Diese Woche in Kopenhagen

„Wenn der Kaiser den Hund beißt“

Veröffentlicht

Am Sonnabend hat „Der Nordschleswiger“ über den Vorschlag, eine Kaiser-Statue aufzustellen, berichtet. Kopenhagen-Korrespondent Walter Turnowsky gewährt einen Blick hinter die Kulissen und erzählt, wie es zu dem Artikel kam – und was er mit Hunden zu tun hat.

Am Mittwochmorgen erreichte mich eine SMS des Abgeordneten der Dänischen Volkspartei, Peter Kofod, er habe eine Idee für eine Story. Als Köder fügte er noch hinzu, dass er meine, das Ding könne Diskussionen auslösen.

Nun soll man selbstverständlich nicht alles sofort kaufen, was einem am politischen Nachrichtenmarkt so angeboten wird. Die Damen und Herren machen diese Angebote ja nicht, ohne auch an den Nutzen für sich zu denken.

Wenn wir als Journalistinnen und Journalisten einschätzen sollen, ob so etwas tatsächlich eine Nachricht ist, benutzen wir die Regel mit dem Hund. Sie besagt: „Hund beißt Mann“, ist keine Nachricht (auch dann nicht, wenn es eine Frau ist); schon aber „Mann beißt Hund“. Obwohl ich im Namen meines Berufsstandes gestehen muss, dass es schon so einige politische Hund-beißt-Mann-Storys in die Spalten schaffen.

Ein Kaffee und eine Idee

Nun ja, dachte ich mir: Anhören kostet ja bis auf ein wenig Arbeitszeit nichts. Außerdem konnte ich mir so erst einmal ersparen, einen Kaffee zu kochen, denn der wird einem eigentlich immer angeboten.

Als Kofod mir dann erzählte, dass er den guten Kaiser Wilhelm I. mitten in Hadersleben aufstellen wollte, war klar, hier waren wir bei Mann-beißt-Hund. Dass der Mann obendrein blaues Blut in den zu Metall erstarrten Adern hatte, machte ja die Story nicht unbedingt schlechter.

Eine nicht beerdigte Story

Allerdings kann auch eine Mann-beißt-Hund-Nachricht so unseriös sein, dass man sie nicht unbedingt bringen sollte. Das gilt meines Erachtens für eine andere politische Nachricht, die in dieser Woche die Runde machte. Der sozialdemokratische Abgeordnete Anders Kronborg will Wölfe von Jütland nach Fünen und Seeland umsiedeln.

Wie ein Experte trocken anmerkte: Das kann man machen, nur wird man dadurch die Wölfe in Jütland nicht los. Es ziehen einfach neue nach. Und damit hätte die Story eigentlich beerdigt werden können, anstatt noch weitere Politikerinnen und Politiker dazu zu befragen.

Eine Diskussion über Geschichte

Doch zurück zu unserem Kaiser. Die Kofod-Idee hat auch so ein wenig etwas vom Wolf-Vorschlag an sich. Ich erlaube mir mal anzunehmen – ohne ihm zu nahe treten zu wollen -, dass er auch nicht selbst ernsthaft daran glaubt, dass der Preußen-Kaiser demnächst den Haderslebener Südermarkt schmücken wird.

Wie der rechte Politiker bereits in seiner SMS schrieb, geht es ihm darum, eine Diskussion anzuzetteln. Und da bin ich dann schon eher mit dabei.

Ein neuer Ansatz zum Gedenken

Denn gerade die Diskussion, wie man mit Geschichte und Denkmälern umgeht, ist ja in der Minderheit nicht unbekannt. So ist zum Beispiel der Ehrenhain am Knivsberg seit 2012 nicht mehr der Ehrenhain, sondern die Gedenkstätte. Auch hat der Bund Deutscher Nordschleswiger einige der Namen entfernt, nachdem sich herausgestellt hat, dass die Personen Kriegsverbrecher waren.

Mittlerweile sieht man beim BDN die Sache mit dem Entfernen von Namen etwas anders. Zum Beispiel wurde das Langbehn-Haus 2021 in Haus Knivsberg umbenannt, doch ist der ursprüngliche Name weiterhin hinter der durchsichtigen Platte mit dem neuen zu erkennen.

Geschichte soll nicht gelöscht werden, sondern zum Nachdenken anregen, so die heutige Position der Minderheit. (Problematische) Denkmäler werden in Lernorte umgewandelt.

Ein beißender Kaiser?

Kofods Anliegen ist – nach seiner Aussage – ein ähnliches, wenn auch er es in klassischem DF-Stil provokant umsetzt. Die Diskussion darüber ist wertvoll; und Diskussion bedeutet ja übrigens, dass man gerade nicht unbedingt mit ihm einig sein muss.

Deshalb kannst du die Geschichte über den Kaiser im „Nordschleswiger“ lesen, auch wenn er meines Wissens nie einen Hund gebissen hat. Sollte es sich herausstellen, dass dies doch der Fall ist, verspreche ich, dass ich es dir sofort berichten werde.