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Kunst trifft Kettensäge: Art Jam verwandelt Hoyer in ein offenes Atelier

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Bei der Auswahl der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler wird auf Diversität geachtet.

Wenn internationale Künstlerinnen und Künstler am 7. Juni mit Motorsägen anrücken, wird der Marschenort zur Bühne für eines der ältesten Holzskulpturen-Symposien der Welt. Beim Art Jam erleben Besuchende die Entstehung von Kunst hautnah – vom rohen Stamm bis zur fertigen Skulptur.

Der Duft frischer Holzspäne liegt in der Luft, das Surren der Motorsägen hallt zwischen den Häusern, und rund um die malerische Kulisse des Wasserturms von Hoyer verwandelt sich rohe Natur in beeindruckende Kunstwerke. Vom 7. bis 14. Juni lädt das Art Jam Symposium erneut ein, Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt bei ihrer Arbeit zu beobachten.

Seit 1993 wird das Art Jam Symposium Jahr für Jahr zu einer lebendigen Plattform für Holzbildhauerei, internationale Begegnungen und kreativen Austausch. Aus einfachen Holzstämmen entstehen unter freiem Himmel einzigartige Skulpturen. Dabei wird Kunst nicht nur ausgestellt, sondern entsteht live – ein unmittelbares Erlebnis, das jedes Jahr Familien, Kunstinteressierte und Neugierige anzieht.

Auch 2025 wird das Symposium stattfinden – doch nicht ohne Wermutstropfen: Die Kunstroute „Art Jam Road“, das mobile Schwesterprojekt, muss in diesem Jahr aus Kostengründen ausfallen.

Ein internationales Feld von Kreativen

Aus dem Baumstamm wird ein stolzer Seehund.

2025 sind neun Künstlerinnen und Künstler aus acht Ländern vertreten, darunter Bolivien, Uganda, Litauen, die Ukraine und Deutschland. Unter ihnen auch Finja Petersen aus Deutschland und Olena Kovpak aus der Ukraine, die sich eine Woche lang in Hoyer einfinden, um ihre Werke zu erschaffen. Die fertigen Skulpturen werden zum Verkauf angeboten; der Erlös dient dazu, das Symposium finanziell zu tragen. Das Holz-Symposium endet am 14. Juni um 14.30 Uhr.

Ende für Art Jam Road – vorerst

Ein Familienprojekt mit Geschichte

Gegründet wurde Art Jam 1993 von Albert Pedersen, dem damaligen Gastwirt in Emmerleff (Emmerlev). Inzwischen hat seine Tochter, die international tätige Skulpturenkünstlerin Steffie Pedersen, die Leitung übernommen. Pedersen senior ist dem Projekt aber treu geblieben und führt weiterhin die Kasse des Vereins. Art Jam sei nicht nur ein Kunstsymposium, sagte Steffie Pedersen erst jüngst gegenüber „jv.dk“, sondern „eine Gemeinschaft, die über Generationen trägt“.

Doch während das Hauptsymposium weiterlebt, endet das 2022 eingeführte Projekt Art Jam Road – zumindest in Hoyer. Die mobile Kunstroute rund um die Stadt hatte 2023 und 2024 mit temporären Installationen im öffentlichen Raum für Aufmerksamkeit gesorgt, doch 2025 fällt sie aus. Grund ist die ausgebliebene Unterstützung durch die Kommune Tondern (Tønder).

Eine politische Mehrheit im Stadtrat hatte im vergangenen Herbst den Förderantrag für 2025 abgelehnt. Ohne diese finanzielle Rückendeckung sei eine Umsetzung nicht möglich. In Hoyer wird es daher keine Art Jam Road geben. Ob das Projekt andernorts eine Zukunft hat, bleibt offen.

Ein Ort, an dem Kunst spürbar wird

Die Holzkünstlerinnen und -künstler sind bestens geschützt.

Während das Nebenprojekt ins Stocken gerät, bleibt das Art Jam Symposium ein kultureller Fixpunkt in der Region – nicht zuletzt dank der starken ehrenamtlichen Organisation und der Offenheit des Konzepts. Hier entsteht Kunst zum Anfassen. Und wenn sich Kinder wie Erwachsene von Motorsägen, Gesprächen mit Künstlern und dem Wandel des Materials begeistern lassen, wird klar: In Hoyer ist Kunst nicht bloß Dekoration – sie ist ein Erlebnis für alle Sinne.

Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler:

Luis Fernando Chumacero Gutierrez, Bolivien
Ronal Mutumba, Uganda
Tautvilas Povilionis, Litauen
Chantal Stropeni, Italien
Finja Petersen, Deutschland
Olena Kovpak, Ukraine
Gleb Dusavitskiy, Russland
Thomas Lüscher, Schweiz
Christian Burger, Frankreich