Gastkommentar

„Liebe ist Liebe ist Liebe“

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Büchereidirektrorin Claudia Knauer kommentiert eine Studie, die zeigt, dass homophobe Einstellungen in einigen Glaubensgemeinschaften weit verbreitet sind.

Hauptsache Liebe – dieser Ansicht sind unerfreulich viele Menschen in Dänemark nicht. Wie „Der Nordschleswiger“ schon berichtete, hat eine sehr eingehende Studie mit vielen Befragten zutage gebracht, dass jede/r Fünfte homophobe Ansichten vertritt. Das heißt, dass er oder sie Probleme damit hat, wenn ein Mann einen Mann küsst, eine Frau eine Frau heiratet, queer oder bi oder eben einfach anders seine/ihre Sexualität lebt.

Das ist erschreckend und verstörend. Noch verstörender ist dabei, dass religiöse Milieus und Männer (frau ist versucht zu schreiben: schon wieder!) diejenigen sind, die die größte Ablehnung zu erkennen geben.

Wir als Minderheit sind hoffentlich toleranter, denn wir wissen ja, was es bedeuten kann, nicht zur Mehrheit zu gehören.

Dass die Zeugen Jehovas Homosexualität bei ihren Mitgliedern ablehnen, ist sehr bedauerlich, denn Homosexualität ist keine Marotte, nichts Anerzogenes, nichts Krankhaftes und nichts Unnatürliches, sondern es ist einfach so. Manche Männer lieben Männer, manche Frauen Frauen. Punkt. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Aber die Zeugen Jehovas und die Innere Mission fallen zahlenmäßig in unserer Gesellschaft eher nicht ins Gewicht. Das tun aber die Menschen muslimischen Glaubens, und auch hier sind sehr viel mehr homophob als im Rest der Gesellschaft. Das ist ein Problem bei einem Bevölkerungsanteil von über 5 Prozent. Bei rund 350.000 Menschen sprechen wir von keiner kleinen Gruppe.

Wer in Dänemark lebt, muss unsere Grundwerte akzeptieren und dazu gehört, dass es jedem und jeder frei steht zu lieben, wen er oder sie mag. Genauso wie jede und jeder glauben darf, was er oder sie will: ob an Gott, Allah, als Jude an den einzigen unteilbaren Schöpfer der Welt, an Thor und Åse oder an gar nichts. Das steht den Menschen in Dänemark frei. Glauben und Sexualität sind individuelle Rechte, die der Staat schützen muss. Wenn solche homophoben Einstellungen zu Übergriffen führen, wie hier in diesem Medium berichtet wurde, muss er hart durchgreifen.

Hassverbrechen sind strikt zu ahnden, und um sie zu verhindern, muss im Unterricht, gerne schon im Kindergarten klargemacht werden: Wir mögen unterschiedlich sein, unterschiedliche Hautfarben haben, verschiedene Sprachen sprechen, unterschiedlich lieben und glauben – das ist hier erlaubt. Wem das nicht gefällt, und wer das nicht aushält, kann sich woanders umschauen. Das Gute an diesem freien Land ist, dass man auch gehen kann. Was man nicht kann, ist dem anderen seine Haltung aufzwingen.