Leserinnenbrief

„‚Wo sind die Frauen?‘ Gute Frage!“

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Die Diskussion über Gleichstellung in der Minderheit geht weiter. Randi Damstedt, Stadtratsmitglied für die Schleswigsche Partei in Tondern, macht darauf aufmerksam, dass sämtliche Parteien sich schwer damit tun, Kandidatinnen für die Kommunalwahlen zu finden.

„Mehr Frauen: Wo sind sie?“, fragt Thilo Schlechter in seinem Leserbrief vom 19. März. Eine gute und relevante Frage! Thilo Schlechters Leserbrief ist eine Reaktion auf Anna-Lena Holms Leitartikel „Zu männlich: Minderheit muss ins Gleichgewicht kommen“. Anna-Lena Holm kritisiert in ihrem Leitartikel, dass in der Minderheit Männer in Führungspositionen überrepräsentiert seien oder umgekehrt gesagt: Frauen seien unterrepräsentiert. Anna-Lena Holm weist zu Recht auf das Ungleichgewicht hin, aber Thilo Schlechter hat eine Pointe: Wo sind die Frauen?

Ich sitze für die Schleswigsche Partei (SP) im Tonderner Stadtrat. Der Stadtrat hat 31 Mitglieder, von denen wir neun Frauen sind. Das ist knapp ein Drittel.

Zum Glück sieht es bei der SP im Tonderner Stadtrat besser aus: Wir sind zu viert – zwei Frauen und zwei Männer. Man könnte glauben, dass es dadurch leichter wäre, mehr Frauen zu motivieren, bei der Kommunalwahl zu kandidieren, die in sechs Monaten stattfindet – aber nein.

In Tondern müssen wir feststellen, dass es unter unseren zwölf Kandidaten nur vier Frauen gibt. Thilo Schlechter, Kandidat für die SP in Apenrade, zeichnet in seinem Leserbrief genau das gleiche Bild: Es sei schwierig, weibliche Kandidaten zu finden. Auf der SP-Kandidatenliste in Apenrade gibt es zurzeit sechzehn Kandidaten, davon sechs Frauen. Man könnte vielleicht glauben, dass es ein isoliertes Problem der SP wäre, dass sich so wenige Frauen melden. In den anderen Parteien und in den Stadträten sieht es aber ähnlich aus. Wir spiegeln einfach die Gesellschaft wider.

Wir schreiben das Jahr 2025. Dennoch ist es immer noch so, dass es in Wirtschaft und Politik mehr Männer gibt. Es ist leicht, sie auszuschimpfen und zu behaupten, dass sie die Frauen nicht wollten oder sogar unterdrückten. Solche Fälle gibt es sicherlich – jedoch in geringer werdender Zahl.

In der dänischen Gesellschaft spielt es aber eine – würde ich behaupten – noch größere Rolle, dass viele Frauen sich scheuen. Warum? Ist es wegen Kinderbetreuung, Haushalt und des sogenannten „mental load“? Mangelndes Selbstbewusstsein? Mangelndes Interesse? Tradition? Ich weiß es nicht, aber wie Thilo Schlechter wundere und ärgere ich mich und kann Frauen nur ermutigen, bei der Kommunalwahl im Herbst zu kandidieren! Die politische Arbeit ist spannend, und wir haben ein tolles SP-Team!

Randi Damstedt
SP-Tondern

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