Kommentar

„Wer schnappt sich die Bürgermeisterkette in Apenrade?“

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Bei diversen Wahlveranstaltungen warben die Kandidatinnen und Kandidaten um die Gunst der Menschen.

Am 18. November ist Kommunalwahl. Welche Parteien schneiden gut ab, welche Parteien müssen Federn lassen? Kann die Schleswigsche Partei ihr Ergebnis von 2021 verbessern, und wer wird sich auf den Bürgermeisterstuhl setzen? Eine Wahlanalyse der Lokalredaktion Apenrade/Tingleff.

Die Gemengelage mit einigen neu antretenden Parteien zur Kommunalwahl in Apenrade macht es nicht nur komplizierter, sondern auch schwer vorhersehbar, welche Parteien in welcher Konstellation das Ruder übernehmen werden. 

Ganze 14 statt 11 Parteien – wie 2021 – sind dieses Mal dabei, und es wird spannend, wie viele Stimmen die neuen Parteien den etablierten wegschnappen können. 

Rechtsruck

Gibt es in Apenrade einen Rechtsruck – wie vermutet wird – mit gutem Abschneiden der Dänischen Volkspartei (DF), der Liberalen Allianz und Debütant Dänemarkdemokraten? Sollte das passieren und vor allem DF mit dem neuen Spitzenkandidaten Hans-Christian Gerlevsen zur alten Stärke zurückfinden, würde es Venstre als möglichem Koalitionspartner in die Karten spielen.

Rückkehr ins Bürgermeisteramt

Venstre-Spitzenkandidat Thomas Andresen strebt eine Rückkehr auf den Bürgermeisterposten an, den er bis zur Wahl 2021 bereits acht Jahre bekleidete, dann aber vom jetzigen Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Konservative) abgelöst wurde. Mit DF hatte sich Venstre bei der vorherigen Wahl verbündet. Das schlechte Abschneiden von DF (2 Mandate) verhinderte letztlich aber eine Titelverteidigung von Andresen, der das beste Einzelergebnis erzielte und auch mit seiner Partei (11 Mandate) am besten abschnitt. 

Trotzdem bekam Jan Riber Jakobsen (4 Mandate) die Bürgermeisterkette umgehängt, dessen Partei auf eine Allianz mit den Sozialdemokraten (9 Mandate), SF (1), der zwischenzeitig aufgelösten Partei Neue Bürgerliche (2) sowie der Schleswigschen Partei (2) bauen konnte. Die Sozialdemokraten waren in diesem Bündnis die stärkste Partei, überließen aber dem konservativen Politiker den Bürgermeisterposten, um Thomas Andresen vom Thron zu stoßen. Ob Jan Riber Jakobsen erneut auf dem Bürgermeisterstuhl Platz nehmen kann, hängt in hohem Maße von seinem und dem Abschneiden seiner Partei ab, denn die Sozialdemokraten mit Erik Ulldal Hansen zielen ihrerseits auf das Bürgermeisteramt ab.

Kleine Parteien mit Einfluss

Für die Schleswigsche Partei, die zwei Mandate als Minimumziel hat und damit den Status quo halten würde, heißt es dabei, sich für eine Seite festzulegen. Maßgabe für die Partei der deutschen Minderheit ist dabei immer eine möglichst breite Konstituierung. 

Es könnte aber auch dazu kommen, dass die SP oder eine andere Partei, womöglich eine Premierenpartei wie Radikale Venstre, Die Moderaten oder Dänemarkdemokraten, das Zünglein an der Waage werden und die Bürgermeisterfrage entscheiden. Bei einer Pattsituation wäre Erwin Andresen als SP-Bürgermeisterkandidat bereit, ähnlich wie es in Tondern Jørgen Popp Petersen getan hat, den Stadtrat zu vereinen und das Bürgermeisteramt zu übernehmen.

Zünglein an der Waage

Eine weitere Unbekannte im Wahl-Spiel ist die neu gegründete Bürgerlokalliste (Borgernes Lokalliste) von Jan Køpke Christensen. Der Loiter konnte Wählerinnen und Wähler bisher noch immer überzeugen und schaffte es in den Stadtrat – zuletzt für die Neue Bürgerliche. Wenn ihm das auch dieses Mal wieder gelingt und das rechte Lager sich vergrößert, ist spannend, ob er sich auf die Seite von Venstre schlägt, was wahrscheinlich ist – doch Køpke Christensen ist immer für eine Überraschung gut und schaut gerne in Richtung einer Mehrheit, mit der er regieren kann. 

SP als Bürgermeistermacher

Sollte Venstre mit Thomas Andresen an der Spitze die Macht übernehmen, bleibt schließlich die Frage, welche Rolle die Schleswigsche Partei spielen wird und spielen kann. Wird Venstre es der SP nachsehen, dass sie sich bei der vorherigen Wahl auf die Seite der Sozialdemokraten und Jan Riber Jakobsen geschlagen und den Bürgermeisterwechsel mit bestimmt hat? SPler Erwin Andresen hat als Vorsitzender des Hafens wichtige Akzente setzen können. Das ist auch Thomas Andresen nicht entgangen. Man darf gespannt sein, was am Wahlabend und in der Nacht herauskommt.