Nordschleswig

Muschelfang in der Flensburger Förde vor dem Aus: Betreiber des Kutters „Thyra“ insolvent

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Zuletzt war die „Thyra“ Ende September in der Flensburger Förde auf Muschelfang.

Jahrelang wurden mit Schleppnetzen die Miesmuscheln vom Grund der Flensburger und Apenrader Förde gekratzt und der Meeresboden so nachhaltig beschädigt. Obwohl ein Verbot noch nicht in Kraft getreten ist, könnte mit der Muschelfischerei nun Schluss sein, denn der Betreiber der „Thyra“ ist pleite.

Es ist eine Nachricht aus der dänischen Wirtschaft, die in Nord- und Südschleswig für Aufsehen sorgt: In der vergangenen Woche hat sich das Unternehmen „Wittrup Seafood A/S“ aus Horsens für zahlungsunfähig erklärt, sodass das Insolvenzverfahren gegen einen der größten Muschelproduzenten Dänemarks eröffnet wurde.

Kutter „Thyra“ war regelmäßig in der Förde auf Muschelfang

Das Unternehmen, bei dem zuletzt rund 20 Mitarbeitende beschäftigt waren, ist an sich keine bekannte Größe an der Apenrader- und Flensburger Förde – wohl aber das von dem Muschelproduzenten betriebene Schiff zur Grundschleppnetz-Fischerei mit dem Namen „Thyra“.

Der grau-weiße Kutter war in den vergangenen Jahren regelmäßig auf dänischer Seite der Flensburger Förde unterwegs, insbesondere im Bereich der Ochseninseln und südlich davon. Dort erntete das Schiff die Miesmuschel-Bestände aus der Förde.

Betrieb eingestellt und alle Mitarbeitende entlassen

Auch in diesem Jahr versuchte es die Besatzung wieder, musste jedoch aufgeben, da die im vergangenen Jahr zurückgelassenen Muschelbestände nicht auf eine erntereife Größe angewachsen waren. Die Erlaubnis für die Schleppnetzfischerei in der Förde galt für die „Thyra“ nach Angaben der dänischen Behörden bis Ende Oktober. Keine vier Wochen später ist das Unternehmen nun zahlungsunfähig.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters Jan Bech wurde die Produktion am Firmensitz in Horsens bereits eingestellt und alle 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Er verschafft sich jetzt einen Überblick über die Vermögensgegenstände des Unternehmens, um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Zu der Insolvenzmasse dürfte auch die „Thyra“ gehören, die seit dem 30. November im Hafen von Gravenstein (Gråsten) festgemacht hat. „Wir streben eine relativ schnelle Abwicklung des Unternehmens an“, sagte er gegenüber dänischen Medien.

Insolvenzverwalter sucht Käufer für das Unternehmen

Sowohl der Insolvenzverwalter als auch die Eigentümer gehen davon aus, dass die massiven naturschutzrechtlichen Einschränkungen für den Muschelfang letztlich das Aus des 1989 gegründeten Familienunternehmens bedeutet haben.

Ob die Muschelfischerei in der Flensburger Förde vor dem Hintergrund kaum noch vorhandener Muschelbänke und der Insolvenz des dänischen Unternehmens überhaupt noch einmal aufgenommen wird, ist fraglich. Zwar sucht der Insolvenzverwalter nach einem Käufer für das Unternehmen, doch ob das Unternehmen dann mit dem bisherigen Geschäftsmodell fortgeführt wird, ist völlig unklar.

Inhaber wollten von Muschelfang auf Muschelzucht umstellen

Selbst die Inhaber, bei denen es sich um die Brüder Rasmus und Stig Wittrup handelt, hatten die aufkommenden Schwierigkeiten erkannt und wollten den Muschelfang in bedrohten Gebieten wie der Flensburger Förde freiwillig einstellen. Sie planten, ihr Geschäftsmodell auf Muschelzucht umzustellen und dafür staatliche Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Dazu ist es aufgrund der Insolvenz aber nicht mehr gekommen.

Naturschützende hoffen auf endgültiges Aus der Muschelfischerei

Für die Naturschützenden vom Unterwasser-Team Flensburg kommt das Scheitern des Geschäftsmodells indes wenig überraschend. „Die haben sich in den vergangenen Jahren selbst ihre Existenzgrundlage weggefischt“, sagt Taucher Stephan Thomsen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitenden hat er den Zustand des Grundes der Förde intensiv dokumentiert. „Es ist einfach nichts mehr da, was man fischen könnte“, stellt er klar. „Wir hoffen, dass die Muschelfischerei in der Förde damit nun endgültig ein Ende findet.“