Deutsch-dänischer Bahnverkehr

Bis 12. Mai Bus statt Bahn zwischen Tondern und Süderlügum

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Der Triebwagen T4 der NEG Niebüll ist vor 30 Jahren für die private Bahn NVAG in Niebüll gebaut worden. Das in Österreich hergestellte Fahrzeug wird bis zum 12. Mai wegen der nicht betriebsbereiten neuen Sicherheitstechnik zwischen Süderlügum (Sønder Løgum), der deutschen Grenzstation, und Tondern durch Busse ersetzt. Anschließend soll es wieder ohne Umsteigen von Niebüll bis nach Tondern gehen. Weiterhin nicht in Sicht ist der Einsatz der dänischen Triebwagen durchgehend von Esbjerg nach Niebüll.

Transportminister Thomas Danielsen (Venstre) lobt den Start des neuen digitalen Signalsystems auf der Strecke Esbjerg-Tondern – doch der Streckenabschnitt über die deutsch-dänische Grenze ist noch nicht startklar. Reisende erleben seit Monaten verlängerte Fahrzeiten und verpasste Anschlüsse in Niebüll und Tondern.

Der dänische Transportminister Thomas Danielsen (Venstre) hat persönlich per Pressemitteilung die Wiederaufnahme des Zugverkehrs zwischen Tondern, Ripen (Ribe), Bramming und Esbjerg bekanntgegeben. Nach mehrwöchiger Sperrung aufgrund der Inbetriebnahme des modernen digitalen Signal- und Sicherheitssystems ERTMS (European Rail Traffic Management System) auf dem genannten Streckenabschnitt endet der Ersatzverkehr mit Bussen.

Neue Technik noch nicht über die Grenze nutzbar

Allerdings wird in der Pressemitteilung nicht darauf hingewiesen, dass zwischen Tondern und Süderlügum, der Zugverkehr bis einschließlich 12. Mai weiter ruht, weil dort das neue Signalsystem noch nicht in Betrieb gesetzt werden konnte.

Die Reisenden müssen per Bus zwischen Tondern und Süderlügum (Sønder Løgum) fahren. Die Züge der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll pendeln weiterhin nur zwischen Süderlügum und Niebüll (Nibøl).

Bis vor rund zwei Jahren waren die Triebwagen des Typs Lint noch über Tondern hinaus bis Niebüll im Einsatz. Inzwischen ist nach dem Verkauf von Arriva Danmark das Unternehmen GoCollective auf der Strecke nach Tondern im Einsatz. Da Fahrzeugmangel herrscht, sind seit vielen Monaten Triebwagen der NEG Niebüll zwischen Tondern und Niebüll im Einsatz gewesen – wenn nicht wegen Bauarbeiten Busverkehr erforderlich war.

Verlängerte Reisezeiten bis 12. Mai

Konsequenz des Busbetriebs ist, dass in Tondern und Niebüll wegen verlängerter Reisezeiten und geänderter Ankunfts- und Abfahrtszeiten viele Anschlüsse verpasst werden. Reisende sollten sich am besten im Internet, beispielsweise unter bahn.de, über die aktuellen Fahrzeiten informieren. Ohnehin wird bereits seit dem vergangenen Jahr die vor fast 30 Jahren wiedereröffnete deutsch-dänische Westküstenverbindung nicht mehr mit durchgehenden Zügen zwischen Esbjerg und Niebüll bedient. Als Ursachen wurde Fahrzeugmangel beim dänischen Bahnunternehmen GoCollective und im vergangenen Jahr die Brückenschäden an der Strecke im Bereich Uphusum genannt.

Die Reisenden können sich doch auch etwas über Thomas Danielsens „Lobeshymne“ auf die Digitalisierung an der Westküstenbahn wundern, die folgenden Wortlaut hat: „Die neuen Signale sind ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zu einem funktionierenden, effektiven und stabilen Zugverkehr, den die Passagierinnen und Passagiere verdienen. Ich hoffe, diese erleben die Verbesserungen nicht zuletzt in Form von selteneren Verspätungen. Nicht nur aktuell, sondern auch in den kommenden Jahren, wenn weitere Strecken mit digitalen Signalen ausgerüstet werden.“

Diese blauen Schilder sind entlang der digitalisierten Strecke nach Tondern vom staatlichen Infrastrukturunternehmen Banedanmark aufgestellt worden. sie zeigen an, dass nicht mehr nach Lichtsignalen gefahren wird. Moderne Computer und Technik an Bord der Züge steuern den Betrieb – allerdings sind noch Triebfahrzeugführer- und führerinnen an Bord.

Danielsen weist nämlich aber auch darauf hin, dass nach der Inbetriebnahme eine „Einfahrphase“ der neuen Technik folgt. Er bitte deshalb die Reisenden um Geduld, wenn es zunächst noch zu Problemen kommt. Hintergrund sind die Probleme auf anderen neu digitalisierten Strecken.

Keine Angaben zum Einsatz batterieelektrischer neuer Züge

Die Arbeiten an der Bahnstrecke Tondern-Esbjerg sind fertig.

Der Minister äußert sich nicht zu den früheren Plänen, bereits ab 2026 auch auf der Bahn Esbjerg-Tondern-Niebüll neue elektrische Züge mit Batterien einzusetzen. Diese könnten mithilfe der neuen digitalen Signal- und Sicherheitssysteme mit höherer Geschwindigkeit fahren, im Gespräch sind 120 Kilometer pro Stunde. Damit wären Fahrzeitverkürzungen möglich, was die Nutzung der Züge attraktiver machen und mehr Menschen in die mit den neuen Zügen klimafreundlichere Bahn bringen könnte.

„Brechung“ des Verkehrs in Tondern nicht vorgesehen

Die „Brechung“ der Zugverbindung in Tondern steht im Widerspruch zum Verkehrsvertrag Dänemarks und des Landes Schleswig-Holstein mit den beteiligten Bahnunternehmen. Dieser sieht eine durchgehende Verbindung ohne Umsteigen zwischen Niebüll und Esbjerg vor, zum Vorteil der vielen Bürgerinnen und Bürger, die entlang der Westküstenstrecke Urlaubsziele ansteuern oder ab Bramming oder Niebüll Fernverbindungen zum Beispiel von und nach Kopenhagen oder Hamburg nutzen.

Entlang der Strecke sind die Bahnübergänge mit neuen Schrankenanlagen ausgestattet worden, die für mehr Sicherheit auf den die Gleise kreuzenden Straßen sorgen sollen. Die ERTMS-Technik ist auch zwischen Bramming und Lunderskov installiert worden. Dort ist die von Esbjerg kommende Bahn mit der Hauptstrecke von Pattburg (Padborg) nach Fredericia verbunden.

Die gesamte Strecke nördlich und südlich von Tondern hat auch an den Bahnübergänge neue Sicherheitstechnik erhalten. Sie soll Karambolagen von Autos mit den Zügen verhindern, unter anderem durch zusätzliche Schranken.

Keine Museumszüge mehr nach Tondern

Die Eisenbahn-Fachzeitschrift „Jernbanen“ berichtet, dass wegen der Inbetriebnahme der neuen digitalen Technik auf der Westküstenbahn vorläufig keine Museumszüge mehr zwischen Esbjerg und Tondern eingesetzt werden. Sie waren seit Jahrzehnten vom Museumsbahnverein Veterantog Vest des Dansk Jernbane Klubsmit Sitz in Bramming in der Adventszeit in die Wiedaustadt gefahren. Weil die Museumsloks nicht die erforderliche Ausrüstung für die Digitaltechnik besitzen, ist deren Betrieb nach Tondern nicht mehr zulässig.