Gastkommentar

„Nordschleswigsche Wutbürger:innen – Teil 1“

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In seinem Gastkommentar zeigt sich BDN-Kulturkonsulen Uffe Iwersen verärgert über den Ton, den einige Nordschleswiger und Nordschleswigerinnen in Kommentarspuren der sozialen Netzwerke an den Tag legen.

Oh ja, ich kann mich auch sehr über Gott, die Welt und vor allem die Minderheit aufregen. Auch ich mische mich in Sachen ein, die mich eigentlich nichts angehen. Auch ich lasse mich über Dinge, Personen und Themen aus. Das ist vielleicht nicht immer gleich schlau, aber es ist wahrscheinlich eine ganz natürliche Angewohnheit, wenn einem etwas – wie mir unsere Minderheit – am Herzen liegt. Und manchmal muss man sich auch einfach mal Luft machen.

Ich versuche, mich jedoch moderat aufzuregen (auch wenn es mir schwerfällt und nicht immer gelingt), um dann auch wieder relativ schnell konstruktiv und sachlich zu werden. Auch rege ich mich nur in vertrauten Kreisen und eben nicht im öffentlichen Raum auf. Dies scheint jedoch immer häufiger anderen Personen unserer Minderheit und aus ihrem Dunstkreis nicht zu gelingen.

In Leserbriefen und in den Kommentarspalten bei Facebook und Instagram wird draufgehauen wie nichts Gutes – einseitig, ohne fundiertes Wissen rund um die Thematiken, nicht reflektierend und in einem Ton, der oftmals Kopfschütteln auslöst. Einfach nur aus Enttäuschung, Wut und/oder Hass. Die nordschleswigschen Wutbürger:innen kommen vermehrt aus ihren Löchern. Hoffentlich finden sie ihren Weg wieder zurück.

Dies ist natürlich kein neues Phänomen und nichts, was sich auf unsere Minderheit beschränkt, aber die Auswirkungen sind bei uns immer viel deutlicher spürbar, weil sich irgendwelche dämlichen Wutkommentare bei Facebook bei uns nicht in den Weiten des Internets verdünnisieren, sondern gleich persönlich bei den angegriffenen Personen, Vereinen oder Institutionen einschlagen wie ein glühender Komet.

Ich kann durchaus verstehen, wenn dann so manche Person sich sagt: „Ich habe die Schnauze voll – macht euren Kram doch alleine.“ Und gerade so etwas müssen wir verhindern.

Natürlich müssen wir diskutieren, den Finger in die Wunde legen und auch ab und an streiten können. Aber – insbesondere wenn es sich um unsere Minderheitenverbände und Einrichtungen dreht – müssen wir viel konstruktiver im öffentlichen Diskurs miteinander umgehen und Wut und Hass beiseitelegen. Denn auch das gehört dazu, wenn wir unsere Minderheit entwickeln und zukunftssicher gestalten wollen.