Diese Woche in Kopenhagen

Ob Lichtmesse oder „Kyndelmisse“: Das Licht kehrt zurück

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Das Werk „Curtain Call“ bei Schloss Christiansborg

In Kopenhagen findet in diesen Wochen das jährliche Lichtfestival statt. Walter Turnowsky hat sich auf die Suche nach – zum Teil versteckten – Lichtquellen gemacht.

Als wir mit meiner Wandergruppe am Donnerstag auf unseren Spaziergang durch Kopenhagen aufbrachen, war zum ersten Mal in diesem Jahr noch Licht am Himmel. Zum einen war es wolkenfrei – und außerdem war vergangenen Sonntag „Kyndelmisse“.

Das ist zwar als „Darstellung Jesu“ eigentlich ein alter christlicher Feiertag, aber auch wir Heiden dürfen uns darüber freuen, dass die Mariä Lichtmess bedeutet, dass wir die Hälfte des Winters überstanden haben.

Das Licht kehrt zurück. Und auch wenn auf unseren Breitengraden im Winter keine ewige Nacht herrscht, so kann es am 21. Dezember schon mal ganz schön finster sein. Also freuen wir uns auf das Licht – und auch mehr als in Deutschlands katholischen Gegenden, in denen die Lichtmesse auch gefeiert wurde und zum Teil noch wird.

Seinerzeit wurde „Kyndelmisse“ mit reichlich Speis und Trank gefeiert. Der Ausdruck leitet sich übrigens von dem norrönen Wort „Kyndill“ ab, das Wachskerze bedeutet. Und dies kommt wiederum von dem lateinischen „Candela“.

Die „fish-anxious“ verstecken sich beim Frederiksholm Kanal.

Das Fest ist ein wenig in Vergessenheit geraten, was eigentlich schade ist. Denn es täte uns gut, wenn wir uns bei Wurst und Bier (darf auch alkoholfrei sein) daran erinnern, dass das Licht irgendwann zurückkehrt – mag der Winter auch noch so unendlich erscheinen.

Es war übrigens der Deutsche Johann Friedrich Struensee, der „Kyndelmisse“ als Feiertag abgeschafft hat. Selbstverständlich war es (insbesondere aus heutiger Sicht) nicht ganz in Ordnung, ihn aufgrund seiner Reformen gleich hinzurichten. Aber die Lichtmesse hätte er uns schon lassen können.

Wie wir bei unserem Spaziergang feststellen konnten, hat man in Kopenhagen den Festtag in einer modernen Fassung neu belebt. Vom 31. Januar bis zum 23. Februar findet nämlich das Copenhagen Light Festival statt (dies auch als Tipp für mögliche Besuchende).

Der „Doppler“ befindet sich auf der Dachterrasse der Cinematek.

Um ehrlich zu sein: Ganz überraschend kam es für uns in der Gruppe nicht. Einerseits findet das Festival bereits seit einigen Jahren statt und andererseits haben wir die Lichtinstallationen gezielt angesteuert. Einige von ihnen muss man ein wenig suchen, und auch schon mal auf einer Dachterrasse nachschauen.

Da die Leserinnen und Leser des „Nordscheswigers“ bekanntlich intelligente Menschen sind, wirst du vermutlich schon erraten haben, worauf ich hinauswill – auch ohne dass ich das allzu überdeutlich erklären muss.

Der „Green Beam“ ist an unterschiedlichen Orten in Kopenhagen zu sehen.

Manchmal ist es eben besser, nach dem Lichtstreifen am Himmel Ausschau zu halten, als sich von den Nachrichtenmeldungen erdrücken zu lassen. Und solange es noch dunkel ist, kann man ja an versteckten Orten wie Kanälen und Dächern nach unerwarteten Lichtquellen Ausschau halten.