Stadtentwicklung

Kurswechsel in Apenrade: Alte Kastanie an der Sankt-Nicolai-Kirche darf vielleicht doch bleiben

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Die Kastanie vor der Nicolaikirche ist laut Gutachten eine Gefahr für Besuchende. Äste könnten herabfallen.

An der Nicolai-Kirche in Apenrade verzögert sich die Entscheidung über die Fällung eines alten Baumes: Der Gemeinderat hat den Vorgang gestoppt, bis die Kommune klärt, ob der Baum laut Lokalplan geschützt ist. Hier sind die Gründe.

Erst hieß es, die Kastanie vor der Sankt-Nicolai-Kirche werde gefällt. Dann hat der Apenrader Gemeinderat (Menighedsråd Aabenraa Sogn) beschlossen, die Fällung des Baumes an der Kirche im Zentrum der Stadt vorerst auszusetzen. 

Gefahr für Besuchende

Der Baum sollte gefällt werden, da dieser nicht mehr gesund sei und herabfallende Äste eine Gefahr darstellen könnten. Zudem hätte der Baum möglicherweise unter der geplanten neuen Zufahrt entlang der Kirche gelitten. Der neue Zugang ist eine Verbesserung, die unter anderem Menschen mit Gehbeschwerden, Hochzeitsgesellschaften oder Fahrzeugen der Bestattungsdienste zugutekommen wird. Zuvor musste der Weg westlich der Kirche benutzt werden, der mit kleinen Pflastersteinen belegt ist – oftmals eine rutschige und unebene Strecke. Das geht aus einer Mitteilung der Gemeinde hervor.

Baum ist geschützt: Was jetzt?

Der Weg zur Kirche (l. im Bild) wird durch einen neuen Zugang ersetzt.

Nach dem Beschluss wurde der Gemeinderat jedoch darauf aufmerksam, dass der Baum laut Lokalplan M5 von 1981 als erhaltenswert eingestuft ist. Daher wurde die Kommune – die jetzt für die Entscheidung zuständig ist – gebeten, eine fachliche Bewertung vorzunehmen. Die Kommunalverwaltung ist jetzt für die Entscheidung zuständig, ob die etwa 100 Jahre alte Kastanie gefällt werden darf.

Unabhängig davon beginnt der Gemeinderat, das Menighedsråd, bereits mit jenen Teilen des Projekts, die nicht von der Frage des Baumes betroffen sind. „Wir starten mit dem Bereich vor der Eingangstür sowie dem Verlauf der neuen Zufahrt auf der rechten Seite“, erklärt Ratsvorsitzende Karen Kragh Petersen. Damit soll das Verbesserungsprojekt für Besucherinnen und Besucher der Kirche trotz der Verzögerung in einem ersten Schritt vorangehen.

Das ist wichtig

Erfahrungen aus anderen Gemeinden zeigen, dass drei Faktoren entscheidend sind, wenn es um den Umgang mit alten oder schützenswerten Bäumen geht. Transparenz spielt dabei eine zentrale Rolle: Werden Gutachten offengelegt, Gründe klar erklärt und Betroffene frühzeitig informiert, stärkt das Vertrauen in die Entscheidung. 

Muss doch gefällt werden: Was dann?

In Dänemark werden alte Bäume häufig als bewahrenswert eingestuft – so auch die Kastanie an der Nicolaikirche. Die Naturbehörde (Naturstyrelsen) empfiehlt grundsätzlich, alte Bäume möglichst zu erhalten – nicht nur, weil sie Lebensraum bieten, sondern auch wegen ihres kulturellen Wertes. Nur wenn ein Baum krank oder einsturzgefährdet ist, wird eine Fällung genehmigt.

Gleichzeitig wird fast immer eine Ersatzpflanzung verlangt, oft mit heimischen Arten oder Jungbäumen aus lokalem Saatgut. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Geschichte des Baumes zu dokumentieren oder Setzlinge des Baumes zu ziehen, damit ein Teil des alten Baumes weiterlebt.

Die Kastanie steht auf dem Kirchenvorplatz, der jetzt neu gestaltet wird.