Leitartikel

„Mehr Team Grænzland wagen – und sichtbar machen“

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790 Kilometer, fünf Etappen, unzählige Begegnungen: „Team Grænzland“ hat eindrucksvoll gezeigt, wie Grenzen verschwimmen können, wenn Menschen es wollen. Die Radtour von Pattburg nach Brüssel schweißte die Gruppe zu einer Einheit zusammen. Journalist Gerrit Hencke blickt zurück und erklärt, warum er sich auf der Tour noch mehr Strahlkraft für die Botschaft von Freundschaft, Freiheit und Völkerverständigung zwischen Mehrheiten und Minderheiten gewünscht hätte.

Die Radfahrt über 790 Kilometer und fünf Etappen von Pattburg (Padborg) nach Brüssel ins Herz von Europa hat Spuren hinterlassen. Nein, gemeint sind nicht die paar körperlichen Blessuren, die so eine Tour zwangsläufig hinterlässt. Es sind die Erlebnisse und Eindrücke, die wir als „Team Grænzland“ gemeinsam gesammelt haben. Trotz zahlreicher Trainings im Vorfeld wuchs das Team aus deutscher und dänischer Minderheit und Mehrheit erst auf der Tour so richtig zusammen.

Gemeinsam sind wir früh aufgestanden, haben gemeinsam gefrühstückt, gemeinsam die Kilometer bewältigt, gemeinsam zu Abend gegessen, geschnackt, gesungen, gelacht und zwei Geburtstage gefeiert – auf Deutsch, Dänisch, Synnejysk oder einem Mix aus allen drei Sprachen. Auf fast 800 Kilometern sind aus teils Fremden gute Bekannte, wenn nicht sogar auch Freunde geworden. Radfahren verbindet. Hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Kein Empfang durch die EU

Diese Tour hat erneut gezeigt, wie Grenzen verschwimmen und Barrieren verschwinden, wenn man nur will. Wir haben als gesamtes Team ein Signal der Freiheit und Freundschaft nach Europa getragen. Daher ist es sehr bedauerlich, dass uns das Europaparlament nicht empfangen hat, propagiert es doch diese Werte immer wieder.

Vielleicht ist es auch vermessen, dies angesichts der weltpolitischen Lage zu erwarten. Es zeigt aber auch, dass der Einsatz für ein friedliches Zusammenleben von Mehrheiten und Minderheiten in Europa noch nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es braucht.

„Team Grænzland“
Ein Teil des „Team Grænzland“ am EU-Parlament.

Eine temporäre Strahlkraft

Ja, unsere Grenzregion ist ein Vorbild für Europa. Das wurde auch in den Reden beim Empfang in der dänischen Botschaft in Brüssel immer wieder betont. Die vielen Worte, die oft wie Plattitüden daherkommen, weil man sie schon so oft gehört hat, müssen aber offenbar immer und immer wiederholt werden. Mit Aktionen wie der Radtour nach Brüssel bekommen sie wieder eine temporäre Strahlkraft.

Ins Gespräch kommen, im Gespräch bleiben

„Team Grænzland“ ist ein Zeichen für alles, was Europa sein will. Fremde Menschen, die uns unterwegs fragten, was wir hier tun, zeigten sich positiv beeindruckt ob der physischen Leistung, aber auch wegen unserer politischen Mission.

Die Freiwillige Feuerwehr in Twist ist so ein Beispiel. Die Truppe gewährte uns ohne Zögern Platz für die Mittagspause, zeigte uns die Wache, sang mit uns und verabschiedete uns mit Blaulicht und Martinshorn. Friedliches Zusammenleben kann so einfach sein.

„Team Grænzland“
„Team Grænzland“ sorgte nicht nur auf der Elbefähre für Interesse.

Es hätte noch mehr Sichtbarkeit gebraucht

Um diese Botschaften weiterzutragen, hätte „Team Grænzland“ unterwegs noch sichtbarer sein können – vielleicht sogar müssen. Auf den Begleitfahrzeugen waren zwar Tafeln mit „Team Grænzland“ angebracht, aber keine Erklärung, was eigentlich unser Ziel ist. Vielleicht hätte der Grund unserer Fahrt unterwegs noch mehr Menschen erreicht und mitunter auch mehr Verständnis erzeugt. Denn wer uns sah, hielt uns womöglich für irgendein Fahrradteam.

Eindeutige Message

„Team Grænzland“
„Team Grænzland“ steht auf den Begleitfahrzeugen – eine Erklärung fehlt jedoch.

Auf den Autos hätten zum Beispiel die Etappen Platz finden können, ein Link, ein QR-Code zu mehr Informationen oder auch eine eindeutige Message – so etwas wie „Mehrheit und Minderheit – gemeinsam für Europa“ in verschiedenen Sprachen. Auch Flyer wären denkbar gewesen. Etwas, das uns als Team eindeutig und klar identifiziert. Denn wer die Politik nur schwer erreicht, der muss die Menschen erreichen, gerade in Zeiten wie diesen.

Die Etappen der Tour
Die Etappen der Tour von Pattburg nach Brüssel.