Wort zum Sonntag

„Wünsche und Hoffnungen sind immer mit Bildern verbunden“

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Zum Ende des Kirchenjahres richten sich Blick und Herz auf das, was uns bewegt: Verlust, Verantwortung, Sehnsucht nach Frieden und die Hoffnung auf Vollendung. Pastor Carsten Pfeiffer führt in seinem Wort zum Sonntag vor Augen, wie alte biblische Bilder neue Kraft schenken können.

Diese letzten Feiertage am Ende des Kirchenjahres haben allesamt nachdenklich machende Themen. Wir gedenken der Kriege und hoffen auf Frieden für die Welt am Volkstrauertag. Wir feiern den Buß- und Bettag, erkennen sündhafte Strukturen, fassen uns dabei selber an die Nase und hoffen auf Gerechtigkeit.

Am Ewigkeitssonntag denken wir an die Verstorbenen und was wir selber hoffen und erwarten dürfen für unser ganz persönliches Leben. Bei all den Feiertagen geht es um Veränderung, die wir von der Gemeinschaft als Christen erwarten dürfen.

Im Alten Testament bei Jesaja 35,5.6 heißt es: „Blinde sehen, Taube hören, Lahme springen wie ein Hirsch.“ Von diesem Propheten kann man nicht sagen, dass er ohne Hoffnung ist. Er redet ja sehr vollmundig von einer Veränderung, von der Zukunft Gottes, von der neuen Erde.

Viele meinen vielleicht: Geht sein großartiges Zukunftsbild von der neuen Welt nicht ein bisschen zu weit: Blinde sehen, Taube hören, Lahme springen wie ein Hirsch. In der Wüste entstehen Teiche, Menschen gehen über herrliche Straßen und haben keine Angst, jauchzen und freuen sich.

Dieses schöne Zukunftsbild macht einen fast etwas hilflos. Da hat ein Mann Gottes vor über 2.000 Jahren einen Wachtraum gehabt. Aber was sollen wir heute damit?

Der Prophet mag vielleicht sehr vollmundig reden, aber mindestens in einem Punkt hat er recht. Wer in die Zukunft hineindenkt, kommt ohne Bilder nicht aus. Das scheint eine Art Lebensgesetz: Wünsche und Hoffnungen sind immer mit Bildern verbunden.

Diese Sätze erinnern an Jesus. Die Evangelien erzählen, dass er diese Weissagung des Propheten erfüllt habe. Als der große Arzt seiner Zeit hat er den Kranken geholfen. Und die Bibel sagt außerdem, dass in den Heilungen, die Jesus durchführt, ein Signal für die Zukunft liegt. Einmal wird es kein Leid mehr geben und kein Geschrei, und Gott wird abwischen die Tränen von allen Menschengesichtern. Diese Hoffnung ist also mit dem Namen Jesu verbunden.

Stellen Sie sich nun das folgende Bild vor: Die Werkstatt eines Bildhauers. Da stehen Statuen. Aber noch unvollendet. Die Gesichter sind nicht fertig geworden. Wir alle sind auf unserem Lebensweg nicht fertig geworden. Der Plan, den Gott hatte, als er uns formte, ist Stückwerk geblieben. Nicht alle Lebensträume konnten in Erfüllung gehen, Lebenspläne konnten nicht ausgelebt werden. Hoffnungen erfüllten sich nicht.

Ich stelle mir vor: Zu Beginn des ewigen Lebens kehrt der Meister in seine Werkstatt zurück und vollendet, was in diesem Leben Bruchstück geblieben ist. Die Bibel sagt es: Es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden.