Wort zum Sonntag

„Sturmstillung – eine Geschichte vom Gottvertrauen“

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Hauke Wattenberg appelliert in seinem Wort zum Sonntag dafür, in den stürmischen Zeiten, die unsere Welt derzeit erlebt, lieber mal das Smartphone wegzulegen und einen Spaziergang zur nächsten Kirche zu machen, um Kopf und Seele durchzupusten.

Ihr kennt die Geschichte: Sie rudern über den See Genezareth – der See ist ungefähr so groß wie die Sonderburger und Geltinger Bucht zusammen –, und ein Windwirbel fegt über das Wasser. Jesus schläft nach einem anstrengenden Arbeitstag in aller Seelenruhe im Heck des Bootes. Als die Wellen ins Boot schlagen, wecken sie ihn. Er schaut sie müde an, sagt: „Kinders, was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?!“, besänftigt den Wind zur Flaute und schläft in aller Seelenruhe weiter.

Ich nehme das Stichwort auf: „Windwirbel“. Vielleicht sollte man aktuell und dem Ernst der Lage angemessener von Wirbelwinden sprechen: Einmal die physischen Stürme, verstärkt noch durch den Klimawandel. Und zweitens auch im übertragenen Sinne etwa den Wirbelwind im Weißen Haus, der über Grönland auch unser stilles Dänemark erreicht hat.

Was würde Jesus heute tun? Ich vermute: Er würde genauso wie damals nach einem anstrengenden Arbeitstag in aller Seelenruhe schlafen. Weil ich aber anders als seine damaligen Jünger die Geschichte der Sturmstillung bereits kenne, würde ich freundlicherweise nicht ihn, sondern zuerst einmal mein Gottvertrauen wecken. „Jesus“, würde ich still für mich beten, „nirgendwo steht geschrieben, dass unsere Welt einfach sein muss. Spiegelglatte See, Wohlstand und Sicherheit können wir uns wünschen, doch diese Welt ist nun einmal Welt und nicht Paradies. Lehre uns zuerst, das zu akzeptieren. Und dann stärke uns angesichts der vielen Stürme den Rücken. Wir sind in deiner Hand, und mit dir werden wir bestehen, was auch immer kommen mag.“

Zum Schluss noch: Es gibt in unseren sozialen Medien viele Gruppen, die unsere Sorgen um die Welt zunächst aufnehmen, uns dann in den Sorgen bestärken und schließlich in den Sog der Angst hineinziehen. Wenn ihr die Tendenz merkt: „Die Welt da draußen ist böse, und wir hier in unserer Gruppe sind die Guten und die Einzigen, die das durchschauen, und wir haben Fakten, die sonst keiner kennt“ – dann seid skeptisch, schließt das Smartphone, macht lieber einen Spaziergang zur nächsten Kirche und lasst euch Kopf und Seele durchpusten.

Herzliche Grüße aus Sonderburg

Hauke Wattenberg