Wort zum Sonntag

„Sommerfreuden“

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Ein Lied aus dem 17. Jahrhundert, ein Spaziergang mit dem Handy – und eine Einladung, das Gute wieder bewusster wahrzunehmen. Pastor Jonathan von der Hardt schreibt über Sommerfreuden in schwierigen Zeiten.

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben.“ So hat Paul Gerhardt 1653, sieben Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges gedichtet. Und er zählt dann im Einzelnen die vielen schönen Gottesgaben auf, an denen wir uns im Sommer freuen können. Das geht so über sieben Liedstrophen, dann wird das Lied innerlich.

Mich beeindruckt an diesem Lied immer wieder neu, dass ein Mensch, der die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erlebt hat, der früh seine Eltern verloren hatte, und dem später mehrere Kinder früh starben, so seine Freude an der Schönheit des Sommers behalten und es in so ausdrucksvollen Versen niederschreiben konnte. Vielleicht hat diese Fähigkeit, sich dankbar an der Natur zu freuen, auch etwas damit zu tun, dass die Menschen damals für ihre Ernte noch ganz anders als wir heute vom Wetter abhängig waren? Damit aber wurde alles, das Gute, aber auch das Schlechte, ganz anders aus Gottes Hand hingenommen.

Und wie gehen wir mit dem Guten, aber auch dem Schlechten um, das uns begegnet? Wir gehen zurzeit in der Welt durch unruhige Zeiten, doch ich glaube, wir stehen angesichts der verstörenden Bilder aus aller Welt in der Gefahr zu vergessen, dass wir hier in Dänemark bei aller Unruhe in der Welt in Frieden leben. Wir haben allen Grund, dankbar zu sein für die Schönheiten des Sommers. Vielleicht hilft es gegen negative Gedanken, sich bei einem Sommerspaziergang mal bewusst aufzuschreiben, was alles Schönes zu sehen ist. Oder es mit dem Handy zu fotografieren. Und die ganz unkonventionellen Sommergenießer nehmen vielleicht das Evangelische Gesangbuch mit hinaus in die Natur. „Geh aus, mein Herz“, findet sich unter Nummer 503.

Einen richtig schönen Sommer wünscht euch euer Pastor Jonathan von der Hardt aus Süderwilstrup.

Pastor Jonathan von der Hardt
Süderwilstrup