aus den Städten Kiel, Flensburg und Neumünster beteiligten. Leider wurden die Spiele durch zeitweilig auftretende Regenschauer stark beeinträchtigt.
Die Veranstaltungen am Sonnabend wurden beschlossen durch eine Ansprache des Turnlehrers Krull-Neumünster, der die erfreuliche Entwicklung der Aschberg-Spiele hervorhob und die Aufgabe dieser Tagung dahin zusammenfasste, die Einheit und Geschlossenheit Schleswig-Holsteins zu fördern. Als die Dunkelheit sich herabsenkte, flammte ein Sonnenwendfeuer auf, in dessen Schein Lehrer Kühl-Rendsburg zu der versammelten Jugend sprach.
Hinter der schützenden Tannenschonung, die auf dem Gipfel des Aschberges angepflanzt ist, sprachen am Sonntag-Nachmittag, während die letzten Spiele zu Ende geführt wurden, Pastor Jessen-Schleswig und Dr. Thyssen-Rendsburg, jener in plattdeutscher, dieser in hochdeutscher Sprache. Beide erinnerten an die besondere Aufgabe, die Schleswig-Holstein als deutsches Grenzland hat. Außerdem wurde auch durch den Geschäftsführer des Verbandes der Nordschleswiger-Vereine, Chr. Hanssen, des verlorenen Gebiets gedacht. Wegen der Ungunst der Witterung musste die Darstellung des plattdeutsche Schauspiels „Osterfüer“ von Peter Werth, die ursprünglich als Freilichtaufführung gedacht war, in einen der Gasthöfe von Ascheffel verlegt werden, wo das meisterhafte Spiel der Kieler Niederdeutschen Bühne unter Leitung von Prof. Mensing dankbare Zuhörer fand.
Wir setzen diese Meldung ungekürzt hierhin, weil die Aschberg-Tage einstmals (gemeinsam mit den sich entwickelnden Scheersbergfesten) gewissermaßen das südliche Pendant zu den Knivsberg-Festen darstellte. Zudem steht auf dem Aschberg seit nunmehr über hundert Jahren die Bismarck-Statur von Adolf Brütt, die zuvor auf dem Knivsberg stand. Der genaue Leser bemerkt die politische Ausrichtung der obigen Zeilen, „Stahlhelm“ und Landvolkbewegung (Jungbauernschaften) gehören zum geschichtlichen Grundwissen. Wir geben dennoch zwei Erläuterungen:
Der Jungdeutsche Orden, der Jungdo, wie er sich nannte, ging aus einem von dem Oberleutnant Arthur Mahraun 1919 gegründeten Freikorps hervor. Mahraun (1890-1950) wurde Hochmeister des Jungo, Ordenskanzler wurde Otto Bornemann. Die Titel zeigen bereits, dass der Orden aus der völkischen bündischen Jugendbewegung hervorgegangen war. Die Jugendabteilungen wurden in „Knappschaften“ organisiert, die Zwölf- bis Fünfzehnjährigen wurden zu „Jungtrupps“ zusammengefasst, die Sechzehn- bis Zwanzigjährigen in „Junggefolgschaften“. Als solche besuchten sie auch wiederholt die Knivsbergfeste. Der Jungdo hatte um 1925 100.000 Mitglieder. Der Orden suchte den „Wiederaufstand des geliebten Vaterlandes“ herzustellen, „die heranwachsende Jugend im Geiste des Frontsoldatentums [zu] erziehen“ und die „Einigkeit und Wiederversöhnung der deutschen Stände durch die sittliche Wiedergeburt“ zu erreichen. Der Hochmeister Mahraun hatte kurz vor dem Aschberg-Treffen am 6. Juni auf einer Kundgebung in Leipzig die Hoffnung ausgesprochen, dass der Jungdo in Deutschland „einen ähnlichen Sieg erringen möge, wie die Faschisten in Italien.“ Mussolini hatte im Oktober 1922 durch seine Terrortruppen (Marsch auf Rom) die Macht in Italien übernommen.
Der „Verband der Vereine heimattreuer deutscher Nordschleswiger“ war 1922 gegründet worden als „Wächter des deutschen Kulturguts“, damit die „völkische Eigenart der Nordschleswiger gewahrt, die Heimatliebe gepflegt werden und das Deutschtum in dem verlorenen Nordschleswig tatkräftig Unterstützung finden“ möge. Er war die sehr aktive Vereinigung aller siebzehn in der Provinz Schleswig-Holstein wirkender landsmannschaftlicher Zusammenschlüsse der deutschen Nordschleswiger und ihrer Freunde (im Jahre 1928 waren es bereits 28 Vereine, die er vertrat). Zu den zahlreichen Vereinigungen außerhalb der Provinz hielt er enge Verbindungen. Es gehörten ihm auch Einzelmitglieder an, wie z. B. Prinz Waldemar von Preußen (1889–1945), der Sohn des Prinzen Heinrich und Erbe des Gutes Hemmelmark bei Eckernförde) oder Hjalmar Schacht (1877–1970), der aus Tingleff stammte und damals Reichsbankpräsident in Berlin war.
Mittwoch, 17. Juni 1925
Die Rheinlandkommission, welche Nachricht bekommen hatte, dass der Berliner Lehrer-Gesangverein vor einem Abendkonzert in Bingen das Niederwald-Denkmal aufsuchen wolle, hat dem Berliner Lehrer-Gesangverein das Singen am Denkmal verboten.
Der Berliner Lehrer-Gesangverein wurde 1887 gegründet und war bald in dieser sangesfreudigen Zeit in ganz Deutschland bekannt. Auch um 1925 war er noch, besonders unter Sängerinnen und Sängern, in aller Munde. Es gibt ihn noch heute und firmiert unter dem Titel „Berliner Lehrerchor e. V.“. In unseren Tagen ist er, ohne dass es sich im Chornamen in Genderei niederschlägt, natürlich ein gemischter Chor.
Die Rheinlandkommission war seit 1920 für die linksrheinisch von den Alliierten besetzten Gebiete tätig und kontrollierte von Koblenz aus das gesellschaftliche und kulturelle Leben.
Unsere Zeitung verfolgte die Tätigkeiten in den besetzten Gebieten genau, wie sie natürlich überhaupt alle Grenz-Vorkommnisse der deutschen Volksgruppen im Ausland im Westen, Süden und Osten aufmerksam notierte und in den Dienst ihrer eigenen Grenzland-Politik im Norden stellte.
Freitag, 19. Juni 1925
Das Deutschtum in Lettland wächst
Nach dem amtlichen Ergebnis der Volkszählung in Lettland beziffert sich die Zahl der deutschen auf 70.964 gegen 58.113 nach der Zählung im Jahre 19020. Die Deutschen haben den stärksten Zuwachs zu verzeichnen, der in der Hauptsache auf die Rückwanderung deutscher Flüchtlinge zurückzuführen sein dürfte. Der Zuwachs der deutschen bezieht sich nicht nur auf die Gesamtzahl der deutschstämmigen, sondern auch auf die Zahl der lettländischen Staatsangehörigen deutscher Nationalität, die von 3,04 Prozent auf 3,39 Prozent gestiegen ist.
Wie der „Verband der Deutschen in Lettland“ mitteilt, leben in der baltischen Republik nach der letzten Volkszählung von 2012 4.630 Deutsche bei 2.217.053 Einwohnern.
Dienstag, 30. Juni 1925
Fürstliche Verlobung
Aus Rom wird der „Vossischen Zeitung“ gemeldet, dass die Verlobung der Prinzessin Mafalda mit dem Prinzen Philipp von Hessen bei einem Gartenfest im königlichen Schloss in Rom deklariert worden ist. Prinzessin Mafalda ist 22 Jahre, Prinz Philipp 27 Jahre alt. Er ist ein Sohn des Prinzen Carl von Hessen und der Prinzessin Margarethe von Preußen, einer Schwester Exkaisers Wilhelm. Bekanntlich war wiederholt davon die Rede, dass Prinzessin Mafalda den belgischen Kronprinzen heiraten werde.
Nachrichten über Veränderungen der fürstlichen Häuser hatten damals, nachdem der Hochadel seine politische Geltung nach dem Weltkrieg eingebüßt hatte, immer noch Konjunktur, da die Vertreter der Schicht gegenüber den heutigen Verhältnissen gleichwohl immer noch einen großen Einfluss hatten. Heute sind Nachrichten über sie zwar nicht ganz an die yellow press abgegeben worden, aber sie beherrschen nicht mehr die politischen Rubriken wie einst. Prinzessin Mafalda (11902–1944 war die Tochter des italienischen Königs Vittorio Emanuele III. (1869–1947). Ihre Verlobung wurde damals im schönen Giardino del Quirinale gefeiert, dem heute für jedermann zu besuchenden weitläufigen Park am Quirinalspalast und heutigen Dienstsitz des italienischen Staatspräsidenten. Mafalda heiratete Prinz Carl von Hessen (1896–1980) am 23. September 1925. Als späterer Gruppenführer der SA und Vertrauter Hitlers in italienischen Angelegenheiten kam es zwischen dem „Führer“ und Prinz von Hessen im Laufe des Zweiten Weltkrieges allerdings zu Zwistigkeiten, die schließlich zur Verhaftung des Ehepaares führten. Als Sonderhäftlinge kamen sie in das KZ Buchenwald. Prinzessin Mafalda kam dort in freundschaftlichen Kontakt mit Tony Breitscheid. Auch ihr Mann, Rudolf Breitscheid, nach abenteuerlicher Flucht in Frankreich verhaftet, war ebenso als Sonderhäftling im KZ Buchenwald untergebracht worden. Seine Frau Tony folgte ihm freiwillig in das KZ. Breitscheid war einer der führenden SPD-Politiker in der Weimarer Republik (Vorsitzender der SPD-Fraktion im Reichstag). Wir sind ihm in unserer Chronik schon mehrfach begegnet. Er war ein Freund des Apenrader Politikers und Dänen-Führers H. P. Hanssen (Breitscheid war Linkssozialist, Hanssen Venstre-Mann, der Freundschaft tat das keinen Abbruch) und schon während des Ersten Weltkrieges oft Gast in seinem Apenrader Haus. Auch Tony Breitscheid war mit H. P. Hanssen befreundet und öfter in Apenrade. In der Gedenkschrift nach seinem Tod 1936 schrieb sie einen Beitrag. Tony Breitscheid hatte seit 1922 regelmäßig über deutsche, namentlich Berliner politische Vorkommnisse und Verhältnisse in Hanssens Apenrader Tageszeitung „Hejmdal“ berichtet. Tony Breitscheid und Mafalda von Savoyen wohnten getrennt von ihren Ehemännern in einer Sonderbaracke etwas außerhalb des KZ-Geländes. Am 27. August 1944 bombardierten amerikanische Flugzeuge in der Nähe des KZ gelegene Rüstungsbetriebe der Gustloff-Werke. Rudolf Breitscheid starb bei dem Angriff, auch Mafalda verlor ihr Leben. Tony Breitscheid wurde schwer verletzt und konnte über den Angriff und die Folgen ausführlich (hier gekürzt) berichten: „Da Prinzessin Mafalda keinerlei warme Kleidung hatte, ließ man für sie aus dem Frauenlager Ravensbrück einige warme Sachen – Kleidung, die andern Häftlingen oder Jüdinnen weggenommen worden war – kommen. [...] Als am 24. August 1944 die Luftkämpfe über Buchenwald ungewöhnlich lange dauerten, suchten wir auf Wunsch meines Mannes unsern Splittergraben auf, in den auch Prinzessin Mafalda kam. Es war kurz vor 12 Uhr mittags, wir waren nur wenige unten im Graben, als auch schon drei Bomben auf das Grundstück fielen, von denen die dritte uns total verschüttete und die Baracke in Brand steckte. […] Prinzessin Mafalda und ich wurden ausgegraben und mit anderen Schwerverletzten in – ein Lagerbordell gebracht, das man zur Aufnahme der Verwundeten hergerichtet hatte.“ Die Verletzungen der Prinzessin waren sehr schwer, eine Armamputation war notwendig. Am 27. August starb Prinzessin Mafalda, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. „Sie starb mit einem Lächeln auf den Lippen.“ Tony Breitscheid verließ, nachdem sie selbst geheilt war, als Witwe Deutschland und ließ sich bis zu ihrem Lebensende in Kopenhagen nieder. Dorthin war ihr Sohn bereits vor dem Krieg, offenbar mit Hilfe des alten H. P. Hanssen, emigriert, und dort starb sie im August 1968.
Mittwoch, 4. Juni 1975
Ehrendoktorwürde für Margrethe
Bereits einen Tag nach der Rückkehr aus der UdSSR reisten Königin Margrethe und Prinz Henrik gestern Vormittag über Esbjerg nach Großbritannien. Königin Margrethe wird morgen von der Cambridge-Universität zum Ehrendoktor ernannt. Danach fahren Dr. h. c. Margrethe und ihr Mann weiter nach London, wo die Königin den Grundstein für die neue dänische Botschaft legen wird.
Margrethe hatte 1960/61 Vor- und Frühgeschichte an der Universität Cambridge studiert, bevor sie in Aarhus Politologie belegte und später in Paris und London weiter studierte.
Das neue Botschaftsgebäude entstand nach einem Entwurf des bekannten dänischen Architekten und Designers Arne Jacobsen, dessen Möbel und Gebrauchsgegenstände in Dänemark allgegenwärtig sind. Jacobsen arbeitete seit 1969 an dem Botschafts-Projekt. Er starb bereits 1971. Nach dem Tod Jacobsens übernahm der aus Hadersleben stammende Architekt Otto Weitling mit einem Kollegen die Fortführung der unvollendeten Bauten. Die Botschaft wurde 1977 eingeweiht. Jacobsen war als Architekt ein Genie des Solitärs, wie etwa die heutige Vattenfall-Zentrale in Hamburg oder das Radisson Collection Hotel in Kopenhagen beweisen. Im offiziösen Text in Wikipedia heißt es zur Londoner Botschaft: „Das moderne Design fügt sich in die sonst traditionelle Bebauung seiner Umgebung ein.“ Das ist natürlich richtig, aber man weiß nicht ob gut oder schlecht. Verschiedentlich wurden Verschönerungen am Bau versucht, um ihn irgendwie noch einzupassen. Ob es gelungen ist?
Dienstag, 10. Juni 1975
Großbritannien will in EG für gemeinsame Ziele arbeiten
Mafalda von Savoyen mit ihren beiden Kindern Moritz und Heinrich. Moritz von Hessen (1926–2013) wird später Chef des Hauses von Hessen und residierte oft auf Gut Panker in Schleswig-Holstein, das heute zur Hessischen Hausstiftung gehört.Foto: Hessische Hausstiftung
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Premierminister Harold Wilson hat am Montag in einer Unterhauserklärung die volle Bereitschaft Großbritanniens betont, nach der historischen Entscheidung der Wähler für Europa in allen Gremien der Europäischen Gemeinschaft im Sinne der gemeinsamen Ziele mitzuarbeiten. Der britische Regierungschef verwies auf die vierzehn Jahre andauernde Diskussion in seinem Lande und erklärte: „Die Debatte ist nun vorbei, die historische Entscheidung ist gefallen.“
Der Volksabstimmung in Großbritannien gingen jahrelange heftige Auseinandersetzungen voraus. Großbritannien war seit 1973 ordentliches Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Beitrittswünsche gab es bereits viele Jahre zuvor. In der Volksabstimmung, der ersten ihrer Art in Großbritannien, stimmten 67,2 Prozent der Wahlberechtigten für den Verbleib in der EG, 32,8 Prozent stimmten dagegen. 47 Jahre wird Großbritannien Mitglied bleiben, 2020 trat es aus der Europäischen Union aus.
Freitag, 20. Juni 1975
Reminiszenz aus dem Fernen Osten
Die Villa „Namlong“ in der Augustenburger Stauensbüllstraße erweckt immer wieder die Aufmerksamkeit der Passanten. Das Haus ließ sich in den Jahren 1904-05 der reiche Kaufmann Hans Lassen von der Mühle in Bro bauen, der in jenen Jahren einträglich Geschäfte in China und Japan machte. Lassen, ein studierter Diplom-Ingenieur, verdiente als Besitzer mehrerer Reismühlen im Fernen Osten viel Geld. Als er nach Hause kam, beauftragte er den Augustenburger Baumeister Christian Skov, ihm eine Villa im Stil der Häuser des Fernen Ostens zu errichten. „Namlong“, wie das Haus heißt, bedeutet übersetzt etwa „Der alte Diener“. Anfang der vierziger Jahre wechselte die Villa ihren Besitzer und beherbergt seitdem einen privaten Kindergarten.
Dienstag, 24. Juni 1975
15 Jahre Harro Marquardsen – ein Segen für die Volksgruppe
Nach 15-jähriger Tätigkeit als Hauptvorsitzender des Bundes deutscher Nordschleswiger nahm Harro Marquardsen am Sonnabend Abschied. Der Bund gab aus diesem Anlass im Apenrader Generalsekretariat einen Empfang, in dessen Rahmen Harro Marquardsen das höchste Amt, das der Bund deutscher Nordschleswiger zu vergeben hat, offiziell in die Hände seines Nachfolgers, Gerhard Schmidt, legte. Die annähernd hundert Gäste aus allen Bereichen der Volksgruppe sowie Vertreter der Bundesregierung in Bonn, der Kieler Landesregierung sowie der Grenzverbände waren ein sichtbarer Ausdruck für die Vielseitigkeit der Arbeit Harro Marquardsens.
Die Villa „Namlong“ in Augustenburg in einer historischen AufnahmeFoto: Lokalhistorisk arkiv, Augustenborg