Sicherheit

Iran soll Anschläge in Berlin geplant haben – Verdächtiger in Aarhus gefasst

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Die Polizei konnte den Tatverdächtigen festnehmen (Symbolbild).

Ein dänischer Staatsbürger mit afghanischen Wurzeln soll für den Iran jüdische Einrichtungen ausspioniert haben – möglicherweise als Vorbereitung für Anschläge. Der Geheimdienst PET hat den Mann nun in Aarhus gefasst. Er soll nach Deutschland überstellt werden. PET beobachtet die sicherheitspolitischen Entwicklungen mit Sorge.

Die Bundesanwaltschaft hat in Dänemark einen mutmaßlichen Spion festnehmen lassen. Der Mann soll im Auftrag des Iran jüdische Einrichtungen und Personen in Deutschland ausgespäht haben, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung der Karlsruher Behörde. Der dänische Staatsangehörige steht im Verdacht, im Auftrag eines iranischen Geheimdienstes gehandelt zu haben.

Der Beschuldigte habe Anfang des Jahres den Auftrag erhalten, in Berlin Informationen über jüdische Örtlichkeiten und bestimmte jüdische Personen zu sammeln, heißt es weiter. Dazu habe er im Juni vor Ort drei Objekte ausgespäht. „Dies diente mutmaßlich der Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Operationen in Deutschland, möglicherweise bis hin zu Anschlägen gegen jüdische Ziele“, so die Bundesanwaltschaft.

Überstellung nach Deutschland geplant

Die Festnahme des Mannes erfolgte am Donnerstag in Aarhus in Zusammenarbeit mit dem dänischen Geheimdienst PET (Politiets Efterretningstjeneste) auf Grundlage eines deutschen Haftbefehls, der am 24. Juni von einem deutschen Richter ausgestellt worden war.

Der 53-Jährige sitzt nun in dänischer Untersuchungshaft, bis er nach Deutschland überstellt und dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt wird, der über die Untersuchungshaft entscheidet.

Der Fall basiert auf Informationen des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV). Die Bundespolizei BKA wurde mit der polizeilichen Ermittlung beauftragt.

Nach Informationen des „Spiegels“ soll eine Eliteeinheit der iranischen Revolutionswächter, die sogenannten Quds-Streitkräfte, Aufträge zur Vorbereitung möglicher Angriffe in Berlin erteilt haben. Der Festgenommene habe afghanische Wurzeln. Er soll dem Bericht zufolge unter anderem Fotos von Häusern gemacht haben, darunter der Sitz der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

Geheimdienstaktivitäten auch in Dänemark

Laut PET ist bekannt, dass der Iran Geheimdienstaktivitäten gegen Regimegegnerinnen und -gegner unter den in Europa lebenden Iranerinnen und Iranern – auch in Dänemark – durchführt.

„Generell haben wir an mehreren Orten in Europa Angriffe und Gewalttaten beobachtet, bei denen davon ausgegangen wird, dass sie im Auftrag des Iran verübt wurden, und wir haben bereits zuvor iranische Aktivitäten auf dänischem Boden gegen Dissidenten beobachtet“, sagt PET-Chef Finn Borch Andersen.

Nach Einschätzung des PET führt der Iran mithilfe krimineller Netzwerke auch Gewaltakte gegen israelische und jüdische Interessen durch. Man nehme die Bedrohung durch den Iran sehr ernst und arbeite mit europäischen Partnerinnen und Partnern eng zusammen, so Borch Andersen.

Der PET-Chef ergänzt: „Staaten wie der Iran verfügen über große Kapazitäten und können kriminelle Netzwerke oder Mittelsmänner einsetzen. Das stellt eine ernsthafte Bedrohung dar – auch in Dänemark. Alle Bürgerinnen und Bürger sollten jedoch weiterhin ihr Leben wie gewohnt leben.“

Der dänische Geheimdienst beobachte die Lage genau und ergreife laufend notwendige Sicherheitsmaßnahmen.