Gesellschaft

Arne: Posterboy der Pension bricht mit der Arbeiterpartei

Veröffentlicht Geändert
Arne Juhl aus Fjelstrup ist das Gesicht der Arne-Pension (Archivbild).

Er ist bekannt im ganzen Land: Arne Juhl aus Fjelstrup ist das Symbol der Frührentenreform – sein markantes Gesicht das Aushängeschild der Sozialdemokratie. Jetzt wendet sich der Mann hinter der „Arne-Pension“ enttäuscht von der alten Arbeiterpartei ab.

Arne Juhl, Rentner aus dem Fjelstrup in der Kommune Hadersleben, hat mit der Sozialdemokratie abgeschlossen, wie „Danmarks Radio“ (DR) berichtet. Dessenungeachtet war und ist sein Gesicht überall: auf Bussen, in U-Bahnen, auf Wahlbannern, im Fernsehen. Juhl steht für das plakative Versprechen der dänischen Sozialdemokratie: Wer lange hart gearbeitet hat, soll früher in Rente gehen dürfen. Diese Reform trägt seinen Namen: Arne-Pension. 

Heute sagt Juhl: „Ich bin schwer enttäuscht.“ Nach 44 Jahren, in denen er loyal die Sozialdemokraten gewählt hat, denkt der 65-Jährige laut „DR“ über einen Wechsel zur linksgrünen Sozialistischen Volkspartei (SF) nach. 

Vom Helden der Kampagne zum Kritiker

Seit seiner Jugend hatte der Fjelstruper Juhl (2. v. l.) im Unternehmen der Familie Fuglsang gearbeitet.

Bereits als Teenager hat Juhl bei der Haderslebener Brauerei Fuglsang, heute Mälzerei Fuglsang, gearbeitet. Im Vorjahr – nach 44 Jahren – verabschiedete er sich in den Ruhestand und bezieht nun die Arne-Pension, ein sozialdemokratisches Prestigeprojekt, dessen Gesicht Juhl ist. 

Doch wie die Partei sich seither entwickelt hat, passt für den Mann aus Fjelstrup nicht mehr zur sozialdemokratischen Idee: „Wir haben riesige Überschüsse an Ressourcen. Warum soll das alles für einen Krieg verpulvert werden, den wir nicht gewinnen können?“ So kommentiert Juhl gegenüber „DR“ die milliardenschwere Ukraine-Unterstützung der dänischen Regierung.

Wenn Entlastung zur Belastung wird

Hier ist Arne Juhl mit seinen ehemaligen Arbeitgebern, der Familie Fuglsang, am Firmensitz am Ribe Landevej zu sehen. Er ist zwar nach eigenem Bekunden stets treuer sozialdemokratischer Wähler gewesen, war allerdings nie Mitglied der Partei.

Auch die Steuerpolitik bringt ihn „auf die Palme“. Laut „DR“ kritisiert Juhl die hohe Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, selbst für Grundnahrungsmittel. 

Während die Regierung nächstes Jahr Abgaben auf Zucker, Schokolade und Kaffee abschafft, sieht Juhl bei den Alltagskosten der Menschen keine spürbare Entlastung. Auch die geplante Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre ab 2040 bringt den Arbeiter a. D. auf die Barrikaden. Dass die Sozialdemokratie diese mitträgt, sieht er als Wortbruch, und dass sich die sozialdemokratische Staatsministerin Mette Frederiksen überdies offen dafür zeigt, das Rentenalter weiter anzuheben, bringt für Juhl das Fass zum Überlaufen. 

Die Unzufriedenheit des wohl bekanntesten Rentners Dänemarks trifft eine Partei im Stimmungstief: Auch in Juhls Heimatkommune Hadersleben bekam die Arbeiterpartei die Quittung – drei Mandate weniger im Kommunalparlament.