Leserbrief

„Vor Ort Verantwortung leben“

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Stephan Kleinschmidt, Kandidat für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger

Stephan Kleinschmidt würdigt die Erweiterung der Sprachencharta als längst überfälligen Schritt. Für den künftigen BDN-Hauptvorsitzenden oder die künftige BDN-Hauptvorsitzende sieht er die wichtige Aufgabe, den Dialog mit den Kommunen zu stärken und die praktische Umsetzung der Rechte vor Ort voranzutreiben.

Mit der Übernahme von elf zusätzlichen Verpflichtungen aus der Sprachencharta setzt die dänische Regierung ein wichtiges Signal. Dieser Schritt ist auch das Ergebnis des langjährigen Engagements des BDN. Dafür vielen Dank. Nach Jahren mit nur dem Mindestumfang an Verpflichtungen ist das ein überfälliges Aufholen im europäischen Vergleich. Doch wie Gwyn Nissen in seinem Leitartikel richtig feststellt: Entscheidend ist nicht, was beschlossen wird, sondern was im Alltag ankommt. Die Sprachencharta wirkt nicht in Kopenhagen, sondern in Apenrade, Tondern, Hadersleben und Sonderburg. Dort müssen die neuen, wie die bestehenden Verpflichtungen mit Leben gefüllt werden.

Aus über 20 Jahren kommunalpolitischer Arbeit im Stadtrat für die Schleswigsche Partei weiß ich, dass Umsetzung Strukturen, Verlässlichkeit und kontinuierlichen Dialog zwischen Minderheit, Politik und Verwaltung braucht. Sonderburg war über Jahre phasenweise ein Positivbeispiel. Seit 2018 gibt es dort einen kommunalpolitischen Kontaktausschuss für die deutsche Minderheit, der die Stadtratsarbeit der SP durch eine enge Zusammenarbeit auf Arbeitsebene ergänzt. Er dient als wichtige Plattform für minderheitenpolitische Anliegen – darunter auch für die Umsetzung der Verpflichtungen aus der Sprachencharta. Das zeigte sich konkret: Deutsche Schulen wurden bei der Nutzung kommunaler Sportanlagen gleichgestellt. Auch die räumliche Entwicklung der deutschen Kindergärten wurde konstruktiv und verlässlich unterstützt. Das Deutsche Museum erhält Zuschüsse, und der Sozialdienst Nordschleswig wird dauerhaft gefördert. Diese Beispiele stehen für Dialog, Vertrauen und klar übernommene kommunalpolitische Verantwortung.

Damit die neuen Verpflichtungen in allen Kommunen greifen, braucht es flankierende Unterstützung – auch durch den BDN. Ich sehe dies ausdrücklich auch als klaren Arbeitsauftrag an den kommenden Hauptvorsitz: Bedarf und Interessen sichtbar zu machen, das Bewusstsein für den Mehrwert der Sprachencharta zu stärken und die Kommunen praktisch zu begleiten. Denkbar wären kommunale Begleitausschüsse – vor Ort oder kommunalübergreifend. Denn es liegt auch an uns, dass Sprachenrechte in unserem Alltag spürbar werden.

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