Kommentar

„Oldtimer bringen grenzüberschreitendes Hyggegefühl“

Veröffentlicht Geändert
Ein dänisch-deutsches Ereignis: das Oldtimertreffen in Gravenstein

Mehr als eintausend alte Autos sind vergangenen Sonnabend wieder durch Gravenstein gefahren. Höhepunkt: das grenzüberschreitende Oldtimerrennen. Ein Treffen mit historischen Fahrzeugen halt – oder? Warum mehr dahintersteckt: ein Kommentar von Simone Mischke.

Die Menschen stehen am Straßenrand, jubeln und winken, manche haben kleine, rot-weiße Fähnchen in den Händen. Jung, alt, groß, klein. Auf der Straße ist nicht etwa die königliche Familie unterwegs zu ihrem Sommerschloss in Gravenstein. Sondern Oldtimer. Vergangenen Sonnabend tuckerten sie zum 34. Mal durch Nordschleswig und nach Flensburg. Auf zwei, vier und mehr Rädern. Designklassiker aus aller Welt. Gebaut in Zeiten, in denen man die Marken noch voneinander unterscheiden konnte.

Alfa Romeo, VW Käfer, Volvo, die „Ente" fehlte natürlich auch nicht. Autos, teils seit 80 Jahren auf den Straßen unterwegs. Wenn die Geschichten erzählen könnten!

Überraschendes Event in Dänemark

Nach Angaben des Veranstalters ist das jährliche Oldtimertreffen in Gravenstein das größte in Dänemark. Ich wohnte seinerzeit schon zwei Jahre in Gravenstein, als mich das Ereignis zufällig zum ersten Mal im wahrsten Sinne ausbremste: ein langer Stau auf der Straße vor dem Ortseingang, überall Oldtimer.

Und das in einem Land, das keine eigene Autoindustrie hat, in dem Autofahren deshalb ein teures Vergnügen ist und die meisten entweder mit Kleinwagen oder (noch) staatlich geförderten E-Autos unterwegs sind? Ich wunderte mich. Freute mich aber auch über den ungewohnten Anblick auf der Straße.

Mehr als ein Oldtimertreffen

Das 34. Oldtimertreffen hat dieses Jahr mehr als 5.000 Menschen angelockt - ein neuer Besucherrekord.

Na ja, ein Oldtimertreffen halt, könnte man jetzt sagen. Nicht jede und jeder hat was mit Autos im Allgemeinen oder alten Autos im Speziellen am Hut. Doch darum geht es auch nicht unbedingt. Es geht um Hygge. Um das Zusammensein. Und dafür braucht es hierzulande nicht viel.

Die Däninnen und Dänen klemmen sich einfach ein Klappstühlchen und ein -tischchen unter den Arm, stellen es am Straßenrand auf. Nehmen Platz, packen etwas zu essen und zu trinken aus. Und gerne auch kleine Dannebrog-Fähnchen. Winken den vorbeifahrenden Menschen in ihren alten Autos fröhlich zu. Und die winken fröhlich zurück.

Manche sitzen auch einfach auf den Treppen vor ihren Häusern, in der Hand einen Kaffee, beobachten die sorgfältig gepflegten Schätzchen auf zwei und mehr Rädern. Sei es bei der Ausfahrt oder zuvor auf dem Ringreiterplatz, wo die Oldtimer aufgereiht in der Sonne glänzen.

Hyggelig Grenzen überwinden

Das Oldtimertreffen ist aus meiner Sicht ein Phänomen in Zeiten, in denen die Gesellschaft zunehmend auseinanderdriftet, erpicht darauf, das spaltende, nicht das einende Element zu suchen und zu finden. Genau das findet man beim Oldtimertreffen. Es ist ein grenzüberschreitendes Ereignis. Nicht nur die Ausfahrt von Gravenstein nach Flensburg und zurück.

Die Fahrerinnen und Fahrer der Designklassiker kommen von beiden Seiten der Grenze. Bei den Zuschauenden ein Stimmengewirr aus Deutsch und Dänisch. Minderheiten, Mehrheiten? Spielen hier keine Rolle. Zumindest für einige Stunden nicht, in denen sich Menschen aus Deutschland und Dänemark einfach nur schöne Autos ansehen und kostbare Zeit mit Familie und Freunden genießen.

Mehr als 5.000 Menschen haben sich das Oldtimerspektakel vergangenes Wochenende angesehen. Ein neuer Rekord, wie der Veranstalter mitteilte. Na ja, und die Nordschleswiger und ihre Gäste konnten sich schon mal einstimmen, mit Jubeln, Fähnchenschwenken und so. Denn bald kommt sie ja wieder, die königliche Familie, um ihren Sommerurlaub auf Schloss Gravenstein zu verbringen. Aber das ist eine andere Geschichte.