Gastkommentar

„Investition in Kultur lohnt sich“

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Lesen macht stark gegen Populismus – doch warum wird ausgerechnet an Bibliotheken gespart? Während Kopenhagen Millionen investiert und steigende Ausleihen feiert, drohen in Apenrade Kürzungen. Büchereidirektorin Claudia Knauer erklärt in ihrem Gastkommentar, warum jede Krone fürs Lesen eine Investition in unsere Demokratie ist.

Na klar bin ich als Büchereidirektorin befangen, wenn es um Bibliotheken geht. Das gehört quasi mit zur Jobbeschreibung. Aber trotzdem führt kein Weg an den Fakten vorbei, und die besagen ganz klar: Wer lesen kann und dann auch wirklich liest, ist besser gewappnet gegen Populismus und kann dazu beitragen, dass unsere demokratische Gesellschaft kein Auslaufmodell wird.

Während rundum in der Welt Autokraten ihre Macht ausbauen und Diktatoren vor – versehentlich – geöffnetem Mikrofon darüber nachdenken, wie sie ihr Leben verlängern können, müssen wir Rückgrat zeigen und unser Gesellschaftsmodell verteidigen.

Es kommt ja nicht von ungefähr, dass in den USA immer mehr Bücher im Unterricht verboten, aber auch aus Bibliotheken entfernt werden. Dazu zählen unter anderem „Wer die Nachtigall stört“, „1984“, die „Farm der Tiere“ und der „Report der Magd“; und selbst „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ steht oft auf dem Index – unter anderem, weil diese Werke zum selbstständigen Denken und dann auch Handeln anregen. Das mögen Machthaber gar nicht.

Das alles gab es schon einmal. Schon einmal brannten Bücher, und es ging für die Welt nicht gut aus.

Deshalb muss gelesen werden.

Die Kopenhagener Kommune hat die Zeichen der Zeit erkannt und stockt den Haushaltstitel für die Bibliotheken sehr ordentlich auf. In der Kommune gibt es jedes Jahr von 2026 bis 2029 rund 20 Millionen Kronen extra für mehr Bibliotheksangestellte, für mehr Material und sogar für eine neue Sortieranlage. Die alte gibt nämlich gerade ihren Geist auf, weil so viele Bücher ausgeliehen werden und zurückkommen. Die Steigerung liegt bei 11 Prozent der physischen Bücher für Erwachsene und 13 Prozent bei Kinderbüchern! Das ist eine klare An- und Aussage.

In der Kommune Apenrade sieht das Budget für 2026 und folgende leider einen Rückgang der Zahlungen für die Bibliotheken vor.

Das Lesen von Belletristik wird mittlerweile sogar für die Chefetage mit ihren Führungskräften empfohlen. Denn wer Romane statt Managerhandbücher liest, hat gute Chancen, eine bessere Chefin, ein besserer Chef zu werden, denn diese Bücher regen die Fantasie an, fördern Empathie und das Hineinversetzen in andere Menschen und andere Situationen.

Jede Krone, jeder Euro, die/der für Kultur und hier ganz speziell für Bibliotheken ausgegeben wird, ist eine Investition in die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft.

Die in diesem Gastkommentar vorgebrachten Inhalte sind nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.