Öffentlicher Verkehr

Vier Tage Busstreik in Schleswig-Holstein

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Die Überlandbusse in Schleswig-Holstein werden vier Tage lang bestreikt.

Ab der Frühschicht am Dienstag bis zur Spätschicht am Freitag hat die Gewerkschaft Verdi die Überlandbusfahrer in Schleswig-Holstein zum Streik aufgerufen. Die Stadtbusse in Flensburg sind nicht betroffen.

Fahrschüler und Buspendler in allen Kreisen Schleswig-Holsteins mit Ausnahme Plöns werden für den Rest der Woche auf eine harte Geduldsprobe gestellt.

Nach erneut ergebnislos abgebrochenen Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern des privaten Busgewerbes hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Montagnachmittag die nächste Eskalationsstufe gezündet: Ab der Frühschicht an diesem Dienstag bis zur Spätschicht am Freitag hat sie die Überlandbusfahrer für vier volle Werktage zum Streik aufgerufen.

„Nicht einigungsfähig“, schmipft Verdi Nord in Richtung Arbeitgeber Omnibus-Verband Nord (OVN). Der Verband mit seinen vielen Kleinstunternehmen habe die Realität der Unternehmen, in denen die Vielzahl der Beschäftigten arbeiten, nicht mehr im Blick. „Hier geht es um einen Arbeitgeberverband, der den Willen von kleinen Inhabern und deren Kleinstunternehmen vor eine gute zukunftsorientierte Branchenlösung stellt“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Sascha Bähring.

Tatsächlich hatten sich Verdi und OVN am 3. September bereits auf einem Abschluss geeinigt, der bei den OVN-Mitgliedsbusunternehmen offenbar nicht mehrheitsfähig war und deshalb Ende September kurz vor der Frist wieder kassiert wurde: „Wir haben heute auf das vorgelegte enttäuschende Angebot, deutlich unter dem Niveau des Verhandlungsergebnisses vom September, Lösungsvorschläge unterbreitet, die auch die vorgetragenen Probleme der Arbeitgeberseite berücksichtigt hätten“, so Bähring mit Blick auf eine längere Laufzeit. Aber Angebote, die einen Reallohnverlust für die Beschäftigten bedeuten, seien nicht akzeptabel.

Der OVN dagegen fand, er habe mit seinem aktuellen Angebot ein starkes Signal an die Busfahrer im Land gesendet, obwohl es noch keine festen Zusagen zur Refinanzierung seitens der kommunalen Aufgabenträger gebe. So habe man nicht nur trotz schwieriger Rahmenbedingungen an der Höhe der Lohnsteigerung festgehalten, sondern sogar die Inflationsausgleichsprämie noch einmal auf 1000 Euro erhöht: „Schon heute gehört das Fahrpersonal in Schleswig-Holstein zu dem bestbezahlten bundesweit und alles, was wir von unserem Tarifpartner erwartet haben, war die Bereitschaft, einer verlängerten Laufzeit zuzustimmen“, so OVN-Verhandlungsführer und Vorsitzender Klaus Schmidt.

Nur eine Stimme für die große Firma Autokraft im OVN

Was den ohnehin durch die zurückgezogene Einigung belasteten Tarifkonflikt so kompliziert macht: Nach Informationen unserer Redaktion wird die Stimmung auf Gewerkschaftsseite maßgeblich getragen von den vielen Beschäftigten der beiden großen Unternehmen Autokraft und Trandev.

Auf der Arbeitgeberseite mit seinen mehr als 80 Mitgliedern dominieren dagegen die Kleinunternehmer der privaten Busbranche. Hier hat die Bahn-Tochter Autokraft als mit Abstand größtes Unternehmen nur ein Sitz und eine Stimme, während der Organisationsgrad bei den großen Betrieben auf Arbeitnehmerseite viel höher ist.

Stadtbusse der vier kreisfreien Städte nicht betroffen

Die Stadtverkehre der vier kreisfreien Städte Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg sind von den Ausständen kaum betroffen. Sie haben gerade einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt. Und die Verkehrsbetriebe Kreis Plön befinden sich in einer anderen Tarifrunde mit den Eisenbahn-Arbeitgebern, die aktuell nicht bestreikt werden.