Sommer in Nordschleswig

„Du kriegst 'nen Puch!“ – Oder: Wie Ulf Terp seine Liebe zu Oldtimern entdeckte

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Ulf Terp nahm mit seinem Puch-Moped an dem Oldtimertreffen in der Tonderner Innenstadt teil. Er hatte die Qual die Wahl.

Was als Erinnerung an Jugendtage begann, ist für Ulf Terp längst mehr als nur Nostalgie. Mit Charme, Schraubenschlüssel und Pragmatismus sammelt der Tonderaner nicht einfach nur alte Fahrzeuge – er lebt seine ganz eigene Art von Fahrfreude.

Als Teenager tuckerte Ulf Terp fast täglich mit seinem Puch-Moped von Tondern nach Lüdersholm (Lydersholm), um einem dortigen Landwirt zur Hand zu gehen. Jahre später, als seine Tochter im Moped-Alter war und sich ein motorisiertes Gefährt wünschte, setzte er klare Grenzen: „Du bekommst keinen Scooter, du kriegst ’nen Puch!“ Dass ihm das damals so wichtig war, bringt ihn heute selbst zum Lachen.

„Aber mit meinem Puch verbinde ich nur gute Erinnerungen. Es war zuverlässig und hatte einfach Seele“, sagt der 57-Jährige. So kam es, dass im September 2020 im Hause Terp ein schwarzes Puch Maxi mit 2-Gang-Handschaltung angeschafft wurde – Baujahr ungefähr 1984. „Genau weiß ich das gar nicht“, sagt Terp. Und das zeigt: Er ist kein typischer Oldtimer-Sammler. Originalteile und Detailverliebtheit sind ihm weniger wichtig als die reine Fahrfreude. Ein Pragmatiker – Hauptsache, das Ding läuft.

Traumauto: Ford Mustang Convertible

Im Flaschenhalter hätte sicherlich auch ein Wasserflasche Platz, doch auf Touren mit dem Puk-Klub gehören ein Bier und zwei Underberg in den Halter.
Mutter Ulla hatte den Sohn und dessen Moped schnell auf dem Tonderner Marktplatz ausgemacht. – Ulf Terp hat seine Puchs mit einem grünen Plastikmilchkasten ausgestattet. So gehört es sich in Dänemark.

Schon ein Jahr zuvor war der familieneigene Fuhrpark um einen schwarzen Volvo Amazon von 1962 erweitert worden. „Mein Traumauto ist eigentlich ein Ford Mustang Convertible. Ich hatte sogar mal einen von 1968 Probe gefahren, aber der Verkäufer und ich wurden uns nicht einig – am Ende trennten uns nur 5.000 Kronen“, erzählt Terp. Ein bisschen Bedauern klingt mit, doch der Zufall brachte ihn kurz darauf zum Volvo – ein Viertürer mit 1,2-Liter-Benzinmotor. „Ein schönes Auto mit tollen Formen“, findet nicht nur er. Auch seine Kinder und die seiner Lebensgefährtin Elke lassen sich gern zu besonderen Anlässen wie Konfirmationen oder Galas mit dem Klassiker chauffieren. Der schwarze Amazon zieht auch bei der jungen Generation Blicke auf sich.

Im April 2022 kam ein weiteres Fahrzeug dazu – diesmal ein VW Golf 2, Baujahr 1986. „So einen hatte ich als erstes ‚richtiges‘ Auto“, erinnert sich Terp und lacht. Der erste Wagen war ein winziger Morris Mascot – so klein, dass gerade noch die Sporttasche Platz hatte. Der neue Golf ist zwar braun statt weiß, wie der alte, aber das stört ihn nicht. „Die Farbe ist mir egal“, sagt er. Etwas mehr stört ihn das Automatikgetriebe, denn für ihn gehört zum Fahrspaß das Schalten.

Brauner Mercedes, rotes Puch

Seit November 2023 steht nun auch ein Mercedes W123 240 D, Baujahr 1978, in der Garage. Der kam einen Monat nach dem Kauf eines roten Puch Maxi hinzu – beides klassische Impulskäufe. „Das Angebot war einfach gut“, sagt Terp. Und so steht das rote Puch jetzt neben dem schwarzen. „Früher galt: Das schwarze war das Moped für Jungs, das rote für Mädchen“, erinnert er sich. Beide Maschinen sind heute mit einem grünen Milchkasten des Meierei-Giganten Arla ausgestattet. „Eigentlich wollte ich einen mit dem Schriftzug ,Kløvermælk‘ – die sind Kult, aber im Netz fast unbezahlbar“, sagt er.

Als Terp das rote Puch-Moped kaufte, ahnte er nicht, dass kurz darauf ein weiteres „gutes Angebot“ folgen würde: Eigentlich war er nur zum Spaß auf der Suche nach einem Mercedes 300, stieß dabei aber auf das Inserat für den 240 D – und gönnte sich den Wagen kurzerhand als verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Auch dieser Mercedes ist braun. „Die Farbe ist Nebensache – für mich zählt nur der Fahrspaß“, betont Terp.

Kein Platz für Impulskäufe

Der Volvo Amazon, Baujahr 1962, zieht auch die Blicke jüngerer Generationen auf sich.
Der Mercedes W123 240 D, Baujahr 1978
Der Golf 2, Baujahr 1986, mit Automatikgetriebe

Inzwischen hat er sich zusammen mit einem Freund eine Hebebühne angeschafft, die auf dessen Anwesen in Ellum steht. Seine Oldtimer überwintern in einem Schuppen – doch dort ist kein Platz mehr, auch nicht für weitere Impulskäufe. Sollte ihm allerdings ein Puch Monza Grand Prix angeboten werden, könnte er trotz der erreichten Kapazitätsgrenze durchaus schwach werden. Das war sein erster Puch. Deshalb sucht Terp eine günstige Halle, in der er seine Fahrzeuge unterstellen und auch ein wenig schrauben kann. Rostarbeiten überlässt er anderen, aber Bremsbeläge und Verschleißteile tauscht er selbst aus. „Ich hab keine Putzlappen-Autos“, stellt er klar. Hochglanz ist nicht sein Ding – er will fahren, nicht polieren.

Auch damit unterscheidet er sich von vielen Mitgliedern im Tonderner Oldtimerklub. Zunächst war er dem „Tønder Veteran Klub“ nur beigetreten, um bei den Versicherungen zu sparen. Heute sind ihm die monatlichen Klubtreffen fast schon heilig. „Im Sommer verbinden wir die Treffen mit kleinen Ausfahrten und einem Grillwürstchen zum Abschluss“, erzählt Terp.

Puck fährt Puch mit Puk-Kutte

Ulf Terp

Die Teilnahme an großen Oldtimerveranstaltungen wie dem Treffen in der Tonderner Innenstadt am Sonnabend ist für ihn eher die Ausnahme. Sie sind freiwillig – kein Muss. Ganz anders sieht es mit dem „Puk-Klub“ in Lügumkloster (Løgumkloster) aus, mit dem er gern unterwegs ist. Die Mitglieder tragen sogar rockerähnliche Kutten mit dem bewusst falsch geschriebenen Namen „Puk“ – eine augenzwinkernde Abwandlung von „Puch“.

Dabei hat die Sache für Ulf Terp eine zusätzliche Note: Sein zweiter Vorname ist „Puck“ – der Geburtsname seiner Mutter. Puch – Puk – Puck. Und so schließt sich ein persönlicher Kreis.

Phonetisches Sprachengewirr

Puch war ursprünglich ein österreichisches Unternehmen und daher müsste der Name Puch mit deutschem ch wie in Buch oder Tuch ausgesprochen werden. In Dänemark wird ch indes wie k ausgesprochen, genau wie in Italien übrigens auch. Apropos Italien: Als die Mopedproduktion Mitte der 1980er-Jahre eingestellt wurde, erwarb das italienische Unternehmen Piaggio die Rechte an „Puch“.