Diese Woche in Kopenhagen

„Wohin mit dem vielen Geld?“

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Der dänische Finanzminister hat in dieser Woche in Kopenhagen 58 Milliarden Kronen in seiner Haushaltskasse entdeckt. Sein deutscher Amtskollege kann da nur neidisch sein. Walter Turnowsky hat nachgerechnet und kommt zu dem Ergebnis, dass wir uns fast einen ganzen Buß- und Betmonat für das Geld leisten könnten.

Lars könnte in dieser Woche neidisch in die Richtung von Nicolai geschielt haben. Lars heißt mit Nachnamen Klingbeil und ist Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland. Nicolai trägt den Familiennamen Wammen und ist ebenfalls Finanzminister – nur eben im Königreich Dänemark.

Der Grund für den möglichen Neid ist, dass Nicolai in seiner Haushaltskasse 58 Milliarden Kronen entdeckt hat (für Lars und andere: Das sind 7,8 Milliarden Euro). Dem guten Klingbeil geht es da eher wie einem gewissen Meister Röhrich aus den Werner-Comics: Er ist momentan ein wenig klamm bei Kasse.

Fünfte Erhöhung

Ganz überraschend war es für Nicolai nicht, dass da in seiner Schatztruhe noch ein wenig Kleingeld rumlag. Zum einen ist es bereits das fünfte Mal seit 2022, dass er unter den Spinnweben Golddukaten entdeckt hat. Zum anderen hatten ihm bereits im Frühjahr seine Angestellten zugeflüstert, dass es da wohl noch etwas gäbe.

Und so teilte der Finanzminister (also der dänische) bereits im Mai mit, dass der finanzpolitische Spielraum bis 2030 größer werde als bisher angenommen. Zu dem Zeitpunkt wollte er sich jedoch auf keinen Betrag festlegen, sondern beließ es bei einem „um einiges größer“. Seine Leute mussten wohl eben noch einmal das Ganze durchrechnen.

Die defekte Rechenmaschine

Jetzt wirst du (und möglicherweise auch Lars Klingbeil) denken, das ist doch schön, wenn man da in der Schatztruhe noch Geld entdeckt. Doch wie ich bereits in einer früheren Kolumne geschrieben habe, ist das gar nicht so schön. Schön ist dagegen, wenn man im Finanzministerium richtig rechnet.

Unschön ist nämlich, wenn man ein Jahr lang nur Haferbrei isst, um für den Urlaub zu sparen, und sich dann herausstellt, dass auch Spargel, Filet oder sogar Kaviar drin gewesen wären.

Daher soll jetzt auch die Rechenmaschine des Finanzministeriums neu eingestellt werden. Denn insgesamt hat Nicolai in seiner derzeitigen Amtszeit mehr als 100 Milliarden Kronen entdeckt.

Steuererleichterungen und warme Brötchen

Kaum hatte er den jüngsten Fund bekanntgegeben, sprossen auch schon die Ideen, wie man die 58 Milliarden Kronen verwenden könnte. Ein gewisser Ole Birk Olesen meint, die SVM-Koalition solle sie den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Betrieben zurückgeben – Steuern erleichtern also. Olesen wird damit dem „Liberal“ im Namen seiner Partei, der Liberalen Allianz, gerecht.

Pelle Dragsted kommt von der politisch gesehen gegensätzlichen Seite, nämlich von der linken Einheitsliste. Er meint, dass die Regierung der Bevölkerung (also uns) nicht Geld, sondern den Buß- und Bettag zurückgeben sollte. Wobei diese Forderung noch recht gemäßigt ist: Für die 58 Milliarden Kronen könnten wir uns nämlich 19 Buß- und Bettage leisten – und hätten sogar noch etwas Kleingeld übrig.

So viel werden selbst die Gläubigsten unter uns nicht beten. Und allen anderen täten die vielen, mit Butter bestrichenen Weizenbrötchen (varme hveder) nicht gut. Wäre also der Volksgesundheit abträglich.

Geld für Rüstung

Nun hat Wammen auch gleich gesagt, dass das gar nicht in die Tüte kommt – weder die „varme hveder“ noch die Steuererleichterung – zumindest erst einmal nicht. Auf seiner Einkaufsliste stehen nämlich schon einige andere Sachen.

Da wäre schon mal die Rüstung. Die NATO-Staaten haben sich in dieser Woche darauf geeinigt, die Verteidigungsausgaben von 2 auf 5 Prozent zu erhöhen. Davon sollen 3,5 Prozent direkt für die Streitkräfte verwendet werden.

Damit wären 45 der 58 Milliarden Kronen schon einmal weg. Aber immerhin muss dafür keine Kriegssteuer erhoben werden. Und Nicolai muss auch keine Einsparungen durchführen. Auch darum dürfte Lars ihn beneiden.

Wenn die Drohnen, Flugabwehrgeschütze sowie Soldatinnen und Soldaten erst einmal bezahlt sind, stehen noch Klima und Wohlfahrt auf Nicolais Zettel. Da bleibt dann von dem schönen Geld wenig übrig, mit dem Ole und Pelle Geschenke an ihre Wählerinnen und Wähler machen könnten.