Kultur und Freizeit

Winterbaden im Naturbad: Auch die Jugendlichen sind eiskalt dabei

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Die Jungen gaben sich keine Blöße und stiegen wagemutig in das 1 Grad Celsius kalte Wasser des Bülderuper Naturbades.

Das Winterbaden im Natursee am Bülderuper Sportcenter erfreut sich bei Erwachsenen großer Beliebtheit. Nun durften auch die Jugendlichen den Gang ins eiskalte Wasser wagen. Wie unverfroren würden sie sich dabei anstellen?

Da sage noch einer, die Jugendlichen von heute sind verweichlicht und alle Warmduscher! Im Bülderuper Naturbadesee bewiesen Jungen und Mädchen der Klassenstufe 7 bis 9 kürzlich das Gegenteil. Zumindest im Hinblick auf die Temperatur. 

Diese Altersgruppe hatte erstmals die Gelegenheit, ins kühle Nass des umfunktionierten Freibades des Sportcenters zu steigen. Nach der Inbetriebnahme des Natursees im vergangenen Jahr war das Winterbaden in Kombination mit Saunieren den Erwachsenen von nah und fern vorbehalten.

„Es kam dann die Frage auf, warum nicht auch Jugendliche unter 18 Jahre das machen dürfen. Darauf haben wir dann reagiert und für Schülerinnen und Schüler von Klasse 7 bis 9 ein Winterbaden angesetzt. Es scheint gut anzukommen“, sagt Lone C. Rahr Madsen. Sie ist seit Oktober vergangenen Jahres neue Hallenwartin des Bülderuper Sportcenters, zu dem auch der Betrieb des Naturbades gehört.

Kollegin Nina hob es aus der Taufe

Zusammen mit Kollegin Nina Nissen, die das Winterbaden für Jugendliche in Gang schob, setzte Madsen zwei Mittwochnachmittage für das Winterbaden für Jugendliche an, einschließlich Saunieren.

„Beim ersten Mal waren 8 – 4 Jungen und 4 Mädchen – dabei, jetzt haben sich 16 Jugendliche angemeldet“, so die Centerleiterin beim zweiten Probetermin kurz vor dem Eintreffen der jungen Winterbadenden.

Trafen mit dem Winterbadeangebot den Nerv der Jugendlichen: Sportcenterleiterin Lone Madsen (r.) und Mitarbeiterin Nina Nissen.

Madsen zündete schnell noch ein paar Fackeln an. Das kleine Lagerfeuer in der Feuerschale vor dem Becken loderte schon, und auch die Sauna war bereits aufgewärmt worden. Das Ambiente stimmte – das Winterbaden der Jugendlichen konnte losgehen.

Lone Madsen und Nina Nissen staunten nicht schlecht, als zunächst eine Gruppe Jungs Richtung Treppe marschierte und ohne Anhalten ins Wasser spazierte, das an einigen Stellen noch mit Eis überzogen war.

Sorgte noch schnell für ein einladendes Ambiente: Lone Madsen beim Anzünden einer Fackel.

„Mann, was seid ihr cool. Hut ab, wie ihr das macht“, ruft Lone Madsen den Schülern aus Bülderup anerkennend zu. Der gleiche Wortlaut galt wenig später einer Girlgroup aus Tingleff. Fünf Mädchen von der dänischen Schule hatten vom Winterbaden für Jugendliche gehört und wollten ebenfalls dabei sein. Auch sie marschierten schnurstracks ins Wasser – ohne Geschrei und ohne Zetern, als wenn sie es schon oft gemacht hätten. Die meisten Teilnehmenden waren allerdings Debütanten.

Premiere beim Winterbaden feierten auch die beiden Lokalmatadoren Jeppe Aakjer Hansen und Willem Damsteegt von der Bülderuper Schule. Bei einem Sommerhausaufenthalt in der kälteren Jahreszeit habe er sich schon mal ins Meer gewagt, so der 15-Jährige Jeppe zwischen einer Bade- und einer Saunaeinheit im Bülderuper Naturbad.

Auch fünf Mädchen aus Tingleff wagten sich ins eisige Wasser.
Die Girlgroup aus Tingleff mit einem großen Stück Eis aus dem Badesee

Sehr kalt, aber nette Abwechslung

„Das Wasser war da aber um die 10 Grad. Das hier ist schon etwas ganz anderes“, so der Neuntklässler mit einem verschmitzten Lächeln.

„Es war ganz schön kalt. Der Atem stockte“, berichtet Jeppe von seinem ersten Eintauchen ins 1 Grad kalte Wasser. 

Kumpel Willem pflichtet ihm bei. „Es war wirklich verflucht kalt, aber auch spannend, das zu erleben“, so der 14-jährige Achtklässler.

Über die sozialen Medien und vom Hörensagen habe er von der Aktion mitbekommen und sich entschieden, mitzumachen, sagt Willem.

Jeppe Aakjer Hansen (l.) und Willem Damsteegt waren das erste Mal beim Winterbaden in Bülderup dabei und würden es wieder tun.

Jeppe hat im Sportunterricht in der Halle von der Veranstaltung erfahren. „Nina kam und fragte, ob einige von uns solch ein Angebot wahrnehmen würden. Ich und einige andere haben sich dann gemeldet“, erzählt Jeppe.

Sollte das Angebot wiederholt oder gar permanent werden, könne er sich gut vorstellen, öfter dabei zu sein. „Es ist ein lustiges Miteinander mit Baden, Saunieren und anschließendem Beisammensein“, so der Bülderuper Schüler.

Schnell wieder raus aus dem kalten Wasser und ab in die Sauna!

Angebot wird vielleicht wiederholt

Man erwäge in der Tat, das Angebot am Mittwochnachmittag nach den beiden Probetagen zu wiederholen und unter Umständen regelmäßig stattfinden zu lassen, „wenn sie Lust dazu haben. Das Center ist ja daran interessiert, junge Nutzerinnen und Nutzer für sich zu gewinnen. Sie sind schließlich die Zukunft“, sagt die Centerleiterin, die vor dem Wechsel nach Bülderup Leiterin der Tondernhallen war. 

Das Probe-Winterbaden der Jugendlichen einschließlich Sauna hat man mit 25 Kronen pro Teilnahme bewusst günstig gemacht, um das Interesse zu wecken.

Nur unter Aufsicht

Lone Madsen ist auch Bademeisterin und Rettungsschwimmerin. Die Sicherheit bei den zweistündigen Einheiten in Bülderup hatte hohe Priorität. „Wir halten ein Auge auf die Jugendlichen und erwarten, dass sie Schwimmerfahrungen haben und körperlich fit sind, auch wenn beim Winterbaden nicht von Schwimmen, sondern nur von kurzem Eintauchen die Rede ist“, sagt die Centerleiterin. 

Auch Zustimmung der Eltern wird vorausgesetzt. „Die Eltern stehen voll dahinter und melden zurück, dass sie die Aktion ganz toll finden und wir die Jugendlichen doch sehr gern ins Wasser schicken sollen“, so Madsen schmunzelnd.

Soziale Komponente

In der Sauna konnten sich die jungen Winterbader vor dem nächsten Gang ins kalte Wasser aufwärmen.

Eine Mutter, die das kalte Treiben am Rande mitverfolgte, bestätigt das. Die Aktion sei nicht nur körperlich eine spannende Sache, sondern auch sozial. Anstatt zu Hause vor dem Computer oder Handy zu sitzen, haben die jungen Leute etwas vor, machen etwas zusammen und tauschen sich aus, so die Ortsansässige.

Das Soziale rückte zum Abschluss des zweistündigen Winterbadens noch einmal in den Vordergrund, als die Teilnehmenden in der Cafeteria bei einem Imbiss und einem Getränk den kalten Nachmittag in geselliger Runde ausklingen ließen. Viele waren sich einig: „Das machen wir wieder.“

Eiskalte Wette

Die Initiatoren Nina Nissen und Lone Madsen haben sich an das Winterbaden bislang nicht herangewagt. Sie könnten sich überhaupt nicht vorstellen, in so kaltes Wasser zu steigen, wie sie vor Ort gestehen. Bald könnte es aber so weit sein, und das zwangsläufig!

„Wir haben eine Wette laufen, dass wir ins Wasser gehen, wenn die Mitgliederzahl des Winterbadens die 100 erreicht. Es sind jetzt schon 88 – von der 100 also nicht mehr so weit weg. Damit haben wir am Anfang überhaupt nicht gerechnet, und das ist ja eigentlich toll“, sagt Nina Nissen mit einem Blick, dem man sowohl die Freude über die Zahl der Aktiven als auch die Furcht vor dem Einlösen der Wette ablesen kann. 

An drei Tagen wird im Natursee ein Winterbaden mit Saunanutzung für Erwachsene angeboten:
Dienstags und donnerstags von 5 bis 9.30 Uhr und von 14 bis 21 Uhr
Sonnabends von 10 bis 17 Uhr

Die Winterbadesaison läuft bis Ende April. Eine Mitgliedschaft kostet 300 Kronen für drei Monate oder 500 Kronen für sechs Monate. Für 25 Kronen kann man das Winterbaden samt Sauna ausprobieren. In der Sauna finden bis zu zwölf Personen Platz.

Ansprechpartnerin ist Centerleiterin Lone Madsen (Tel. 20 26 16 14, E-Mail: kontakt@bylderup-ic.dk). 
Ein Winterbaden für Jugendliche fand bislang zweimal an einem Mittwoch von 16 bis 18 Uhr statt. Ob es erneut angeboten und womöglich sogar permanent eingeführt wird, ist noch nicht geklärt.