Soziales

Wie aus den zwölf Aposteln 13 wurden

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Flemming Just hat die Geschichte und die Geschichten der Wohnstätte Klosterbo aufgeschrieben.

Seit 150 Jahren bietet Klosterbo älteren Männern Halt, die es im Leben nicht einfach hatten. Zum Jubiläum gibt ein neues Buch Einblick in ihre Biografien – und in die bemerkenswerte Geschichte einer Einrichtung, die in Hadersleben einen festen Platz hat.

„150 Jahre – das ist einfach unglaublich“, sagt Vorsitzender Gunnar Nielsen auf der Geburtstagsfeier. Er steht dem „Understøttelsesfonden for værdige trængende i Haderslev af 24. Februar 1870“ vor. Dieser Fonds für Bedürftige betreibt Klosterbo, eine Wohnstätte für Männer, und diese Stätte gibt es also seit 150 Jahren, seit 1968 mit der Adresse Kosteret 29.

„Das müsste man mal aufschreiben“, lautete eine, wie Gunnar Nielsen es formuliert, „hingeworfene Bemerkung“ in Richtung von Flemming Just, ehemaliger Redakteur bei „JydskeVestkysten“, mehrfacher Buchautor und Vorstandsmitglied der Stiftung. Der konnte nicht Nein sagen, und so entstand „Når livet knækker“ – ein Buch, in dem Flemming Just die Geschichte des Hauses und Geschichten seiner Bewohner aufgeschrieben hat.

13 Bewohner leben in Klosterbo, mit sechs von ihnen hat Flemming Just Gespräche geführt und das Erzählte aufgeschrieben. Über viele Jahre fanden in der Wohnstätte am Gammelting und später am Klosteret zwölf Männer ein Heim. So kam es, dass der Spitzname für die Wohnstätte „die 12 Apostel“ entstand. Heute sind es 13, da eine Dienstwohnung in ein Appartement umgewandelt wurde. So müsste es heute „die 13 Apostel“ heißen.

Vorstandsvorsitzender Gunnar Nielsen erzählt den Gästen der Geburtstagsfeier, wie es zu dem Buch kam.

Just: Große Offenheit

Auch wenn der Spitzname zum Schmunzeln ist – die Lebensgeschichten, die Flemming Just aufgeschrieben hat, sind es nicht.

„Ich habe zugehört und aufgeschrieben. Ich fand eine große Offenheit“, so Flemming Just. Seine Gesprächspartner berichteten von einem harten Leben, von Herausforderungen in der Kindheit, von Schicksalsschlägen und Traumata – und von Alkoholmissbrauch. 

„Im Jahr 1870 gab es nicht das soziale Netzwerk, das wir heute haben. Damals dachten sich einige Leute, es fehle etwas, und gründeten die Stiftung. Fünf Jahre später konnten sie erste Wohnungen einrichten“, sagt Gunnar Nielsen. „Heute wollen wir feiern, auch wenn wir gestern einen Bewohner zu Grabe tragen mussten. Denn so ist es nun einmal.“