Kulturtipp

Tønder Festival: Ein kraftvoller Geschichtenerzähler fällt aus, ein anderer kommt

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Erik Koskinen (Foto) ist zwar einige Generationen jünger als Eaglesmith, doch beide erzählen auf authentische Weise von Menschen am Rande der Gesellschaft.

Kanadas Folk-Ikone Fred Eaglesmith kann krankheitsbedingt nicht zum Tønder Festival anreisen. Doch das Ersatzprogramm ist mehr als ein Trostpflaster: Der US-amerikanische Singer-Songwriter Erik Koskinen übernimmt seinen Slot – ist aber eine Klasse für sich.

Wer sich auf Fred Eaglesmiths Auftritt am Donnerstag, 28. August um 17.15 Uhr in Zelt 2 gefreut hatte, muss nun umdisponieren: Aus gesundheitlichen Gründen kann der kanadische Roots-Veteran aktuell nicht fliegen und musste seinen Auftritt kurzfristig absagen, teilt die musikalische Festivalleiterin Maria Theessink mit. Sie und sein Management hoffen auf einen Nachholtermin bei einem künftigen Festival.

Doch statt enttäuschter Leere erwartet das Publikum nun ein Künstler, der bei Kennerinnen und Kennern längst als Geheimtipp gilt: Erik Koskinen – Singer-Songwriter, Multiinstrumentalist und Produzent aus den USA – übernimmt das Set gemeinsam mit dem Bandkollektiv von Jeffrey Foucault. Und das dürfte für einige Festivalgäste zur musikalischen Entdeckung werden.

Koskinen ist kein Lückenbüßer

Fred Eaglesmith hat krankheitsbedingt absagen müssen.

Es handelt sich bei Erik Koskinen mitnichten um einen Lückenfüller – sondern um einen Künstler, der auf seine eigene Art Geschichten erzählt und musikalisch tief in der amerikanischen Roots-Tradition verwurzelt ist. Wer Fred Eaglesmith wegen seiner handgemachten Ehrlichkeit und rauen Authentizität schätzt, dürfte bei Koskinen ebenfalls aufhorchen.

Sein Plattenlabel „Spinout Records“beschreibt ihn folgendermaßen: „Schreibt wie Dylan, sieht aus wie Hank Williams, läuft wie John Wayne, raucht wie James Dean – und spielt wie kein anderer.“

Koskinen ist kein Showman, sondern ein musikalischer Chronist des amerikanischen Lebens abseits der Glitzerwelt. Er wuchs zwischen Colorado, Michigan und dem ländlichen New York auf, arbeitete lange im Baugewerbe und entwickelte parallel seine Musik – er weiß, wovon er singt.

Sein Stil lässt sich schwer in Schubladen pressen: Country, Folk, Blues, Rock und Americana fließen bei ihm organisch ineinander. Dabei ist er nicht der Typ für große Gesten – seine Songs wirken durch ihre Erdung, ihre rhythmische Klarheit und die Beobachtungsgabe eines Songwriters, der zuhört, bevor er dichtet.

Trotz Absage: Hingehen lohnt sich – und wie!

Was ist „Roots-Musik“ – und worin liegt ihre Kraft?

Koskinen ist nicht Fred Eaglesmith. Und das ist auch gut so – denn beide verbindet zwar ihre Verwurzelung im Folk- und Americana-Kosmos, doch ihre Ausdrücke unterscheiden sich:

  • Eaglesmith: ironisch, exzentrisch, ein Performer mit rockiger Attitüde und trockenem Humor
  • Koskinen: ruhig, lakonisch, klar strukturiert – ein Musiker, der mehr mit Tönen und Stimmungen erzählt als mit pointierten Gags

Beide aber eint: Sie erzählen von Außenseitern, Truckfahrern, Arbeitern und verlorenen Lieben. Von den kleinen Dingen, die das Leben ausmachen – und manchmal auch aus den Fugen geraten lassen.

Auch wenn Fred Eaglesmith fehlt – das Herz des Tønder Festivals schlägt weiter. Authentische Roots-Musik, starke Songs, echte Geschichten: Erik Koskinen liefert all das – nur eben anders. Und genau das macht es spannend.

Wer also neugierig auf einen echten Geschichtenerzähler mit musikalischem Tiefgang ist, sollte sich den Termin merken: Donnerstag, 28. August, 17.15 Uhr, Zelt 2.

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