Diese Woche in Kopenhagen

„Was Grönländisch im Folketing mit zweisprachigen Ortsschildern zu tun hat“

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In dieser Woche gab es im dänischen Parlament einen historischen Moment: Erstmalig hat eine Abgeordnete Grönländisch mit Simultanübersetzung gesprochen. Der Widerstand gegen diese Regelung hat auch einiges mit Diskussionen im Grenzland zu tun. Das meint zumindest Walter Turnowsky.

Viele werden das Gefühl kennen: Man befindet sich in Aarhus, Kopenhagen oder Odense – wohnt vielleicht dort – und hört plötzlich hinter sich jemanden „Sønderjysk“ sprechen. Man dreht sich unwillkürlich um und spürt so ein angenehmes Gefühl im Körper – es dürfte wohl Heimatgefühl sein.

Mir ergeht es auch bei einer weiteren Sprache so, nämlich Grönländisch. Seit ich einige Jahre in dem arktischen Land gelebt habe, bekomme ich auch dieses Gefühl, wenn ich den ganz eigenen Klang des Kalaallisut höre.

So erging es mir auch, als in dieser Woche die Abgeordnete Aki-Matilda Høegh-Dam im Folketing in ihrer Muttersprache redete. Daher machte es mir auch nichts aus, dass bei diesem erstmaligen Versuch die Simultanübersetzung zunächst den Abgeordneten vorbehalten war. Obwohl ich Grönländisch nur spärlich verstehe, konnte ich einfach den Klang genießen.

Widerstände gegen Grönländisch

Auch Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) fand es gut, dass jetzt im Folketing Grönländisch (und im Prinzip auch Färöisch) gesprochen werden kann. Weniger gut fand es die Vorsitzende der Dänemarkdemokraten, Inger Støjberg, die es als „Zirkus“ bezeichnete.

Es war nicht das erste Mal, dass Høegh-Dam im Folketing Grönländisch gesprochen hat, aber es ist das erste Mal, dass ihr der Parlamentsvorsitz Simultanübersetzung zur Verfügung stellte.

Der Weg dorthin war holprig. Als sie es im Mai 2023 erstmalig und unangekündigt tat, herrschte helle Aufregung im Plenarsaal – und zwar quer durch die Parteien. Selbst der Sprecher der Sozialistischen Volkspartei, Karsten Hønge, regte sich damals darüber auf.

Eine Fachjury der Organisation „Danske Taler“ hat die Rede zur „Rede des Jahres“ gekürt. Indem sie die Rede in einer Sprache gehalten habe, die die Mehrheit der Folketingsmitglieder nicht verstehe, habe sie für eine Entfremdung gesorgt, die viele Grönländerinnen und Grönländer erleben, wenn über ihr Land auf Dänisch diskutiert werde, lautete die Begründung der Jury.

Halbe Lösung

Der Vorsitz des Folketings gestattete nach dieser Rede, dass Grönländisch gesprochen wird, aber die Abgeordnete musste das Gesagte auf Dänisch wiederholen – und bekommt einen Zuschuss für die Übersetzung. Eine eigentliche Dolmetscher-Regelung sei zu teuer (wobei im grönländischen Parlament alles simultan gedolmetscht wird).

Høegh-Dam bestand dann bei der diesjährigen Eröffnungsdebatte darauf, nur in ihrer Muttersprache zu sprechen, händigte jedoch die Rede auf Dänisch ihren Kolleginnen und Kollegen aus. Der Vorsitz entschied daraufhin, dass man keine Fragen an sie zulassen wollte.

Bei der Fragestunde am Dienstag hatte der Vorsitz dann eingelenkt und als Versuch die Simultanübersetzung zugelassen. Für Støjberg war das ein Unding: Das Folketing sei das dänische Parlament und hier spreche man Dänisch, wetterte sie. Dabei übersieht sie geflissentlich, dass es das Parlament des Königreichs Dänemark ist, das nun mal auch Grönland und die Färöer umfasst. In beiden Ländern ist die eigene Sprache die einzige offizielle Sprache.

Die zweisprachigen Ortsschilder

Jetzt ist die Frage, ob die Diskussion über Grönländisch im Folketing auch nur irgendeine Bedeutung für Nordschleswig hat? Mehr, als man vielleicht unmittelbar denkt.

Meiner Ansicht nach speist sich der Widerstand gegen die zweisprachigen Ortsschilder aus derselben Quelle, wie der Widerstand gegen Grönländisch im Plenarsaal.

So wie man auch nicht richtig wahrhaben will, dass in Teilen des Königsreichs eine andere Sprache und Kultur vorherrscht, wird von einigen auch immer noch ausgeblendet, dass es in Nordschleswig schon immer Menschen gegeben hat, die Deutsch als Muttersprache haben.

Sicherlich spielt die besondere Grenzlandgeschichte von Düppel (Dybbøl) über die Grenzziehung 1920 bis zum Zweiten Weltkrieg eine nicht ganz unwesentliche Rolle für die Diskussion in Nordschleswig.

Aber der Gedanke, dass Dänemark dänisch und nur dänisch sein soll, spielt auch mit. Doch wie die Entwicklung im Folketing zeigt, kann diese Vorstellung schon einmal von der Wirklichkeit eingeholt werden. Vielleicht gilt das ja auch eines Tages für die Ortsschilder.