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„Myanmar: Ein Land zwischen Beben, Gewalt und Diktatur“

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Ein Beben erschüttert Myanmar – doch das wahre Desaster ist menschengemacht. Jan Diedrichsen prangert an: Die Junta lässt Hilfe nur dort zu, wo sie ihr nützt. Millionen leiden, die Welt schweigt.

Am 28. März 2025 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,7 den Norden Myanmars (Burma). Über 2.000 Menschen starben, Tausende wurden verletzt. Die Regionen Sagaing und Mandalay wurden schwer getroffen. Straßen rissen auf, Brücken stürzten ein, ganze Dörfer verschwanden. Die Strom- und Wasserversorgung brach zusammen. Das Beben traf ein Land, das politisch und gesellschaftlich bereits am Boden lag.

Zur Person: Jan Diedrichsen

Ein zerrissenes Land

Myanmar ist Heimat von über 135 ethnischen Gruppen. Die größte sind die Bamar, etwa 60 Prozent der Bevölkerung, mehrheitlich buddhistisch. Daneben leben Minderheiten wie Shan, Karen, Kachin, Chin und Rohingya. Viele sprechen eigene Sprachen, folgen anderen Religionen, haben eigene kulturelle Identitäten. Seit der Unabhängigkeit 1948 fordern viele dieser Gruppen mehr Autonomie. Die Zentralregierung verweigert sie. Es kam zu bewaffnetem Widerstand. Heute kontrollieren Milizen ganze Landesteile. Der Staat ist schwach, das Militär brutal.

Auch religiöse Spannungen spielen eine Rolle. Die meisten Bamar sind Buddhistinnen und Buddhisten. Viele Minderheiten sind Christinnen und Christen oder Musliminnen und Muslime. Die Chin im Westen sind überwiegend christlich. Die Rohingya im Bundesstaat Rakhine sind muslimisch. Sie gelten offiziell nicht als Bürgerinnen und Bürger, obwohl sie seit Generationen im Land leben. 2017 brannte das Militär Dutzende ihrer Dörfer nieder. Über 700.000 Menschen flohen nach Bangladesch. Die UN sprachen von ethnischer Säuberung. Die Flüchtlinge leben bis heute unter elenden Bedingungen.

Diktatur und Widerstand

Am 1. Februar 2021 putschte das Militär unter General Min Aung Hlaing gegen die gewählte Regierung von Aung San Suu Kyi. Die Junta sprach von Wahlbetrug ohne Beweise. Es folgten Massenproteste. Das Regime reagierte mit Gewalt. Hunderte starben. Tausende wurden verhaftet. Der bewaffnete Widerstand wuchs. Vor allem in den Gebieten der ethnischen Minderheiten kam es zu Kämpfen. Der Bürgerkrieg weitete sich aus. Millionen flohen, die Wirtschaft brach zusammen. Hunger und Krankheit breiten sich aus.

Das Erdbeben hat die Lage weiter verschärft. Die humanitäre Hilfe kommt nur schleppend voran. Helferinnen und Helfer werden behindert. Straßen sind zerstört. Zugänge zu vielen Regionen sind blockiert. Berichte häufen sich, dass das Militär Hilfslieferungen nur in regimetreue Gebiete lässt. In oppositionellen Regionen kommt nichts an. Menschenrechtsorganisationen werfen der Junta vor, das Beben für militärische Zwecke zu nutzen. Angriffe auf Rebellenstellungen gehen weiter. Hilfe wird zur Waffe.

Zwischen Hoffnung und Vergessen

Die Menschen in Myanmar leben seit Jahren im Ausnahmezustand. Zwischen Repression, Armut und Gewalt bleibt ihnen kaum Raum zum Atmen. Und doch halten viele an der Hoffnung fest: auf ein freies, friedliches Myanmar, in dem Gerechtigkeit zählt, nicht Unterdrückung.

Das Erdbeben vom 28. März 2025 hat die ohnehin schon prekäre Lage in Myanmar weiter verschärft. Die humanitäre Krise ist immens, und die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, effektive Hilfe zu leisten, ohne die politischen Spannungen weiter anzuheizen. Die Zivilbevölkerung leidet unter den Folgen des Bebens und des anhaltenden Konflikts. Die Infrastruktur ist zerstört, und der Zugang zu grundlegenden Versorgungsgütern ist stark eingeschränkt.

Die Zukunft Myanmars hängt in der Schwebe. Die Menschen im Land brauchen dringend Unterstützung, um die unmittelbaren Folgen des Erdbebens zu bewältigen. Gleichzeitig muss ein politischer Wandel herbeigeführt werden, der den ethnischen Minderheiten die lange überfällige Anerkennung und Autonomie gewährt. Nur so kann Myanmar den Weg in eine friedliche und gerechte Zukunft finden.