Leserbrief

„Planungswahn bei der Deutschen Bahn und DSB“

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Paul Sehstedt aus Apenrade schlägt vor, das Tingleff (Tinglev) zukünftig Stopp für internationale Züge wird.

Vollmundig propagiert die bundesdeutsche Politik: „Mehr Güter auf die Schiene“, doch die praktische Umsetzung hinkt weit hinter den Ankündigungen und den internationalen Partnerschaftsverträgen her. In einer Artikelserie informiert „Der Nordschleswiger“ über die Verzögerung des deutschen Anschlussstückes an der Fehmarnbeltverbindung und dieser Skandal ist einer von mehreren, die die Deutsche Bahn plagen: Der Nordzulauf zum Brennerbasistunnel wird auf deutscher Seite seit 30 Jahren diskutiert, aber noch liegt kein Beschluss vor, während Österreich sowie Italien schon fleißig am Graben und Bohren sind. Das Großprojekt Stuttgart 21 gerät regelmäßig wegen Verzögerungen in die Schlagzeilen, und auch im Rheintal stehen Umbauten an, um die anwachsende Gütermenge bewältigen zu können.

Nordschleswig ist direkt von dem zähnen Bearbeitungsvorgang der Bundesbahnbehörde betroffen, weil die vorgesehene Entlastung des westdänischen Schienennetzes ab 2029 erst Jahre später kommen wird. Frühestens 2032 ist der deutsche Teil fertiggestellt und kann dann die schweren Güterzüge in Richtung skandinavische Halbinsel an Jütland und Fünen vorbeileiten. Derzeit fahren im Durchschnitt 89 Züge täglich durch Tingleff; 48 davon sind Personenzüge.

Mit der Inbetriebnahme der Fehmarnbeltverbindung werden voraussichtlich 26 Güter- und 12 Personenzüge weniger durch Tingleff rauschen. Die Letzteren bedienen die Direktverbindung zwischen Kopenhagen/Stockholm und Hamburg. Im DSB-Hauptquartier verstehen die Planer nicht, dass auch Jütland und Fünen Direktanbindungen brauchen, um den internationalen Schienenverkehr für dänische Reisende attraktiv zu machen. DSB muss ganz einfach die Wünsche der Politik erfüllen, und da haben die verschiedenen Verkehrsminister seit Jahrzehnten kläglich versagt.

Tingleff wäre für internationale Züge der beste Bahnhof, um Fahrgäste aus den Kommunen Apenrade, Tondern und Sonderburg zu bedienen. Da muss die Politik DSB auf den Pott setzen und einen Zwischenstopp dort verlangen. Immerhin bewilligt das Folketing die Zuschüsse für den Bahnbetrieb und muss dann auch das Recht haben, die Vorstellungen von DSB bürgerfreundlich zu revidieren.

Mit der richtigen Einstellung kann Tingleff bereits ab dem nächsten Fahrplanwechsel als Halt eingeplant werden.

Paul Sehstedt
Reberbanen 41
Apenrade

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