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Frühverrentung bei Migranten: Wie Apenrade handelt, um Menschen länger im Arbeitsleben zu halten

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Viele der heute Frühverrenteten sind in den 1990er- und 2000er-Jahren nach Dänemark gekommen (Archivbild).

In Odense und Aarhus beziehen rund drei von zehn nicht-westliche Migranten zwischen 40 und 64 Jahren Frührente – in Apenrade sind es 23Prozent. Die Kommune setzt auf frühzeitige Abklärung, Rehabilitation und flexible Arbeitslösungen, um Betroffene länger im Arbeitsleben zu halten und Integration zu fördern.

In Apenrade liegt der Anteil nicht-westlicher Einwanderer im Alter zwischen 40 und 64 Jahren, die eine Frührente beziehen, bei gut 23 Prozent. Damit liegt die Kommune zwar über dem Landesdurchschnitt, aber deutlich unter den Spitzenwerten von Odense und Aarhus, wo rund drei von zehn Personen dieser Altersgruppe eine „førtidspension“ erhalten. Neue Zahlen der liberal-konservativen Denkfabrik Cepos zeigen: Die Unterschiede zwischen den Kommunen sind groß – und sie werfen Fragen nach Ursachen und Umgang auf.

Warum die Zahlen in Apenrade relativ hoch sind

Die Kommune Apenrade erklärt auf Anfrage des „Nordschleswigers“ die vergleichsweise hohe Quote nicht mit einer einzelnen Ursache. Viele der Betroffenen seien in den 1990er- und 2000er-Jahren als Geflüchtete nach Dänemark gekommen. „Viele hatten nur begrenzte Bildung, wenig Arbeitsmarkterfahrung und teilweise gesundheitliche Einschränkungen oder Traumata“, schreibt die Kommune. Diese Faktoren erhöhten demnach das Risiko, im späteren Leben nicht mehr voll arbeitsfähig zu sein. 

Hinzu kommt der Zeitfaktor: Viele dieser Menschen sind heute über 50 Jahre alt. Körperliche Abnutzung aus früheren, oft belastenden Jobs, chronische Erkrankungen und fehlende Umschulungsmöglichkeiten wirken jetzt zusammen. „Gesundheit und Verschleiß spielen in dieser Altersgruppe eine deutlich größere Rolle“, so die Einschätzung aus dem Rathaus.

Solche Geflüchteten sind allerdings nicht flächendeckend im Land verteilt, sodass ihr Anteil von Kommune zu Kommune schwankt. So entstünden die Unterschiede, heißt es in der Cepos-Studie. In Kopenhagen oder anderen Kommunen mit niedrigeren Anteilen stammen Migranten teilweise aus jüngeren Zuwanderergruppen mit besserer Bildung und stärkerer Arbeitsmarktintegration.

Frühverrentung im nationalen Vergleich

Auf nationaler Ebene waren im dritten Quartal 2025 37.086 nicht-westliche Migranten zwischen 40 und 64 Jahren in Frührente – knapp jeder Fünfte. Zum Vergleich: Dänen in derselben Altersgruppe betraf es nur zu 9,4Prozent.

Zudem sind die Geflüchteten nicht flächendeckend im Land verteilt, sodass ihr Anteil von Kommune zu Kommune schwankt. So entstünden die Unterschiede, heißt es in der Cepos-Studie. In Kopenhagen oder anderen Kommunen mit niedrigeren Anteilen stammen Migranten teilweise aus jüngeren Zuwanderergruppen mit besserer Bildung und stärkerer Arbeitsmarktintegration.

Belegt wird das von Studien, die zeigen, dass Kommunen mit einem höheren Anteil von Migranten aus Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas sowie Pakistan und Türkei (auf Dänisch: Menapt-Länder; diese sind die überwiegend muslimischen Länder im Nahen Osten und Nordafrika sowie Pakistan und die Türkei; Anm. d. Red.) häufiger Frühverrentung gewähren.

Präventive Maßnahmen in Apenrade

Die Kommune betrachtet die hohen Zahlen alsGrundlage für gezieltes Handeln:

  • Rehabilitationsteams prüfen Möglichkeiten für Flexjobs oder Ressource-Programme.
  • Unternehmenspraktika ermöglichen, die Arbeitsfähigkeit in der Praxis zu testen.
  • Gesundheitsfördernde Maßnahmen stärken die physische und psychische Gesundheit.
  • Flexjobs und gezielte Programme helfen, den Übergang in Frühverrentung zu vermeiden.

„Wir arbeiten systematisch daran, alle Optionen auszuprobieren und die Menschen im Arbeitsleben zu halten“, betont die Kommune. Ziel sei, so viele wie möglich im Arbeitsleben zu halten und den Bedarf an Frühverrentung zu reduzieren.

Positive Trends und Hoffnung für die Zukunft

Interessant ist: Jüngere Migranten, die nach 2000 nach Dänemark kamen, zeigen stärkere Arbeitsmarktintegration. Die Kommune sieht darin Potenzial, dass sich dieser positive Trend mittelfristig auch auf die Gruppe über 40 Jahre auswirken könnte.

Zudem zeigt die Analyse, dass frühzeitige Abklärung, individuelle Betreuung und präventive Maßnahmen die Zahl neuer Frühverrentungen verringern können. In Apenrade werden diese Ansätze konsequent umgesetzt, etwa durch enge Zusammenarbeit mit Unternehmen, Psychiatrie, Bildungsangeboten und Gesundheitsteams.

Fazit: Zahlen als Chance, nicht nur als Problem

Die Zahlen zeigen: Frühverrentung entsteht selten plötzlich. Sie ist oft das Ergebnis jahrelanger Belastungen, fehlender Qualifikation und gesundheitlicher Probleme. Gleichzeitig machen die Beispiele aus Apenrade deutlich, dass kommunales Handeln einen Unterschied macht – durch frühe Unterstützung, flexible Arbeitsmodelle und realistische Einschätzung der Möglichkeiten.

Nicht jede Frühverrentung lässt sich verhindern. Aber viele lassen sich hinauszögern oder abmildern. Genau darin sieht die Kommune ihre Aufgabe: möglichst viele Menschen so lange wie möglich im Arbeitsleben zu halten – im Interesse der Betroffenen und der Gesellschaft.

So sieht es in den anderen nordschleswigschen Kommunen aus (Ergebnis der Cepos-Studie):

In Hadersleben (Haderslev) lag im 1. Quartal 2025 der Anteil nicht-westlicher Migranten im Alter von 40 bis 64 Jahren, die Frührente (førtidspension) beziehen, bei 20,4 Prozent. Damit liegt die Kommune etwas über dem dänischen Durchschnitt (19,1 Prozent) – allerdings deutlich unter den Spitzenkommunen wie Odense oder Aarhus. 

In Sonderburg (Sønderborg) zeigt sich ein etwas niedrigerer Anteil von 16,2 Prozent nicht-westlichen Migranten in Frühverrentung in derselben Altersgruppe.

In Tondern (Tønder) waren 20,6 Prozent der nicht-westlichen Migranten zwischen 40 und 64 Jahren auf Frühverrentung angewiesen. Dieser Wert liegt nahe am dänischen Gesamtdurchschnitt.