Psychische Gesundheit

Empfehlung: Suizidgedanken offen ansprechen

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Suizide sind weiterhin mit Tabus belegt (Symbolfoto).

Es ist ein Irrtum, dass Gespräche über Selbsttötung das Risiko eines Suizids erhöhen. Das sagt Erik Christiansen vom Zentrum für Suizidforschung. Im Gegenteil: Es kann dazu beitragen, zu verhindern, dass ein Mensch sich das Leben nimmt.

Es dürfte eine der schwersten Fragen sein, die man einem anderen Menschen stellen kann: „Überlegst du, dir das Leben zu nehmen?“ 

Dennoch sollten nahestehende Personen sich ein Herz fassen und sie stellen. Das meint Erik Christiansen vom Zentrum für Suizidforschung in Odense.

„Bemerken Angehörige oder Freundinnen und Freunde, dass eine Person psychisch leidet, kann es sinnvoll sein, zu fragen, ob diejenige suizidale Gedanken hat – auch wenn es schwerfällt“, sagt er dem „Nordschleswiger“. 

„Alle können helfen“

„Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass ein offenes Gespräch über Suizid, dazu führt, dass Menschen sich das Leben nehmen“, so Christiansen. 

Nach aktuellem Stand der Forschung ist das Gegenteil der Fall: Hat die Person Suizidgedanken, kann ein Gespräch vorbeugen.  

Familienangehörige oder Freundinnen und Freunde sollten sich jedoch vorher innerlich auf dieses einstellen: „Es ist wichtig, darauf vorbereitet zu sein, die Antwort auszuhalten.“

In seinen Ratschlägen betont das Forschungszentrum, dass alle Menschen, die imstande sind, aktiv zuzuhören, helfen können, vorzubeugen. Dies sei nicht nur Professionellen vorbehalten. Es könne jedoch notwendig sein, professionelle Hilfe zu suchen.

Mythen und Fakten über Suizid

Es gibt weiterhin etliche falsche Vorstellungen zum Thema Suizid. Dies trägt dazu bei, dass es weiterhin schwer ist, darüber zu sprechen. 

Das Zentrum für Suizidforschung in Odense räumt in seinem Informationsmaterial mit Mythen und Vorurteilen auf und erklärt die Faktenlage. Das Folgende sind Auszüge aus dem Material:

Mythos: Suizidverhalten wird durch eine alleinstehende Ursache oder ein Ereignis ausgelöst.

Fakt: Das ist falsch. Hintergrund eines Suizids oder Suizidversuchs sind mehrere und häufig komplexe Faktoren. 

 

Mythos: Suizide werden vornehmlich durch Stress ausgelöst.

Fakt: Das ist falsch. Stressreiche Situationen können der letzte Auslöser für eine Suizidkrise sein, doch Stress allein führt nicht zu einem Suizid. Die Ursachen dafür sind komplex.

 

Mythos: Ein Suizid geschieht plötzlich und ohne Vorwarnung.

Fakt: Das ist falsch. Den meisten Suiziden gehen verbale oder verhaltensmäßige Warnsignale voraus. Laut WHO versuchen suizidgefährdete Personen häufig, sich gegenüber der Familie, Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen oder dem Hausarzt zu öffnen. 

 

Mythos: Menschen, die über einen Suizid sprechen, tun es nicht. 

Fakt: Das ist einer der verbreitetsten und gefährlichsten Mythen, da er andeutet, dass die Person Aufmerksamkeit sucht. Menschen, die über Suizidgedanken sprechen, haben ein stark erhöhtes Risiko, sich das Leben zu nehmen.

 

Mythos: Menschen, die versucht haben, sich das Leben zu nehmen, und überlebt haben, werden keinen erneuten Suizid versuchen.

Fakt: Ein vorheriger Suizidversuch ist ein ernstzunehmender Risikofaktor für einen Suizid. Je mehr Versuche, desto größer das Risiko. Erik Christiansen sagt: „Ein Suizidversuch verschiebt die Grenzen sowie die Schmerztoleranz der Person und kann zu unerwünschten Denkmustern führen.“

 

Mythos: Nur Menschen mit einem psychischen Leiden begehen einen Suizid.

Fakt: Das ist falsch. Ein suizidales Verhalten ist Ausdruck tiefer Hoffnungslosigkeit, aber nicht notwendigerweise für ein psychisches Leiden. Krankheiten, wie ein bipolares Leiden, sind jedoch ein großer Risikofaktor. Die überwiegende Mehrheit der Menschen mit einem psychischen Leiden ist nicht suizidgefährdet.

 

Mythos: Suiziden kann nicht vorgebeugt werden.

Fakt: Das ist nachweislich falsch. Vielen Suiziden kann vorgebeugt werden, wenn die Person die richtige Hilfe erhält. 

 

Mythos: Suizide stecken an, und die Medien sollten das Thema daher nicht aufgreifen.

Fakt: DieForschung zeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Berichterstattung in den Medien und der Anzahl an Selbstmorden gibt. Eine schlechte und unverantwortliche Medienberichterstattung kann jedoch zu nachgeahmten Suiziden und Suizidversuchen unter verletzlichen und suizidgefährdeten Menschen führen. Eine gute Medienberichterstattung hingegen, die den Schwerpunkt auf die Prävention selbstschädigenden Verhaltens legt, kann einen vorbeugenden Effekt haben.

Detailiertere Informationen gibt es in der Broschüre „Myter og fakta om selvmordsadfærd“.

Quelle: Center for Selvmordsforskning