Handball

Deutsche Verwunderung: Dänische Handball-Hauptstadt im Nirgendwo!

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Große Endrunden finden immer wieder in der „Jyske Bank Boxen“ statt.

Herning ist wieder einmal der Nabel der Handball-Welt, doch Gäste aus Deutschland haben die dänische Stadt nicht wirklich vermisst. Herning habe nicht viel zu bieten. Die EHF hat sich für die Hauptstadt Kopenhagen als Austragungsort starkgemacht.

Zahlreiche Spiele einer großen Handball-Endrunde hat es seit mehr als einem Jahrzehnt im „Jyske Bank Boxen“ in Herning gegeben, doch im Ausland haben nur wenige Gefallen an der Multifunktionshalle in der Stadt mit rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern gefunden. Die Begeisterung hält sich auch bei den deutschen Gästen in Grenzen.

„Bitte wo? Umgeben ist die Stadt von kleineren Städten, weitläufigem Land und Naturflächen. Eine Handball-Hauptstadt im Nirgendwo, die selbst im dänischen Fernsehen schon veräppelt wurde. 2009 wurde die Comedy-Serie ,Hvor fanden er Herning' (zu Deutsch: ,Wo zum Teufel ist Herning?') zum TV-Hit“, schreibt die „Sport-Bild“.

Auch beim „Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag“ gab es keine große Wiedersehensfreude.

Zahlreiche deutsche Fans sind nach Herning gekommen und sorgten für eine neue Bestmarke bei einem Spiel ohne dänische Beteiligung: 9.526 waren es beim deutschen 34:32-Sieg gegen Spanien.

„Hallo Herning. So schnell sieht man sich also wieder. So richtig vermisst habe ich dich aber nicht. Mein Kollege Holger Petersen und ich waren bereits bei der Handball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr hier – und wir haben damals schon nicht verstanden, warum so ein Großereignis ausgerechnet in einer Stadt mit gerade einmal etwas mehr als 50.000 Einwohnern stattfinden muss. Nun ist es eine EM“, schreibt Joachim Hobke in seiner „Shz“-Kolumne.

Nur die Arena an sich und die Fanzone finden Gefallen. „Aber sonst? Hat Herning nicht wirklich viel zu bieten“, schreibt der „Shz“.

„Die Fanzone in der Herninger Arena ist wieder ein Highlight dieser EM. Eine 15.000 Quadratmeter große Event-Area mit vielen Mitmachstationen für Groß und Klein, eine Fressmeile für alle Geschmäcker – es ist ein Treffpunkt und kleines Paradies für alle EM-Touristen“, so Hobke, der auch auf das Handballmuseum des dänischen Verbandes verweist: „Edelmetall, wohin man blickt.“

Die „Jyske Bank Boxen“ ist bei Spielen mit dänischer Beteiligung stets ausverkauft.

„Immer wieder Herning“, schreibt auch Timo Schwarz von den „Kieler Nachrichten“ in einer Kolumne: „Nach der WM im Vorjahr spielen die deutschen Handballer schon wieder in Midtjylland. Herning hat 50.000 Einwohner. Herning hat eine Arena (Jyske Bank Boxen) für 15.000 Zuschauer. Herning ist ständig Austragungsort für Sport-Großereignisse. Herning hat kaum Hotels. Es werden aber alle Dänen nach Herning pilgern. Die Dänen spielen in Herning. Und die Dänen gehen davon aus, dass die Dänen Europameister werden.“

Die Europäische Handballföderation (EHF) hat sich laut „Sport-Bild“ für Kopenhagen als Austragungsort künftiger Endrunden in Dänemark starkgemacht, doch das dänische Organisationskomitee winkte ab.

„Herning und die Jyske Bank Boxen sind für Dänemark wie die Lanxess Arena und Köln in Deutschland: Da funktioniert Handball einfach. Rund um das Event haben Fans, Familien und gerade Kinder viele Möglichkeiten, mit dem Handball in Berührung zu kommen“, so EHF-Mediendirektor Thomas Schöneich zur „Sport-Bild“, fügt aber hinzu: „Es ist kein Geheimnis, dass die Infrastruktur für ein Großturnier wie die EM mit bis zu acht Mannschaften und ausländischen Fans vor Ort (in Herning, Anm. d. Red.) eine Herausforderung ist. Und es steht außer Frage, dass eine Hauptstadt wie Kopenhagen eine größere Strahlkraft hat und gerade für Gästefans attraktiver ist.“

Kopenhagen wäre für ausländische Fans attraktiver als Herning, meint man beim EHF.

Bislang lässt sich Herning den Status als Handball-Hauptstadt aber nicht streitig machen.