Kommunalwahl 2025

SP-Wahlbanner in Hoyer mit nazistischen Schmierereien verschandelt

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Kein Fußballtor, sondern der Rest eines Wahlbanners der Schleswigschen Partei. Seit Mittwochabend ist der Platz verwaist.

Auf dem Werbeträger an der Ortseinfahrt wurden ein Hakenkreuz und ein Oberlippenbärtchen hinterlassen. Leidtragende war die SP-Stadtratsabgeordnete Louise Thomsen Terp. Sie stimmt der Vorfall traurig. Der SP-Vorsitzende Christian Andresen meint, dass der diesjährige Wahlkampf andere Züge angenommen hat. Medial kommt die SP nicht gut weg. Der Bürgermeister gedenkt, „Tøndernyt“-Redakteur vor den Presserat zu bringen.

Ein Anruf genügte. Sogleich setzte sich Stadtratsmitglied und -kandidatin Louise Thomsen Terp aus Toft bei Tondern am Mittwoch ins Auto und fuhr nach Hoyer (Højer). Dort hatten Unbekannte ihr Wahlbanner mit einem Hakenkreuz verunziert. Außerdem war ihr ein Oberlippenbärtchen aufgemalt worden. Das Banner wurde umgehend entfernt. 

Louise Thomsen Terp, die von einem anderen Kandidaten alarmiert worden war, meinte zu dem Vorfall: „Ich bin sehr traurig, dass es Menschen gibt, die den Drang zu solchen Schmierereien haben. Mich stimmt es auch in Bezug auf die Demokratie traurig. Derartige Aktionen können davor abschrecken zu kandidieren.“

Günstige Platzierung an der Ortseinfahrt

„Ich stelle mich gerne zur Verfügung, aber es gibt Grenzen, was man sich gefallen lassen muss. Die Politik sollte nicht nur denjenigen vorbehalten sein, die ein Herz aus Stahl und dicke Haut wie ein Elefant haben“, erklärt die erfahrene Politikerin. 

Das Banner hing strategisch günstig bei der östlichen Ortseinfahrt von Hoyer auf einem Feld. Der Vorfall soll sich am Mittwoch in der Zeit zwischen 14 und 19.30 Uhr ereignet haben, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Wahlplakate der Schleswigschen Partei (SP) blieben, wie die von anderen Parteien im Ortskern, von Übergriffen verschont.

Der Kommunalvorsitzende der Schleswigschen Partei, Christian Andresen, erklärte, es werde versucht, das beschmierte Banner zu reinigen. „Wenn das nicht gelingt, wird ein Neues bestellt und aufgehängt“, so Andresen.

In Hoyer hat es in diesem Jahr ganz wenige mutwillige Beschädigungen von Wahlplakaten gegeben, erklärt Volker Heesch, SP-Kandidat aus Hoyer. Nur ein SP-Wahlplakat sei heruntergeholt und in vier Teile zerschnitten worden.

Er spricht von einem ungewöhnlichen Wahlkampf, den es auf diese Weise in Tondern früher nicht gegeben habe. „Das gilt zum Beispiel auch für die vielen Facebook-Reaktionen zu den deutschen Schriftzügen auf unserem VW-Käfer und Campingwagen, den wir in der Kommune Tondern in diesem Jahr besonders viel genutzt haben. Seit 2009 ist er bei uns immer im Einsatz gewesen, ohne dass es jemals negativ kommentiert worden ist.“

Aus medialer Sicht hat sich der Wahlkampf auch verändert, zuungunsten der Schleswigschen Partei. „Der Wahlkampf ist ein anderer. Die Medien sind aber nicht verpflichtet, uns zu unterstützen. Es ist ihre Aufgabe, kritische Fragen zu stellen“, unterstreicht Andresen.

Popp erwägt, den Presserat einzuschalten

Äußern wollte sich Andresen nicht zum Frontalangriff auf die SP, der im Netz auf der Facebook-Seite des Online-Mediums „Tøndernyt“ abgegeben wurde. In einem Leitartikel „Sund økonomi gør børnene syge“ hat der Betreiber der Seite, Søren Malchow, eine Breitseite auf Bürgermeister Jørgen Popp Petersen und SP-Politikerin Louise Thomsen Terp abgegeben. 

Die Schleswigsche Partei brüste sich zwar damit, dass die Finanzen der Kommune in Ordnung seien. Dies sei der SP scheinbar wichtiger als das Wohl verwundbarer Kinder (sårbare børn), schreibt Søren Malchow. Die Schleswigsche Partei halte das Steuer der Kommune Tondern in der Hand, lasse aber vulnerable Kinder und deren Familien im Stich. In einem zweiten Kommentar schreibt er nach ordentlich verbaler Prügel, dass er keine Hetzkampagne gegen die SP führe, begründet aber nicht, warum er die Partei ins Fadenkreuz genommen hat.

Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (SP) reagierte auf den Beitrag und erwägt sogar, den Autor des Leitartikels vor den Presserat zu bringen. 

Hauke Grella, SP-Kandidat aus Ruttebüll (Rudbøl) knöpfte sich Søren Malchow in einem Eintrag vor. Es sei verwunderlich, dass die journalistische Absicht konsequent dieselben Personen und dieselbe Partei treffe. Dann sei dies alles andere als neutraler und unparteiischer Journalismus.

Artikel eckt an

Mit seinem Beitrag eckt Malchow auch bei den Leserinnen und Lesern kräftig an. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer üben scharfe Kritik an der Vorgehensweise. Der Artikel sei ein Beispiel für schlechten Journalismus, heißt es unter anderem. Der Leitartikel sei zutiefst unseriös, die Fakten seien falsch und sehr bedauerlich, so Stadtratsmitglied Allan Skjøth (V) in einem Kommentar.