Gastkommentar

„Stecker ziehen und auch Nein sagen“

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Zwischen Plätzchenduft und Konzertbesuchen geraten viele an ihre Belastungsgrenzen – andere fühlen sich in der trubeligen Adventszeit besonders allein. Warum ein beherztes „Nein“ oft das beste Geschenk ist, erklärt Büchereidirektorin Claudia Knauer im Gastkommentar.

Alle Jahre wieder – Weihnachten kommt schneller als man denkt. Die Einladungen, nun dieses Jahr doch endlich mal zusammen einen der schönen Weihnachtsmärkte zu besuchen oder zusammen Plätzchen zu backen oder die Konzerte der Jahreszeit zu besuchen, häufen sich bei den einen. Die anderen sitzen da und fühlen sich allein oder sogar einsam.

Die Adventszeit ist nicht nur gemütlich, lieblich und schön, sondern zuzeiten auch eine Herausforderung. Sei es, weil so viele an einem zerren – das gilt insbesondere für Mütter mit Kindern – oder weil keine/r da ist, der zusammen feiern möchte. Sei es, weil die Geschenke eingekauft werden sollen und das Geld vielleicht nicht reicht. Sei es, weil man gar keine Idee hat, was zu schenken ist, obwohl man es doch gerne nett machen möchte. Nicht jedem/jeder ist mit dem Geschenkegen gesegnet. Sei es, weil ein Plätzchenteller mit sieben Sorten erwartet wird (oder man denkt, dass es erwartet wird – das ist ein Unterschied!) und man doch kein Bäcker ist. Sei es, weil ein Festmenü kreiert werden muss, obwohl man doch keine Heldin am Herd ist.

Was tun? Nein sagen. Wer keine Bäckerin ist, kann das vielleicht an den Opa delegieren, der mit den Kindern Teig ausrollt, aussticht und verziert. Wer keine Kinder bespaßen muss, kann auch einfach Kekse kaufen. Es gibt da ganz wunderbare Angebote.

Wer keinen Sinn für Geschenke hat, fragt einfach, was sich das Gegenüber wünscht.

Wer nicht auf Weihnachtsmärkte gehen will und keinen Punsch resp. Gløgg mag, der/die bleibt einfach zu Hause. Ich habe alles Verständnis dafür.

Alle sollten ein Auge auf die haben, die viel allein sind. Eine Einladung zu einer Tasse Tee oder das Angebot, doch gemeinsam zum Konzert oder in den Gottesdienst zu gehen, ist keine große Sache – für den/die, der/die Überschuss hat. Für das Gegenüber kann es einen Riesenunterschied machen.

Es ist nicht Sinn der Sache, dass man sich durch die Adventszeit hetzt. Also: Stecker ziehen, Kerze anzünden, durchatmen und mal gar nichts machen. Das gibt, wenn es gut läuft, wieder genug Kraft, um für den/die andere/n da zu sein. Das kann nur, wer Energie hat. Wer sich auslaugt, weil man glaubt, einem, in Zeitungen, Fernsehen oder im persönlichen Gespräch, gezeichneten Idealbild einer Weihnachtszeit entsprechen müssen, schadet nur sich und anderen. Also: Auch mal Nein sagen.

Frohen ersten Advent.

Die in diesem Gastkommentar vorgebrachten Inhalte sind nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.