Leserbrief

„Mehr Frauen: Wo sind sie? “

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In seinem Leserbrief geht Thilo Schlechter, Vorsitzender des Ortsvereins BDN in Bau und Mitglied der SP in Apenrade, auf die Aussage in Anna-Lena Holms Leitartikel ein, die Minderheit sei „zu männlich“. Trotz intensiver Bemühungen sei es schwer, Frauen zu motivieren.

Als aktives und ehrenamtlich tätiges Mitglied der deutschen Minderheit möchte ich doch hier mal meine Meinung zur Gleichstellung teilen. Mit großem Interesse lese ich den Leitartikel von Anna-Lena Holm zu einem Thema, das in den letzten Jahren schon sehr oft die Minderheit beschäftigt hat. Dies nicht ohne Grund, es ist in der Gesellschaft ein mittlerweile wichtiges und auch politisches Thema geworden. Selbst bin ich ein großer Befürworter und möchte auch jede Initiative in dieser Hinsicht loben.

Nun lese ich die Überschrift des Leitartikels: „Zu männlich“. Ich habe nicht den Eindruck, dass die deutsche Minderheit mit dieser Problematik so einfach umspringen sollte, in meinen ehrenamtlichen Berührungspunkten mit der Minderheit muss ich feststellen, dass die, auch im Leitartikel angeführten, Momentaufnahmen zur Besetzung der Leitungspositionen und Posten ein Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau tragen. Als Schulausschussvorsitzender, Vorsitzender des Ortsvereins BDN in Bau und Mitglied der SP in Apenrade kann ich in jedem Gremium ebendies auch feststellen. Also teile ich die Meinung, dass die Minderheit sich zu dem Thema Gleichstellung nicht mit Lorbeeren schmücken kann? Nein, ich gebe offen zu, das tue ich nicht. Die Minderheit, die aus reichlich großen und kleinen Verbänden unter dem großen Dachverband des BDN besteht, hat sich in den letzten Jahren viel Mühe gegeben, das Thema Gleichstellung anzugehen und es in den Fokus zu rücken. Es ist, meiner bescheidenen Meinung nach, einfach falsch zu sagen, dass nichts passiert und dass Gleichstellung bei der Minderheit nicht angegangen wird. Die Thematik ist nun schon etwas komplizierter, als jedes Jahr die Posten zu zählen und dies auf der Grundlage zu bewerten. Wenn man dies schon tut, fehlt mir persönlich der objektive Lösungsvorschlag.

Haben wir ein Übergewicht des männlichen Geschlechts in den Gremienleitungen der Minderheit? Das ist möglich, hier mal mehr und dort mal weniger. Für mich ist interessant, warum dies so ist, denn in den letzten Jahren hat sich irgendwie für mich unterschwellig eine Haltung in den Artikeln eingeschlichen, die einem vermittelt, es handele sich um eine eingeschworene Gruppierung von Männern, die sich dagegen zur Wehr setzt, dass Frauen sich an Ihren Tisch begeben. Man stelle sich hier bildlich vor, wie Pläne geschmiedet werden, um auf verstohlene Weise dafür Sorge zu tragen, dass ja keine Frau einen Posten ergattert und den männlichen Frieden stört (überspitztes Bild, man verzeihe es mir). So wie ich die Minderheit kenne, denke ich nicht, dass dies der Fall ist. Im Gegenteil wird oft, hier spreche ich vom Ehrenamt, lautstark nach Verstärkung der Frauen gerufen. Man probiert sehr intensiv, Frauen zu motivieren, sich einzubringen, und mein persönlicher Eindruck ist leider, ob Mann, ob Frau, wenn es darum geht, die Posten zu besetzen, die in der Demokratie der Minderheit wichtig sind, herrscht generell eher gähnende Leere in den Rängen der Anwärter.

Ich möchte auch gerne ein konkretes Beispiel geben: Dieses Jahr ist Wahl, unter anderem in Aabenraa Kommune, für die SP zählt jede Stimme. Wir bräuchten gerne noch ein paar Frauen, die sich für die Minderheit politisch starkmachen. Wo sind sie? Wer macht mit? Ich mache hiermit einen offenen Aufruf dazu, dass sich ein paar Frauen dazu entschließen, mich Lügen zu strafen und sich dieses Jahr aufstellen lassen. Das fände ich im Namen der SP Spitzenklasse.

Ganz wichtig ist mir, NICHT missverstanden zu werden, ich bin ein Fürsprecher der Gleichstellung, besonders in der Minderheit. Vielleicht bin ich naiv, aber ich denke, auch die meisten im BDN Hauptvorstand, bei den Leitern der Verbände, in den lokalen Gremien und auch unter den Nachbarn, die ich habe, teilen diese Haltung. Es ist im Praktischen halt nur schwer, vom Geschlecht her ausgeglichene Kandidaten zu finden. Da ich mich auf ganzer Linie täuschen kann, möchte ich hier Folgendes festhalten: Kann ich der Gleichstellung etwas Gutes tun, indem ich meinen Posten als Vorsitzender im Ortsverein an eine Frau übertrage? Kann ich helfen, indem ich meinen Vorsitz im Schulausschuss mit sofortiger Wirkung einer Kollegin im Ausschuss übertrage? Ich würde dies sofort tun. Wer meldet sich? An dieser Stelle auch noch eine klare Aufforderung: Liebe Anna-Lena Holm, stell dich bitte als Kandidatin zur Wahl. Das meine ich ernst, denn deine Stimme wird gebraucht, und es ist ein wichtiges Thema.

Zusammengefasst würde ich zum Schluss gerne an alle, die dies lesen mögen, appellieren: Seid offen und helft mit, an der Gleichstellung zu arbeiten. Denkt auch immer daran, dass bei uns in der Minderheit das Glas halbvoll ist … und nicht halbleer.

Die in diesem Leserbeitrag vorgebrachten Inhalte wurden nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.