Leserinnenbrief

„Kompetenz in der Großstadt: die ungenutzte Ressource der Minderheit“

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Junge Minderheitenmitglieder gehen – ihr Potenzial bleibt. Sofie Knauer kritisiert in ihrem Leserbrief, dass die SP genau darauf verzichtet. Ihre Forderung: Wer Rückzug will, muss die Weggezogenen endlich einbinden.

Viele von uns, junge Menschen aus der Minderheit, ziehen zum Studieren oder Arbeiten in die größeren Städte. Doch das bedeutet nicht, dass wir unsere Minderheitenzugehörigkeit oder unsere Heimat hinter uns lassen. Minderheit bleibt man ein Leben lang, und Nordschleswig hat für viele von uns weiterhin einen festen Platz im Herzen.

Umso unverständlicher ist es, dass die Minderheit uns oft übersieht. Wir sind eine Generation, die gut ausgebildet ist, praktische Erfahrung mitbringt und sich engagieren möchte. Dass unser Potenzial nicht aktiv genutzt wird, ist ein Versäumnis – besonders im Kommunalwahlkampf wurde das sehr deutlich.

Im Gegensatz zu anderen Parteien hat die SP kein Parteisekretariat auf Christiansborg, das beim Wahlkampf unterstützen, Debatten- oder SoMe-Kurse anbieten oder einfach mal vor Ort vorbeischauen kann. Kein Wunder also, dass der Instagram-Auftritt der SP (anders als der der Jungen Spitzen, die für ihre Größe wirklich einen guten Job machen) oft erschreckend schwach wirkt. Dass es nicht einmal gelingt, die eigenen Kandidaten zu taggen, spricht für sich.

Dabei könnten diese Probleme leicht gelöst werden. Schon beim ersten Nachdenken fallen mir mindestens drei junge Minderheitler ein, die Wahlkampferfahrung aus großen Parteien mitbringen und akademisch top ausgebildet sind. Warum werden solche Menschen nicht um Hilfe gebeten? Ein Wochenendkurs, ein kurzer Workshop oder sogar ein Zoom-Nachmittag würden ausreichen. Nur weil wir in Kopenhagen oder anderen Städten leben, heißt das nicht, dass wir „aus der Welt“ sind – auch wenn es in Nordschleswig manchmal so wirkt.

Es ist keine Schande, um Unterstützung zu bitten. Im Gegenteil: Die Minderheit sollte stolz darauf sein, welch qualifizierte junge Menschen aus ihr hervorgehen – und dieses Potenzial bewusst einbinden. Gleichzeitig wäre das eine starke Möglichkeit, uns Weggezogene weiterhin an Nordschleswig zu binden. Wenn ihr wollt, dass wir irgendwann zurückkommen, dann zeigt auch, dass wir nicht vergessen sind.

Ich verstehe generell nicht, warum es kein Kompetenznetzwerk der Minderheit gibt, in das man sich aktiv eintragen kann, meinetwegen auch erst einmal eine einfache Facebook-Gruppe für Weggezogene. Nutzt doch die Fähigkeiten, die es unter uns gibt. Ich bin mir sicher: Die meisten von uns würden sofort bereitstehen, wenn wir gefragt würden. Nordschleswig bleibt für uns Heimat – und eine Heimat unterstützt man immer gern.

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