Diese Woche in Kopenhagen

„Yankees kommt nach Skrydstrup“

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Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung das Königreich bedroht, wollen wir Truppen von dort nach Dänemark einladen. Da fragen sich so einige, ob das nun wirklich besonders schlau ist. Walter Turnowsky hat untersucht, welche Argumente dennoch dafür sprechen.

„Yankees go home“ war einst ein populäres Schlagwort in der linken Szene. Die dänische Regierung – und mit ihr eine breite Mehrheit im Folketing – deutet das jetzt in „Yankees come here“ um.

Und mit „here“ ist der Fliegerhorst in Skrydstrup gemeint, wie auch jene in Aalborg und Karup. Ob die Yankees dann auch tatsächlich kommen, ist noch mehr als offen. Nun soll jedoch der Lockruf in Form einer neuen Verteidigungsabsprache nach Washington geschickt werden.

Sie soll es den USA erlauben, Militärausrüstung und Truppen in Dänemark zu stationieren. So ganz neu ist die Absprache nicht; Außenminister Lars Løkke Rasmussen (Moderate) und sein damaliger US-Kollege Anthony Blinken haben sie bereits im Dezember 2023 in Washington unterzeichnet.

Nur hat das Folketing sie bislang weder bestätigt („ratifiziert“ heißt so etwas in der Sprache der internationalen Politik) noch die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen. Das soll vor den Sommerferien passieren; die Abgeordneten haben vergangenen Freitag das Thema erstmals diskutiert.

Warum gerade jetzt?

Da fragen sich so einige (und ich war auch darunter): Warum muss das ausgerechnet jetzt passieren? Als die Absprache unterzeichnet wurde, hat noch der nette, wenn auch etwas vergessliche Onkel Joe das Weiße Haus beherrscht. Jetzt wütet der orangefarbene Rüpel dort.

Also jener, der es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht hat, die herrschende Weltordnung zu zerschlagen, Verständnis für Putin zeigt und Grönland notfalls mit aller Macht annektieren möchte. Und auch jener, der die Nato eigentlich gar nicht so toll findet.

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt wird auch von großen Teilen der Bevölkerung gestellt. In einer Umfrage, die Epinion für „DR“ durchgeführt hat, spricht sich eine Mehrheit von 43 Prozent dagegen aus, dass das Folketing der Absprache zustimmen soll, nur 28 Prozent sind dafür.

Zweifel im Folketing

Die Frage wurde auch bei der Beratung im Folketing gestellt, und zwar nicht nur von den beiden linken Parteien, den Alternativen und der Einheitsliste, die von Anfang an gegen die Absprache gewesen sind. Auch die Konservativen und die Radikalen sind kritisch, was den Zeitpunkt anbelangt, obwohl sie dem Antrag der Regierung zustimmen werden.

Die ehemals friedensbewegte Sozialistische Volkspartei (SF) hat es sich bei der Verteidigungsabsprache nicht leicht gemacht. Auch ihr bereitet der Wüterich in Washington Bauchschmerzen. Am Ende ist Verteidigungssprecherin Anne Valentina Berthelsen zu dem Ergebnis gekommen: gerade jetzt!

„Wenn wir die Absprache ablehnen, unterstützten wir dann eine Entwicklung, die das Verhältnis zu den USA zu einem kritischen Zeitpunkt verschlechtert?“, überlegt sie.

Expertenwarnungen

Sprecherinnen und Sprecher der Regierungsparteien argumentierten ähnlich wie sie. Diese Argumente hätten meine Zweifel an der Weisheit dieser Absprache zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgeräumt. Schließlich ist es mein Job, politischen Aussagen gegenüber kritisch zu sein – auch wenn sie nachdenklich daherkommen.

Doch auch Verteidigungsexpertinnen und -experten befürchten, wir könnten die Vereinigten Staaten von uns stoßen – zu einem Zeitpunkt, an dem der orangefarbene Rüpel und seine Bande ohnehin schon auf dem Weg woanders hin sind – womöglich auf dem Weg raus aus der Nato.

Peter Viggo Jakobsen, Lektor an der Verteidigungsakademie, sagt laut „Politiken“, wir könnten eine Entwicklung unterstützen, die wir nicht wünschen. Doch auch er sieht das Dilemma. Einerseits können wir den USA nicht mehr vertrauen, andererseits sind wir immer noch von ihr abhängig.

Keine ausreichende Verteidigung gegen Russland

Wir können uns nicht ohne die Unterstützung von jenseits des Atlantiks gegen ein aggressives Russland verteidigen. Und hier geht es nicht nur um unser kleines Dänemark, sondern auch um unsere nordischen Nachbarn und die baltischen Staaten, die noch stärker von Putin bedroht sind. Sie alle haben übrigens bereits entsprechende Absprachen mit den USA.

Wir haben uns also die derzeitige Zwickmühle selbst eingebrockt. Europa rüstet jetzt nach, aber bis wir sicherheitspolitisch auf eigenen Beinen stehen können, wird noch einige Zeit vergehen.

Doch genau das muss das Ziel sein. Wir wissen zwar nicht, wie die Situation in den Vereinigten Staaten sich entwickelt. Doch darauf hoffen, dass nach dem Rüpel etwas Besseres kommt, ist keine Strategie. Gerade deshalb müssen wir uns von den USA unabhängig machen.

Doch bis dahin werden wir (vermutlich ab Juni) eine zehnjährige Absprache haben, die es Washington erlaubt, Truppen in den drei Luftwaffenstützpunkten zu stationieren. Ob die Staaten irgendwann dem Lockruf „Yankees come to Skrydstrup“ folgen werden, bleibt fraglich. Derzeit heißt es aus Washington, es gäbe keine aktuellen Pläne.