Leitartikel

„SP in Apenrade: Vom Sorgenkind zum Joker“

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Mit Erwin Andresen und Kurt Asmussen auf dem Stimmzettel geht die Schleswigsche Partei gestärkt in den Wahlkampf. Aber für die SP bleibt noch viel Arbeit, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Vor einigen Wochen war die Kommune Apenrade bei der Schleswigschen Partei noch das Sorgenkind: Aus dem Spitzenteam der vorherigen Kommunalwahl hatten die beiden Stadträte Kurt Asmussen und Erwin Andresen sowie Käthe Nissen ernsthaft in Erwägung gezogen, bei der Kommunalwahl im November nicht zu kandidieren.

Auch Thore Naujeck und Katharina Kley, die beide aus der Kommune weggezogen sind, fehlen bei der bevorstehenden Wahl auf dem Stimmzettel. Es drohte in Apenrade der Super-GAU und der Verlust von vielen Stimmen und im schlimmsten Fall vielleicht sogar von einem Mandat.

Nach Kurt Asmussen haben nun auch Erwin Andresen und Käthe Nissen ihre Zusage gegeben, doch noch ein weiteres Mal anzutreten. Die Erleichterung bei der SP ist spürbar groß.

Die routinierte Doppelspitze steht, und der Stimmzettel im Parteisekretariat füllt sich langsam mit Kandidatinnen und Kandidaten. Die Wahl kann also kommen, auch in Apenrade. Die Chance, die beiden Mandate zu halten und diesmal vielleicht sogar das dritte zu holen, ist wieder intakt.

Vor allem, wenn Erwin Andresen noch einen obendrauf legt und vom Spitzenkandidaten zum Bürgermeisterkandidaten mutiert. Jørgen Popp Petersen hat es in Tondern (Tønder) bei der Wahl 2021 vorgemacht und erstmals in neuerer Zeit den Bürgermeisterposten für die SP gewonnen. Die Voraussetzungen in Apenrade sind ebenfalls da, wenn auch die Politik im Apenrader Stadtrat nicht ganz so zerstritten ist wie damals an der Westküste:

Jan Riber Jakobsen von den Konservativen will weiterhin den Bürgermeister machen, Venstres Thomas Andresen will zurück ins Amt, und Erik Uldall von den Sozialdemokraten möchte dieses Mal auch mitmischen. Und wenn drei sich streiten …, macht das vielleicht den Weg frei für den Joker, einen in der Apenrader Politik angesehenen und anerkannten Politiker wie Erwin Andresen.

Es bleiben aber noch einige grundlegende Probleme für die SP: die Stadt Apenrade, die Nachfolge und die fehlende(n) Frau(en) im Spitzenteam.

Käthe Nissen kandidiert zwar wieder, aber diesmal eben nicht an der Spitze. Auch andere Frauen haben sich bereitgestellt, aber wer von ihnen geht mit ins Spitzenteam? Oder muss die SP sich noch auf die Suche begeben?

Dann ist da noch das „Problem Apenrade“: Es fehlt für die Kandidatur eine Person, die aus der Stadt stammt. Die Lücke füllt jetzt Jan Breitenkamp Hansen aus, aber die SP braucht in Apenrade wieder einen „bekannten Namen“.

Schließlich muss sich die SP in Apenrade auch um die Zukunft kümmern: Wer übernimmt nach Erwin Andresen und Kurt Asmussen? Wo ist die nächste Generation, die die deutsche Minderheit in Apenrade vertreten soll?

Es bleibt also noch viel Arbeit für die Schleswigsche Partei in Apenrade – trotz der Erleichterung.