Gastkommentar

„Sag doch einfach mal wieder ,Mojn’“

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Ein „Mojn“ ist keine Zierde, sondern ein Zeichen von Respekt – und gerade das geht in der digitalen Kommunikation oft verloren, kommentiert Christian Flader vom Deutschen Jugendverband für Nordschleswig.

Du kennst das: Eine WhatsApp-Nachricht ploppt auf. „Bringst du heute Abend den Beamer mit?“ Kein „Hallo“. Kein „Mojn“. Kein „Wie geht’s?“ – nicht mal dein Name. Nur der Auftrag. Zack. Direkt in den Kalender, ohne Umschweife, ohne Anstand.

Früher hätte man gesagt: „Das ist aber unhöflich.“ Heute heißt es: „Na komm, wir haben doch keine Zeit für Förmlichkeiten.“ Aber ist das wirklich so? Fehlt uns die Zeit – oder fehlt uns einfach der Wille zur Höflichkeit?

Stell dir vor, jemand steht plötzlich in deinem Flur, ruft in die Küche: „Wo ist der Kaffee?“ Ohne Begrüßung, ohne ein freundliches Wort. Du würdest wahrscheinlich erst mal blinzeln und dich fragen, ob du in einer schlechten Komödie gelandet bist. Genau so fühlt sich eine Nachricht ohne Begrüßung an. Nur, dass es leider kein Gag ist – sondern Alltag.

Ein „Mojn“ ist keine Zierde. Es ist ein kleines Zeichen von Respekt. Es ist die sprachliche Variante des Anklopfens. Wer darauf verzichtet, spart nicht Zeit, sondern Wärme. Und das macht einen Unterschied, ob im Kollegenkreis, im Verein oder im Familienchat.

Viele Nachrichten klingen inzwischen wie Bestellzettel: „Machst du das?“ „Schickst du mir das?“ „Bis wann ist das fertig?“ Der Ton ist sachlich, effizient – und seelenlos. Wenn man Glück hat, kommt am Ende noch ein Daumen hoch. Wenn man Pech hat, nicht mal das.

Zwischen Bequemlichkeit und Beziehung

Das ist kein Weltuntergang, gewiss. Aber es ist ein schleichender Wandel. Und wer hinsieht, erkennt: Da verändert sich gerade etwas im Umgang miteinander. Wir schreiben zwar ständig – aber reden immer weniger miteinander. Und aus freundlicher Kommunikation wird bloßer Austausch von Informationen.

Du denkst jetzt vielleicht: „Stell dich nicht so an, Christian, ist doch nicht böse gemeint.“ Ja, mag sein. Aber es fühlt sich eben anders an. Weil Kommunikation nicht nur aus Inhalten besteht, sondern auch aus Gesten. Ein „Mojn“ ist so eine Geste. Es sagt: Ich sehe dich. Ich nehme mir einen Moment für dich – bevor ich mit der Tür ins Haus falle.

Und das, ganz ehrlich, tut nicht weh. Im Gegenteil: Es tut gut.

Also schreib doch wieder „Mojn“. Sag „Hallo, Klaus – kurze Frage“. Nimm dir zwei Sekunden. Nicht, weil es höflich ist, sondern weil es menschlich ist. Und weil ein bisschen Menschlichkeit zwischen all den To-do-Listen, Links und Gruppen-Nachrichten nicht nur schön wäre – sondern dringend nötig.

Denn du bist kein Roboter. Und dein Gegenüber auch nicht. Und wer „Mojn“ sagt, bekommt vielleicht kein schnelleres Ergebnis – aber garantiert ein besseres Miteinander.